Der gelassene Entscheider

Hohenlohe - Wo stünde Jahn heute, an seinem 60. Geburtstag, wäre das Chemie-Studium nicht so theorielastig gewesen, was den begeisterten Experimentierer schnell in ein anderes Fach flüchten ließ? Jahn zuckt gelassen mit den Schultern, solche „Zufälle“ bestimmen eben den Lauf des Lebens.

Der gelassene Entscheider
Helmut M. Jahn liebt Tennis. Seine Idole sind Rod Laver und Boris Becker. Der Landrat fährt auch gerne Ski und schätzt „jede gute Küche und alle Arten von Wein“. Klassik und Jazz hört er genauso gern wie die Beatles. Im Urlaub liest er vor allem Krimis.

Hohenlohe - Wo stünde Jahn heute, an seinem 60. Geburtstag, wäre das Chemie-Studium nicht so theorielastig gewesen, was den begeisterten Experimentierer schnell in ein anderes Fach flüchten ließ? Welchen Posten hätte er inne, wäre die Finanzverwaltung 1978, nach seinem Rechts-Referendariat, als erste auf ihn zugekommen und nicht die Innenverwaltung, der er pflichtbewusst sein Ja-Wort gab, weil sie einen Tick schneller war? Jahn zuckt gelassen mit den Schultern, solche „Zufälle“ bestimmen eben den Lauf des Lebens.

Gespür

Ausgeglichenheit: Das ist ein weiteres Prädikat, das Jahn gerne angeheftet wird. Er sucht den beruflichen Ausgleich im Sport, den menschlichen Ausgleich im Landratsamt und den politischen Ausgleich im Kreistag, ebenso wie in jenen 21 Ämtern, die er sonst noch inne hat: als Mitglied im Präsidium des Deutschen Landkreistags genauso wie als Vorsitzender des DRK-Kreisverbands Hohenlohe.

Der gelassene Entscheider
Fröhlich: Ministerpräsident Oettinger (rechts) und Jahn sind befreundet.
Doch die Person Helmut M. Jahn wäre nicht komplett und ganz bestimmt auch nicht so erfolgreich ohne eine dritte Komponente, die eher hinter den Kulissen zum Tragen kommt: Kampfbereitschaft, Entscheidungsfreude und Durchsetzungsvermögen. Jahn ist der erste Mann des kleinsten Kreises im Land, ohne diese Wesenszüge wäre im Wettstreit der Regionen wenig zu gewinnen.

Exzellent vernetzt

Jahn hat ein gutes Gespür für Macht und wie man sie ausbaut und erhält. Er ist exzellent vernetzt: in Hohenlohe, in Stuttgart, im ganzen Land. Im Landkreistag, in der CDU, in vielen anderen öffentlichen Gremien. Zum Ministerpräsidenten pflegt er ein freundschaftliches Verhältnis, bei der Verleihung des Bundesverdienstkreuzes im April 2007 hat Oettinger ihn treffend beschrieben: „Du bist immer die aktive Ruhe selbst.“ Dieser vermeintliche Gegensatz, er zeichnet ihn aus. „Grundsätzlich bin ich ein sehr positiv denkender Mensch“, sagt Jahn, und sein Gesicht ist entspannt. „Ich kann aber auch sehr radikal und konsequent sein“, verfinstert sich seine Miene in Sekundenschnelle.

Der gelassene Entscheider
Stolz: Der Landrat und „sein“ Hohenlohekreis.Fotos: Archiv/Reichert, privat
Streiter

Ein Wolf im Schafspelz also? Das wäre wohl etwas übertrieben, doch all jene, die diese Janusköpfigkeit schon einmal zu spüren bekamen, wissen, was damit gemeint ist. Denn Jahn ist ein erbitterter Streiter für die Interessen des Hohenlohekreises - obwohl er bis heute in Mundelsheim wohnt. Die Frage nach dem Umzug wurde immer wieder gestellt - heute muss er sie nur noch selten beantworten. Die Hohenloher spüren: Ihr Landrat ist zwar ein Reingeschmeckter, aber längst einer der ihren.

Der strukturelle Wandel ist geschafft, jetzt kommt es darauf an, den demografischen Wandel zu meistern. Eine schwierige Aufgabe. 2013 wird der Landrat wieder gewählt, Jahn blickt - natürlich - gelassen auf dieses Datum. Ob er aufhört oder nicht: Darüber hat er sich noch keine Gedanken gemacht. Eine vierte Amtszeit ist nach derzeitigem Dienstrecht nicht möglich, weil er mit 64 schon zu alt wäre. Doch eine Änderung wird diskutiert. Bis 72 Landrat? Zuzutrauen wäre es ihm. Bei dieser Gelassenheit...

Zur Person: Helmut M. Jahn

Der Landrat wurde am 18. März 1949 in Plochingen geboren. Sein Vater war Technischer Kaufmann, seine Mutter Hausfrau und Schulsekretärin. Nach dem Abitur am Georgii-Gymnasium in Esslingen und der Bundeswehr studierte Jahn Rechtswissenschaften in Tübingen, nachdem er ein Semester Chemie absolviert hatte. 1975 begann seine Referendarzeit. Sie führte ihn nach Ulm, Göppingen und Heilbronn. Seine Frau Brigitte lernte er 1974 beim Tennistraining in Plochingen kennen. Sie heirateten 1977 und bauten 1978 in Mundelsheim, ihrem Heimatort. Im gleichen Jahr nahm er eine Stelle als Assessor am Landratsamt Künzelsau an. 1980 wechselte er zum Regierungspräsidium ins Referat Katastrophen- und Zivilschutz. Dort blieb er bis 1985, bevor ihn der Hohenloher Landrat Franz Susset als Erster Landesbeamter zurück nach Künzelsau holte. Nach dessen Verzicht auf eine weitere Amtszeit wurde Jahn 1989 zum neuen Landrat gewählt. Er hat eine Tochter und einen Sohn und wohnt bis heute in Mundelsheim.