CDU setzt klares Zeichen

Hohenlohe - Erstaunlich: 428 stimmberechtigte Mitglieder kamen zur Nominierung nach Ilshofen. Sie kürten Christian von Stetten mit einem eindeutigen Ergebnis von 94 Prozent zum Bundestagskandidaten im Wahlkreis Schwäbisch Hall-Hohenlohe.

Von Ralf Reichert

Gelöste Stimmung nach der Wahl: CDU-Kreisvorsitzender Jochen K. Kübler (rechts) mit Christian von Stetten. Staatsminister Wolfgang Reinhart (Mitte), der den CDU-Bezirksverband führt, hatte die Nominierungsversammlung geleitet.Fotos: Ralf Reichert

Hohenlohekreis -  Als das Ergebnis verkündet wurde, blieb Christian von Stetten ganz ruhig. Zumindest äußerlich. Innerlich dürfte er jedoch einige Luftsprünge vollführt haben. Denn das Ergebnis von 94 Prozent, mit dem der Künzelsauer erneut zum Bundestagskandidaten der CDU im Wahlkreis Schwäbisch Hall-Hohenlohe gekürt wurde, erhält seine Bedeutung vor allem dadurch, dass sage und schreibe 428 stimmberechtigte Mitglieder ins Parkhotel nach Ilshofen gekommen waren.

Keiner konnte sich erinnern, dass jemals so viele CDU-Mitglieder bei einer Nominierungsversammlung waren, obwohl nur ein Bewerber zur Wahl stand.

Zum Vergleich: Bei der erneuten Nominierung des Bundestagsabgeordneten Thomas Strobl im Wahlkreis Heilbronn waren vor kurzem 182 Mitglieder anwesend, sein Kollege Eberhard Gienger brachte es im Wahlkreis Neckar-Zaber auf 112. Beide traten ebenfalls alleine an. Und im Wahlkreis Ludwigsburg, wo gleich acht Bewerber um die Bundestagskandidatur rangen, gaben lediglich 349 Mitglieder ihre Stimme ab.

Attacken

Dies verdeutlicht: Die CDU-Mitglieder in Hohenlohe und Hall haben ein klares Zeichen gesetzt. Wohl auch deshalb, weil der Amtsinhaber in den vergangenen Monaten – für die meisten völlig zu Unrecht – von verschiedenen Seiten zum Teil heftig attackiert worden war. „Das hat die Sache emotionalisiert“, glaubt Vater Wolfgang, der von einem „Traumergebnis“ sprach: „Die Mitglieder wollten sich einfach mit ihm solidarisieren.“

Natürlich hatte auch von Stetten seine Parteifreunde mobilisiert, doch viele kamen aus eigenem Antrieb, um ihrem Abgeordneten demonstrativ den Rücken zu stärken. Busse aus dem Kochertal und dem Jagsttal waren angerollt, die Ortsvorsitzenden hatten die Fahrten organisiert. 269 Mitglieder kamen aus dem Hohenlohekreis und – was für von Stetten noch wichtiger ist – 159 aus dem Landkreis Schwäbisch Hall. Von diesen 428 Mitgliedern stimmten 394 für und 26 gegen von Stetten. Sieben enthielten sich.

Auch Reiner Gauger machte sein Kreuzchen bei „Ja“. Was nicht von vornherein klar war. Denn der Gaildorfer Unternehmer, der den Haller Kreisverband der CDU-Mittelstandsvereinigung führt und am Donnerstag als Schriftführer der Versammlung neben dem Rednerpult saß, hatte bis vor fünf Wochen über eine Gegenkandidatur nachgedacht. „Seit einem Monat ist das Thema aber für mich erledigt. Wir müssen geschlossen nach vorne gehen. Alles andere wäre Blödsinn.“

Ansturm

Mit Gästen summierte sich die Zahl der Anwesenden in Ilshofen auf 500. Die Organisatoren waren von dem Ansturm völlig überrascht worden. 240 zusätzliche Stühle mussten herbeigeschafft, fast 150 neue Stimmzettel gedruckt und der Sitzungsraum vergrößert werden. Trotzdem mussten einige auf die Außenterrasse ausweichen. „Das ist ein überwältigender Vertrauensbeweis“, strahlte Christian von Stetten, der am gleichen Tag seinen 38. Geburtstag feierte und sich deshalb vor Gratulanten kaum retten konnte.

Bei der letzten Nominierung 2005 hatten in Künzelsau rund 250 Mitglieder abgestimmt. Nach dieser Zahl hatte man sich gerichtet – und gehörig verschätzt. Wie stark der Rückhalt für von Stetten war, verdeutlicht auch die Tatsache, dass es keine Aussprache über seinen Rechenschaftsbericht gab und alle Mitglieder auf eine weitere, „offizielle“ Bewerbungsrede verzichteten. Kommentar „Geschlossen“