Ein Künzelsauer, der die Öhringer beruhigte

Künzelsau - Auf ein langes Leben, als Geschäftsführer im Künzelsauer Flachswerk (WLZ) mit einstmals 200 Mitarbeitern, vor allem aber als FDP-Landtagsabgeordneter (1964 bis 1972) und als kommunalpolitisches Urgestein in Kreis und Stadt Künzelsau kann Rudolf Müller weit zurückblicken, sicher auch auf manche dramatische Situation? Er möge doch bitte ein bisschen erzählen über die Kreisreform, ein paar Interna von damals ausplaudern.

Ein Künzelsauer, der die Öhringer beruhigte
Kommunalpolitisches Urgestein in Hohenlohe: Rudolf Müller.Foto: Paul Bauer

Künzelsau - Auf ein langes Leben, als Geschäftsführer im Künzelsauer Flachswerk (WLZ) mit einstmals 200 Mitarbeitern, vor allem aber als FDP-Landtagsabgeordneter (1964 bis 1972) und als kommunalpolitisches Urgestein in Kreis und Stadt Künzelsau kann Rudolf Müller weit zurückblicken, sicher auch auf manche dramatische Situation? Er möge doch bitte ein bisschen erzählen über die Kreisreform, ein paar Interna von damals ausplaudern.

Das tut er auch, nur: Etwas Dramatisches hatte sie für den zeitweiligen Fraktionsvorsitzenden der FDP nicht, die Reform, an deren Ende der Hohenlohekreis stand. „Diese bewahrte Ruhe ist wahrscheinlich vererbt“, meint er schmunzelnd und erinnert an seinen Großvater, der 40 Jahre Bürgermeister in Ochsenbach bei Heidelberg war, im Kaiserreich, in der Weimarer Republik und im Dritten Reich. „Wer dies durchsteht!“, bewundert er seinen Opa. Diese „großväterliche Ruhe“ bewahrte sich Rudolf Müller ganz offensichtlich auch, als er als Landtagsabgeordneter die Altkreise Künzelsau, Öhringen und Mergentheim im Stuttgarter Landtag vertrat.

Beachtung

Viel Beachtung gefunden und in Künzelsau sogar Befremden hat damals das Verhalten Müllers gefunden: Zwar hatte er um die Bildung des Hohenlohekreises gekämpft, ein Telefonat mit Krautheims Bürgermeister Gustav Meyer geführt, aber bezüglich Festlegung des Sitzes der Kreisstadt verhielt Rudolf Müller sich - gegen die Erwartung seiner Heimatstadt Künzelsau - neutral und enthielt sich bei der Landtagsabstimmung der Stimme. Seine lapidare Begründung damals wie 46 Jahre danach war: „Mit meiner Stimmenthaltung wollte ich die Öhringer Wähler beruhigen.“

Und die allenthalben heftig geführten Diskussionen zur Kreisreform, welche wurden hinter den dicken Künzelsauer Rathausmauern von Verwaltung und Rat geführt? Dass Bürgermeister Herbert Frenz wohl anfänglich nach Hall tendiert hat, das könne sein, der Künzelsauer Stadtrat aber „wohl nicht“, lautet die kurze und vorsichtige Antwort des Zeitzeugen Müller.

Im Rückblick auf sein kommunalpolitisches Leben sind für den 93-jährigen Rudolf Müller andere Dinge wichtig: Vor allem, dass sich der am 1. Januar 1973 gebildete Hohenlohekreis und die Kreisstadt Künzelsau dann prächtig entwickelt haben- bis hin zur Krönung, als Künzelsau zum guten Ende sogar noch Hochschulstadt wurde: dank einer ständig expandierenden Industrie und Künzelsaus florierenden Handelsunternehmen. „Die Schulreform wurde Zug um Zug verwirklicht, um einer Kreisstadt gerecht zu werden. Grund- und Hauptschule, Realschule, Handels- und Gewerbeschule wurden erstellt.“

Und dass das alles so erfreulich gut lief, da erinnert Rudolf Müller dankbar an zahlreiche Personen, die mit ihren guten Beziehungen nach Stuttgart erfolgreich tätig wurden. So sei bezüglich des Gelingens der Hochschule viel der Freundschaft von Albert Berner mit dem damaligen Finanzminister Mayer-Vorfelder zu verdanken.

Verdienste

Gleichermaßen sei Helmut Sigloch mit dem Finanzminister befreundet gewesen. Und ganz ohne Neid stellt FDP-Mann Müller heraus: „Der eigentliche Urheber für Künzelsaus Hochschule war Lothar Späth, der schon früh den Gedanken hatte, die Hochschulen nicht nur in den Großstädten zu errichten, sondern sie auch ins flache Land zu bringen.“ Nicht unerwähnt lässt Müller die Verdienste von Ziehl, Sturm, Gemü, Stahl, Bürkert, Würth sowie Landrat und Bürgermeistern, die sich kräftig für das Großprojekt eingesetzt haben - Karl Östreicher hat er dabei doch glatt vergessen.

Die Hohenloher Zeitung beleuchtet in loser Folge die Bildung des Hohenlohekreises aus Sicht von Zeitzeugen. Dabei geht es vor allem um persönliche Erinnerungen und Anekdoten