Haller Westumgehung freigegeben

Schwäbisch Hall - Der Landkreis Schwäbisch Hall feiert ein "Jahrhundertprojekt": Seit Montag fließ der Verkehr auf der Westumgehung. Gut 30 Millionen Euro kostet die Verbindung von der B19 oberhalb von Untermünkheim zur B14 zwischen Hall und Michelfeld.

Von Peter Hohl

Westumgehung
Schwäbisch Hall - Der Himmel grollte, die Kritiker waren grummelnd zuhause geblieben, doch die große Festgesellschaft feierte bei Blitz und Donner ein "Jahrhundertprojekt": Dieses Wort war immer wieder zu hören bei der Einweihung der Haller Westumgehung im Museumsdorf Wackershofen. Nach 40 Jahren Vorlauf fließt seit gestern Mittag der Verkehr auf der Verbindung zwischen der B 19 oberhalb von Untermünkheim und der B 14 zwischen Hall und Michelfeld.

7,65 Kilometer ist die Westumgehung lang, dazu kommen 2,3 Kilometer neue Nebenstraßen. 14 Brücken wurden gebaut. Noch liegt die Endabrechnung nicht vor, doch klar ist: Die Kosten werden über 30 Millionen Euro liegen. Beim Baubeginn vor dreieinhalb Jahren waren die Planer von 23,4 Millionen Euro ausgegangen. Auf breiter Front gestiegene Preise und ein schwieriger Baugrund werden von den Verantwortlichen als Gründe für die deutliche Kostensteigerung genannt.

Vorgeschichte

Der politische Streit im Kreistag ums Geld war nur der vorläufige Schlusspunkt einer kontroversen Debatte. Denn das Großprojekt hat eine lange Vorgeschichte: 1971 kamen erstmals Pläne auf den Tisch, die Bundesstraße 19 vierspurig aus dem Kochertal hinaus auf die Höhe und damit um Schwäbisch Hall herum zu legen. Mit einem Bürgerentscheid im Jahr 1988 haben die Haller diesen Plänen eine deutliche Absage erteilte.

Mitte der 90er Jahre legte das Haller Landratsamt einen Alternativvorschlag vor: Nicht die Bundesstraße solle verlegt, sondern die Kreisstraße 2576 zweispurig auf 7,50 Meter Breite ausgebaut und um die ländlichen Stadtteile Wittighausen, Gailenkirchen und Gottwollshausen herumgeführt werden. Aus der großen war die kleine Westumgehung geworden. Erneut gab es einen Bürgerentscheid, Anfang 2001 sprachen sich die Haller mehrheitlich für diese Lösung aus. Das Planfeststellungsverfahren wurde von Klagen begleitet, doch im Mai 2007 machte das Verwaltungsgericht den Weg frei. Sechs Monate später war Spatenstich.

Argumente

Die Kritiker an dem Straßenbau mitten durch wertvolles Bauernland waren gestern nicht zur Einweihung gekommen. Ein mächtiger ehemaliger Kritiker, der Schwäbisch Haller Oberbürgermeister Hermann-Josef Pelgrim, gehört mittlerweile zu den Befürwortern. Gemeinsam mit Landrat Gerhard Bauer (die Umgehung ist eine Kreisstraße), Regierungspräsident Johannes Schmalzl (das Land trägt knapp zwei Drittel der Kosten) und dem Untermünkheimer Bürgermeister Christoph Maschke zählte er die Argumente für die Umgehung auf, die da lauten: Verkehrsentlastung für das enge Kochertal, aber auch für die drei ländlichen Stadtteile auf der Höhe; dazu eine bessere Anbindung des südwestlichen Kreisgebiets von Gaildorf bis Mainhardt an die Autobahn A 6 und damit Stärkung des Wirtschaftsraumes.

Für Autofahrer aus dem Hohenlohekreis ist der Weg in die Handelszentren im Haller Westen jetzt deutlich einfacher, die Haller Innenstadt bleibt sozusagen außen vor.