Ideen reichen bis ins Jahr 2032

Künzelsau - Ein Heimatmuseum zeigt mehr oder weniger interessante Dinge aus der Geschichte vor Ort. Ein Besuch pro Leben genügt in der Regel. Genau so ein Museum will Künzelsau nicht. Deshalb heißt das Haus auch nicht Heimat-, sondern Stadtmuseum. Und: Es soll neugierig machen.

Von Matthias Stolla

Ideen reichen bis ins Jahr 2032
Blick ins Grab: Der vermutlich älteste Künzelsauer ist im Stadtmuseum zu sehen. Laut Stefan Kraut könnte er um 5000 Jahre alt sein.Fotos: Matthias Stolla

Künzelsau - Ein Heimatmuseum zeigt mehr oder weniger interessante Dinge aus der Geschichte vor Ort. Ein Besuch pro Leben genügt in der Regel. Genau so ein Museum will Künzelsau nicht. Deshalb heißt das Haus auch nicht Heimat-, sondern Stadtmuseum. Und: Es soll neugierig machen.

Stefan Kraut koordiniert den Aufbau der Ausstellung, mit dem die Stadt am kommenden Samstag das Museum der Öffentlichkeit präsentieren will. Der Stadtarchivar kennt sich aus in der Stadtgeschichte, auch in die langen Vorgeschichte des neuen Museums.

Die reicht bis in 1920er Jahre zurück. Immer wieder hatten Künzelsauer nach einer Möglichkeit gesucht, die Geschichte ihrer Stadt sichtbar und erlebbar zu machen. Stadtbewohner wünschten und wünschen sich, dass die Archivalien und Fundstücke endlich gezeigt werden, anstatt in Mäusdorf im Depot zu lagern.

Stefan Kraut will etwas anderes: "Dieses Gebäude soll kein Magazin werden." Stattdessen hat er eine Konzeption auf den Weg gebracht, die man beinahe sexy nennen könnte: nicht alles zeigen und stattdessen Neugier auf mehr schaffen.

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Endspurt: Am Samstag eröffnet das Stadtmuseum in der Schnurgasse 10.

Menschen

Zwei vollständig entwickelte Konzeptionen gebe es bislang. Eine befasst sich mit der Geschichte des Ganerbiats, also jener Zeit, als sich mehrere Herrschaften Künzelsau teilten: Hohenlohe, Stetten, Comburg, Würzburg, Mainz und Hall. Teile davon bilden jetzt die Eröffnungsausstellung. Die andere Konzeption stellt Menschen in den Mittelpunkt und soll "irgendwann mal" ins Museum einziehen. Damit ist klar, dass das Haus kein statisches Museum sein wird.

Wechselnde Ausstellungen sollen für wiederkehrende Besucher und für eine Zielgruppe vom Kleinkind bis zum Senior sorgen. So kann das Museum nach und nach zeigen, was im Magazin schlummert, ohne die Besucher mit der Masse der Ausstellungstücke zuerst zu erschlagen und danach zu langweilen. Ganz bewusst seien die Ausstellungsräume im Erdgeschoss sowie in den beiden Obergeschossen sparsam bestückt.

Impulse

An Konzeptionen herrscht kein Mangel. "Es gibt bereits Ideen, die bis ins Jahr 2032 reichen", sagt Stefan Kraut, der im ehemaligen Haus Wüst in der Schnurgasse ohnehin kein reines Haus der Vergangenheit sieht. "Von so einem Museum können auch politische Impulse ausgehen, etwa für die Stadtplanung." Ganz wichtig sei in dem Zusammenhang auch der Arbeitskreis Stadtmuseum: "Der war Motor dafür, dass es weiterging, und er kann dem Museum großen gesellschaftlichen Rückhalt verschaffen." Mit seinem Motto "Neugier schaffen" und dem Anspruch, ein Haus auch für die Zukunft zu sein, pendelt sich das Stadtmuseum ein zwischen dem Jahresmotto 2008 der Firma Würth ("Vibrierende Neugier") und dem Mustang-Museum für die Zukunft.

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Stefan Kraut mit der Grabplatte der letzten Hohenloher Gräfin in Künzelsau.

Damit es nicht nur beim Anspruch bleibt, setzt Kraut auf moderne Technik: "Hier wurden kilometerlange Leitungen verlegt." Einige davon führen zu einer hochmodernen Tafel im Untergeschoss, die Multimedia-Präsentationen und Internet-Recherche ermöglicht.

Derzeit lässt die Stadt Museumsführer schulen. Stefan Kraut, der bei der Bürgermeisterwahl am 4. Juli als Zweitbester abgeschnitten hat, will dem Wahlsieger Stefan Neumann nicht vorgreifen und sagt deshalb vorsichtig: "Man kann davon ausgehen, dass mir das Museum auf künftig unterstellt sein wird."

Haus Wüst

Ein Jahr lang hat die Stadt das sogenannte Haus Wüst in der Schnurgasse umgebaut. Der etwa 30 Jahre alte Anbau wurde durch einen verglastes Treppenhaus ersetzt, das auch den Aufzug beherbergt. Der Gewölbekeller dient als Lager, der Kriechkeller als Ausstellungsraum. Im Erdgeschoss finden sich neben dem Foyer, ein Versammlungsraum und weitere Ausstellungsräume. Die beiden Obergeschosse werden komplett für Ausstellungen genutzt.

Die Wohnung im Dachgeschoss wird vermietet. Unklar ist, wie alt das Haus tatsächlich ist. Über dem Eingang prangt die Jahreszahl 1614. Stadtarchivar Stefan Kraut geht allerdings davon aus, dass das Gebäude „gut und gerne aus dem 16. Jahrhundert stammt.“ Sein heutiges Aussehen mit den charakteristischen Erkern erhielt es durch den Umbau im Jahr 1702, der auf den damaligen Besitzer, Amtmann Johann Marx Donner, zurückgeht.