„Die Bahn kann nicht mithalten“

Güterverkehr per Zug ist für Unternehmen zwischen Ohrn und Jagst kein Thema

Von Barbara Griesinger

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Wenn jeder möglichst alles möglichst sofort haben will, dann darf sich niemand wundern, wenn immer mehr Laster über die Straßen rollen.Foto: Colourbox  

Hohenlohe - Würth schickt vom Standort Gaisbach aus zurzeit durchschnittlich 25 Lkw pro Tag auf die Straße“, weiß Pressesprecherin Sarah Meckel. Tendenz steigend. Aber selbst wenn es in Gaisbach einen Bahnanschluss gäbe, die Bahn wäre nicht der ideale Transportpartner für Würth: „Wir versenden relativ viele kleine Mengen an viele unterschiedliche Empfänger. Durch das Verladen auf die Schiene würde dabei für uns ein zu großer Zeitverlust entstehen.“

Just in time Würth ist da keine Ausnahme. Bei EBM-Papst ist der Lkw-Verkehr im letzten Jahr um rund zehn Prozent gestiegen. Und er wird weiter steigen – auch eine Konsequenz des neuen Werkes in Hollenbach, so Pressesprecher Hauke Hannig. Die jüngste Prognose für Deutschland, wonach der Lkw-Verkehr weiter zunehmen wird (wir berichteten), gilt also auch für Hohenlohe. Denn die meisten Unternehmer sind auf Lkw angewiesen. Der Faktor Zeit spielt eine große Rolle – vor allem wenn die Güter „just in time“ beim Kunden oder bei der Weiterverarbeitung sein müssen. „Da kann die Bahn nicht mithalten“, bringt es Jörg van Dyck, Lagerleiter bei Huber Verpackungen in Öhringen, auf den Punkt, obwohl die Firma einen eigenen Gleisanschluss hat. Zwei Waggons mit Blechen liefert die Bahn seit drei Jahren wieder an. Doch der Großteil der Güter kommt auch nach Öhringen per Lkw. Denn das Zeitfenster, in dem die Firma den Bahntransport übernehmen muss, wächst nicht mit. Die Bahn selbst hatte 2000 den Gleisanschluss gekündigt. Der Grund: unrentabel. Mittlerweile beliefert eine Privatbahn das Öhringer Unternehmen zu denselben Konditionen wie ein Spediteur mit Lkw.

Auch das Traditionsunternehmen Sigloch muss in Blaufelden längst auf den Gleisanschluss verzichten. Nachdem die Post als Bahnkunde aus- und auf Lkw umgestiegen war, kam das Aus für den Gleisanschluss. Grund war der Zeitfaktor. Und auch für Sigloch gilt mittlerweile: „Die Kunden wollen den Nachtsprung: Was bis 18 Uhr aufgegeben ist, ist am nächsten Morgen beim Kunden.“ Gut 50 Lkw werden dafür täglich in Blaufelden ent- und beladen. „Wenn der Kunde es will, arbeiten wir wieder mit der Bahn. Das Gleis liegt noch“, sagt Helmut Sigloch. Realistisch ist das für ihn nicht. Während der Lkw von Tür zu Tür fährt, muss bei der Bahn mehrfach umgeladen werden. Das kostet Zeit, Geld und erhöht das Versicherungsrisiko. „Man hat die Industrie aus den Ballungszentren rausgeholt“, so Sigloch, „an die Infrastruktur hat man nicht gedacht.“

„Der Lkw-Verkehr steigt seit 15 Jahren kontinuierlich an. Und die Öffentlichkeit versucht’s zu verdrängen,“ sagt der Krautheimer Spediteur Roland Rüdinger. Die Bahn ist für ihn keine Konkurrenz. Schließlich ziehe sie sich aus dem Güterverkehr selbst zurück. „Sie kriegt von politischer Seite Dinge angedichtet, die sie selbst nicht will“, urteilt er. Lediglich ganze Züge, die ein Produkt von A nach B befördern, wolle die Bahn. Doch solche Kunden seien in der Region rar. Nur Audi oder die EnBW fallen Rüdinger ein. Da es zum Lastwagen keine Alternative gebe, müsse die Infrastruktur verbessert werden. „Segensreich wären Ortsumgehungen und Straßen, auf denen man überholen kann“, findet er. Doch stattdessen würden Straßen künstlich verengt und zurückgebaut. „Das ist schizophren und kontraproduktiv.“ Außerdem seien Lkw schadstoffärmer geworden, so Rüdinger. Durch größere Lkw ließe sich zudem der Verkehr und damit der CO2 -Ausstoß weiter senken. Um bis zu 50 Prozent. „Wir haben Ideen und Lösungsansätze, aber die Politik macht nicht mit, weil die Öffentlichkeit keine großen Lkw will“, lautet sein Fazit.

Chance Privatbahn Durch die Öffnung des Schienennetzes für Privatbahnen sieht Oliver Paul vom Fahrgastverband Pro Bahn dagegen eine Chance. Häufig fehle allerdings der politische Wille dazu. „Richtig realistisch ist es im Hohenlohekreis nimmer“, den Güterverkehr auf der Schiene in Schwung zu bekommen, räumt sogar er ein. Kommentar „Neue Ideen“