Gemeinde gründet Privatschule

Mulfingen - Die Gemeinde Mulfingen gründet eine Privatschule. Das hat der Gemeinderat in nichtöffentlicher Sitzung einstimmig beschlossen. Ausgestattet mit einem neuen pädagogischen Konzept, soll die Schule künftig nicht nur bis zum Hauptschulabschluss führen, sondern auch bis zum Realschulabschluss. Die Grundschule bleibt staatliche Schule. Haupt- und Realschule werden aber ab dem nächsten Schuljahr in private Trägerschaft übergehen. Schulgeld soll nicht erhoben werden.

Von Henry Doll

Gemeinde gründet Privatschule
Bürgermeister Robert Böhnel (links) und Schulleiter Dietmar Ristl sind vom Konzept der privaten Schule überzeugt.Foto: Henry Doll

Mulfingen - Die Gemeinde Mulfingen gründet eine Privatschule. Das hat der Gemeinderat in nichtöffentlicher Sitzung einstimmig beschlossen. Ausgestattet mit einem neuen pädagogischen Konzept, soll die Schule künftig nicht nur bis zum Hauptschulabschluss führen, sondern auch bis zum Realschulabschluss. Die Grundschule bleibt staatliche Schule. Haupt- und Realschule werden aber ab dem nächsten Schuljahr in private Trägerschaft übergehen. Schulgeld soll nicht erhoben werden.

Bürgermeister Robert Böhnel ist sicher, dass die Genehmigung für die Privatschule erteilt wird: „Es steht im Schulgesetz drin, dass Privatschulen zu genehmigen sind.“ Zwar sei die Genehmigung an Vorgaben gebunden, zum Beispiel an Räumlichkeiten. Aber hier hat Böhnel gewiss keine Sorgen. Wo, wenn nicht in Mulfingen, so fragt er, sei die Ausstattung optimal.

Pädagogisches Konzept

Die Innenrenovierungsarbeiten an der Schule sind gerade abgeschlossen. Drei Millionen Euro hat die Gemeinde in die Hand genommen, um das Schulgebäude zu modernisieren. Teuer wird auch der Gang in die private Schulträgerschaft. Wie Robert Böhnel am Freitag sagte, wird die Gemeinde pro Jahr 540 000 Euro für die Gehälter des Lehrkörpers aufbringen müssen. Sind drei Jahre vergangen, könne die Gemeinde jedoch einen Förderbetrag in Anspruch nehmen. Dann würden voraussichtlich 80 Prozent der Lehrergehälter als Zuschuss gezahlt.

Es war das Schulkonzept, das letztlich dazu führte, dass Mulfingen diesen wohl landesweit einzigartigen Schritt wagte und als Gemeinde eine Privatschule betreiben will. Das pädagogische Konzept, das vom Lehrerkollegium zusammen mit einem Institut in der Schweiz entwickelt wurde, beschreibt der Mulfinger Schulleiter Dietmar Ristl so: „Mehr Beratung, mehr Nähe, mehr Beziehung.“ Letztlich, so fasst er zusammen, sei es nicht möglich gewesen, dieses pädagogische Konzept für das staatliche System passend zu machen.

Dies sei, wie Bügermeister Böhnel betont, auch in Gesprächen mit Kultusministerium und Regierungspräsidium klar geworden. In Stuttgart traf am 18. März eine Mulfinger Delegation um Robert Böhnel, Dietmar Ristl und Altbürgermeister Hermann Limbacher mit Kultusminister Helmut Rau, dem Minister für Ländlichen Raum Peter Hauk sowie dem Landtagsabgeordneten Jochen K. Kübler zusammen. Schon am 12. März war im Regierungspräsidium Stuttgart über die Zukunft der Mulfinger Schule verhandelt worden.

Alternativen

„Letztlich gab es ein paar Alternativen“, fasst Böhnel die Gespräche zusammen. Worte wie Zusammenlegung, Außenklassen und Außenstandort fielen. Alle Lösungen, die dazu führten, dass Mulfinger Schüler einen Teil ihrer Schulzeit an anderen Schulen verbringen, pendeln oder verteilt werden, waren für die Mulfinger aber nicht diskutabel. Und: „Alle Vorschläge, die uns gemacht wurden, haben nicht zum Konzept gepasst“, sagt Böhnel.

Man befürchtete im Jagsttal zudem, als Außenklasse einer anderen Schule in vier oder fünf Jahren wieder von Schließung bedroht zu sein. Mit wem Mulfingen hätte kooperieren können, sei freigestellt worden. Offenbar war Niederstetten ein Kandidat. Böhnels Fazit nach den Gesprächen in Stuttgart: „Uns bleibt, um in Mulfingen eine vollwertige Schule zu halten, nichts anderes übrig als eine Privatschule.“

Lerngruppen

Der Idee einer Werkrealschule standen er und Ristl reserviert gegenüber. Sie wird in Mulfingen hinter vorgehaltener Hand als Hauptschule mit zehn Klassen bezeichnet. An der neuen Privatschule sollen die Schüler nun in Lerngruppen arbeiten und entsprechend ihrer Bedürfnisse gefördert werden. Das pädagogische Konzept sei in Stuttgart sehr gelobt worden, betonen Ristl und Böhnel. Umsetzen werden sie es nun eigenständig. Kommentar „Im Wettbewerb“