Zwei Blaskapellen vereinen unvergessliche Erlebnisse und ein entführtes Maskottchen

Öhringen/Treffen  Die Freundschaft zwischen der Stadtkapelle Öhringen und der Marktmusik Treffen in Kärnten am Ossiacher See ist auch in Corona-Zeiten fest besiegelt. Drei Öhringer schwelgen in Erinnerungen.

Von Renate Väisänen
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Hoch die Instrumente auf die Freundschaft: Die Musiker der Marktmusik Treffen und der Stadtkapelle Öhringen mit "Offiziellen" beim Öhringer Weindorf 2012.

Foto: privat

"Boy meets girl" ist nicht nur die Hauptzutat für einen sentimentalen Liebesfilm, sondern kann auch den Beginn einer großen Freundschaft bedeuten. Und wenn gleich zwei Liebespaare im Spiel sind, wird es eine ganz besonders enge Beziehung. Wie die über 25 Jahre andauernde Partnerschaft zwischen der Großen Kreisstadt Öhringen und der österreichischen Marktgemeinde Treffen. Die 1995 besiegelte Partnerschaft hat auch die beiden Musikvereine zu unzertrennlichen Freunden gemacht.

Zwei Hochzeiten stehen am Beginn

Für den Besuch von der Hohenloher Zeitung tauschen die Öhringer Irmgard Kircher-Wieland, Harald Weidmann und Hans-Jürgen Schierle gemeinsame Erinnerungen an die Anfänge aus. "Auf der Hochzeit seines Neuensteiner Vetters mit einer Österreicherin hat der Öhringer Wilhelm Megerle seine spätere Kärntner Ehefrau Brunhilde kennengelernt. Daraus hat sich etwas später die Partnerschaft entwickelt", erinnert sich Weidmann.

"Beim ersten Konzert der Treffener Blaskapelle in der Öhringer Kultura zum Auftakt der Partnerschaft zwischen der Stadt Öhringen und der Marktgemeinde Treffen 1995 haben wir Musiker allerdings noch nicht viel voneinander mitbekommen", meint der erste Vorsitzende der Stadtkapelle (Staka). Und auch beim darauffolgenden Gegenbesuch 1996 in der Marktgemeinde sei man noch nicht so richtig warm miteinander geworden. Erst beim Staka-Konzert im Jahr 1999 anlässlich der traditionellen Kulturwochen der Kärntner Gemeinde hätte man die ersten richtigen Freundschaften geschlossen, erinnern sich Weidmann und der stellvertretende Vorsitzende Schierle.

Harmonie nicht nur auf der musikalischen Ebene

"Damals haben wir entdeckt, dass wir als Musiker nicht nur musikalisch zusammen harmonieren", berichtet Weidmann. "Das Einzigartige zwischen den Treffenern und den Öhringern sind die persönlichen Freundschaften, die sich über 20 Jahre entwickelt haben", bestätigt auch Stadträtin Irmgard Kircher-Wieland, die die Partnerschaft von Anfang an begleitet hat. "Wer hätte gedacht, dass eine Gemeinde mit rund 4500 Einwohnern und ein Mittelzentrum wie Öhringen so wunderbar zusammenpassen." Dasselbe gelte für die beiden Musikvereine: die Staka mit ihren rund 70 Musikern und die Marktmusik Treffen mit nur rund 25 Blasmusikern, stellt Schierle im Nachhinein fest.

Als das Stoffkänguruh Juki verschwand

Öhringen und Treffen: Zwei Blaskapellen vereinen unvergessliche Erlebnisse und ein entführtes Maskottchen

In Erinnerungen an gemeinsame Stunden mit den Freunden aus Treffen schwelgen (v.li.) Harald Weidmann, Irmgard Kircher-Wieland, Hans-Jürgen Schierle.

Foto: Väisänen

Mittlerweile haben die beiden befreundeten Musikvereine einen riesigen Fundus an gemeinsamen Erlebnissen und Anekdoten vorzuweisen: Mal spielten die Österreicher auf dem Stadtfest der Großen Kreisstadt, mal unterstützten die Öhringer musikalisch die Faschingssitzungen der Kärntner Marktgemeinde. "Einmal war nach dem Staka-Platzkonzert am 1. Mai das Maskottchen der Jugendkapelle, ein Stoffkänguru namens Juki, spurlos verschwunden", erinnert sich Weidmann. Bald darauf seien digital übermittelte Bilder vom vermeintlich entführten Maskottchen aufgetaucht. "Juki sollte als eine Art Faustpfand für unseren anstehenden Besuch in Treffen im Juli herhalten." Über diesen Streich der Treffener Freunde müssen die drei Öhringer immer noch schmunzeln.

Unterstützung auch in schweren Zeiten

Auch die gemeinsame Nachtwanderung 2003 auf den Treffener Hausberg Gerlitzen bleibt unvergessen. Kircher-Wieland half damals, die Mannschaft mit Butterbroten und Kaffee zu versorgen. Erinnerungen werden auch an das Benefizkonzert von 2010 wach, mit dem die Kärntner Musiker Öhringens Partnerstadt Großenhain unterstützten, die kurz zuvor von einem Sturm heimgesucht worden war. Und auch in der Treffener Partnergemeinde Capriva del Friuli waren die Öhringer als Gäste willkommen. In Ermangelung einer Marketenderin musste Kircher-Wieland auch schon mal für die Treffener Musikkapelle als Ehrendame einspringen.

Im Sommer 2020 sollte die Marktmusik eigentlich als Gastkapelle beim Staka-Konzert beim Hofgarten-Festival auftreten. "Aber aufgeschoben ist nicht gleich aufgehoben", kommentiert Weidmann die coronabedingte Absage mit großer Zuversicht.

 

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