Hohenlohekreis stellt Weiche Richtung Hall

Hohenlohe - Der Hohenlohekreis ist interessiert, der Landkreis Schwäbisch Hall inzwischen auch, und Künzelsau will es sowieso: Die Stadtbahn soll weiter fahren als nur bis nach Cappel.

Von Matthias Stolla

Hohenlohekreis stellt Weiche Richtung Hall
Ob die Stadtbahn tatsächlich freie Fahrt für eine Verlängerung bis nach Schwäbisch Hall bekommt, soll jetzt eine Studie zeigen.Foto: dpa

Hohenlohe - Der Hohenlohekreis ist interessiert, der Landkreis Schwäbisch Hall inzwischen auch, und Künzelsau will es sowieso: Die Stadtbahn soll weiter fahren als nur bis nach Cappel. Mindestens bis nach Waldenburg. Die beiden Landkreise wollen sogar untersuchen lassen, ob eine Fortsetzung bis Schwäbisch Hall-Hessental wirtschaftlich Sinn macht. Daran ist auch der Künzelsauer Bürgermeister interessiert, obwohl er sich bislang immer wieder für eine Anbindung seiner Stadt verkämpft hat und es im Grunde immer noch tut.

"Für uns ist eine Fortsetzung von Öhringen in Richtung Hessental interessant", bestätigt der Hohenloher Kreiskämmerer Helmut Kercher. Schon im Sommer "09 hatte das Landratsamt Künzelsau deshalb mit seinem Pedant in Hall gesprochen, das ebenfalls Interesse signalisierte. Eine Fortsetzung der Stadtbahn bis Waldenburg hatte der Kreis bereits im Jahr 2002 untersuchen lassen. Das Ergebnis war positiv, nur "die Interessenlage in Hall war damals eine andere", sagt Kercher.

Möglichkeiten

Jetzt wollen beide Landkreise gemeinsam prüfen, "was man aus der Strecke Öhringen-Hessental machen kann", erklärt der Hohenloher Kämmerer. Eine Entwicklungsstudie soll mehrere Möglichkeiten durchspielen.

"Was passiert, wenn wir mehr Zugpaare einsetzen oder die Strecke zwischen Öhringen und Hessental elektrifizieren?", fragt Kercher. Mit Strom betriebene Wagen beschleunigen schneller als Dieselfahrzeuge, dadurch wären mehr Haltestellen denkbar. Möglicherweise wäre so eine Lösung leichter zu verwirklichen als eine Stadtbahnverlängerung. Noch aber sei alles offen, betont Kercher: "Wir wollen nach der Untersuchung entscheiden, was für unseren Raum das Beste ist."

Für Künzelsau wäre eine Fortsetzung der Stadtbahn bis ins Kochertal das Beste, daran hat Bürgermeister Volker Lenz keine Zweifel. In den vergangenen Jahren stand er mit seinen Bemühungen allerdings meist allein auf weiter Flur. Bereits 2002 hatte eine Untersuchung gezeigt: Die Fortsetzung der Stadtbahn bis Forchtenberg mache keinen Sinn. Damals hatte Lenz bemängelt, dass es keine gesonderte Betrachtung bis Künzelsau gegeben hat. Dort, so die Hoffnung des Stadtoberhaupts, hätte das Ergebnis positiv ausfallen können.

Im vergangen Jahr hat die Stadt genau diesen Fall untersuchen lassen. Das Ergebnis will Lenz in der Gemeinderatssitzung am Dienstag vorstellen. In der Bürgerversammlung an Aschermittwoch hatte er bereits angedeutet, es habe sich im Vergleich zu 2002 "leicht verschlechtert".

Dass der Hohenlohekreis lieber mit seinen Nachbarn in Hall gemeinsame Sache machen will als mit Künzelsau, sieht Lenz eher als Chance denn als Nachteil: "Die Anbindung von Schwäbisch Hall und damit Crailsheim könnte aus Künzelsauer Sicht interessanter sein als die nach Heilbronn." Außerdem könnten sich mit einer Fortsetzung bis Hall neue Fahrbeziehungen ergeben, welche die Künzelsauer Karten im Spiel um den Stadtbahnanschluss verbessern, hofft der Kreisstadt-Bürgermeister.

Planung

Jedenfalls wird er als Kreisrat am Montag dabei sein, wenn der Verwaltungs-, Wirtschafts- und Verkehrsausschuss des Kreistags das Thema berät. Sobald die Aufgabenstellung klar ist, wollen die Landratsämter die Anliegergemeinden informieren, sagt Helmut Kercher. Wann die Stadtbahn bis nach Hall fahren könnte, will der Kämmerer dagegen nicht sagen: "Bevor man weiß, was es kostet, sollte man sich zurückhalten." Nur soviel: Die beiden Landkreise wollen die Zeit knapper Kassen für die Planung nutzen. Kercher: "Wenn wieder Geld im Spiel ist, hat man die Chance, etwas zu realisieren."

Hintergrund: Was die Stadtbahn kostet

Nach der standardisierten Bewertung aus dem Jahr 2002 lägen die Kosten für eine Fortsetzung der Stadtbahn bis zum Gewerbepark Hohenlohe bei rund 39 Millionen Euro. Dazu kämen je 4,5 Millionen Euro für zwei Fahrzeuge. Kreiskämmerer Helmut Kercher geht davon aus, „dass Anteil von Kreis und Kommunen höher sein wird als damals“. Der Grund: Der Bund hat die Förderung von 85 auf 70 Prozent der Kosten gesenkt. Und: „Fahrzeuge werden derzeit nicht gefördert.“ mas

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