Enge in der Klinikkasse

Hohenlohe - Ein Krankenhaus, das schwarze Zahlen schreibt, hat bald Seltenheitswert. Dem Hohenloher Krankenhaus ist dieses Kunststück 2008 wieder geglückt - und auch 2009 hofft der Geschäftsführer der Hohenloher Krankenhaus GmbH (HK), Dieter Bopp, alle Defizit-Klippen zu umschiffen.

Von Barbara Griesinger

Enge in der Klinikkasse
Im Marschschritt durch die Klinikflure - Pflegepersonal ist im Hohenloher Krankenhaus 40-Stunden pro Woche im Dienst.Foto: dpa

Hohenlohe - Ein Krankenhaus, das schwarze Zahlen schreibt, hat bald Seltenheitswert. Dem Hohenloher Krankenhaus ist dieses Kunststück 2008 wieder geglückt - und auch 2009 hofft der Geschäftsführer der Hohenloher Krankenhaus GmbH (HK), Dieter Bopp, alle Defizit-Klippen zu umschiffen.

Belastung

Kosten zu senken, ohne an der Personalschraube zu drehen, ist kaum möglich. Immerhin machen die Personalkosten (rund 21,8 Millionen Euro) fast die Hälfte des HK-Etats (rund 45,6 Millionen Euro) aus. Deshalb setzt Bopp künftig auf mehr Servicepersonal. Im Vergleich zum gut ausgebildeten und teureren Pflegepersonal sind diese Arbeitkräfte günstiger und werden im Dienstleistungssektor auf Station zunehmend eingesetzt.

Von der achtprozentigen Tarifsteigerung im öffentlichen Dienst profitiert das Krankenhauspersonal im Landkreis nicht. Vier Prozent mehr sind eingeplant für Mitarbeiter, die nicht nach Haustarif arbeiten. Aber dafür müssen sie künftig 40 Stunden pro Woche arbeiten, wie ihre Kollegen im Haustarif. „Meines Erachtens darf die Menschlichkeit auf keinen Fall auf der Strecke bleiben“, betonte Geschäftsführer Bopp. Dass die höhere Arbeitszeit in diese Richtung weisen könnte, denkt er nicht. Der Unterschied zwischen einem Acht- und einen 7,5-Stunden-Tag sei nicht so groß.

Auch für die Arztgehälter muss Bopp 2009 800 000 Euro mehr einplanen. Wobei nicht nur der HK-Chef froh ist, wenn offene Arztstellen überhaupt zu besetzen sind. Der Markt ist leergefegt, weshalb zur Zeit in Künzelsau eine Anästhesistenstelle offen ist. Bereits sieben Ärzte am HK kommen aus Osteuropa. Ihre praktische Ausbildung sei gut, so Bopp. Allerdings hätten die Mediziner aus dem Osten Nachholbedarf in Sachen Dokumentation, oft auch in der deutschen Sprache. „Das müssen die Patienten akzeptieren“, sagt er, denn dieses Problem kenne das Hohenloher Krankenhaus wie die Heilbronner SLK-Kliniken und manche Universitätsklinik.

Kostendruck

Auffangen lassen sich die steigenden Kosten kaum. Der Bund will sich um die versprochene Drei-Milliarden-Euro-Spritze für die deutschen Kliniken drücken. Noch hofft die HK-Leitung auf 250 000 Euro aus Berlin und versucht über die Bundestagsabgeordneten Druck zu machen. Auch die Patientenzahlen steigen nicht deutlich. Mit rund 12 000 stationären Patienten rechnet Bopp 2009, etwa so viele wie 2008. Aber er hofft sehr auf steigende Zahlen. Bis 2011 will er 1000 Patienten mehr ans Hohenloher Krankenhaus holen. Einfach wird das nicht, wie die Entwicklung der Öhringer Geburtshilfe zeigt. Vom Ziel, in der Geburtshilfeabteilung 1200 Kindern auf die Welt zu helfen, ist die Klinik weit entfernt. „In den nächsten Tagen kommt das 1000. Kind“, so Bopp. „das macht mich schon nachdenklich.“

Umso nachdenklicher,als ab 2009 nur die festgelegten DRG-Erlöse je nach Krankheitsbild ohne staatlichen Zuschuss in die Klinikkasse wandern. Eingeplant sind dabei 29,4 Millionen Euro. Für Bopp ist indes fraglich„ob das zu realisieren ist.“ Sicher sei es ein „schwieriges Unterfangen“, ebenso wie in den nächsten drei Jahren jeweils 300 Patienten mehr an die Klinik zu binden.


Kommentar hinzufügen