Wenige Menschen interessieren sich bei der Hitze für AfD-Parolen

Öhringen  Es bleibt ruhig am Freitagabend bei einer Veranstaltung der AfD auf dem Öhringer Marktplatz.

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Es ist ziemlich leer auf dem Öhringer Marktplatz am Freitagabend, sieht man einmal ab von den vielen Polizeiautos und den 15 Beamten. Die hat Öhringens Revierleiter Günther Stecher mitgebracht, sollte es zu Konfrontationen während der angekündigten AfD-Kundgebung kommen. Doch es bleibt ruhig an diesem schönen Sommerabend. Möglicherweise weil es eben genau so einer ist.

Der hiesige AfD-Landtagsabgeordnete Anton Baron hatte Redner aus dem Landesvorstand mit nach Öhringen gebracht, die ihn, den frisch nominierten Kandidaten für die kommende Landtagswahl, im Wahlkampf unterstützen sollen. Auch im nächsten Jahr will Baron im Landtag vertreten sein.

Möglicherweise liegt es an der Hitze, dass die Wähler und Anhänger der AfD gar nicht erst auf den Platz gekommen sind oder aber vielleicht im Schatten der Marktplatzbäume aus großer Distanz den Reden von Anton Baron, Rebecca Weißbrodt und dem AfD-Bundestagsabgeordneten und stellvertretenden Landesvorsitzenden  Martin Hess zuhören. Nicht gekommen ist der angekündigte Martin Frohnmaier, der von vielen Beobachtern seitens des Arbeitskreises für Demokratie als Vertreter extremer Positionen kritisiert wird.

Stolpersteinputzer

Auf der Treppe der Stiftskirche treffen sich die Menschen, die zuvor in der Stadt Stolpersteine geputzt haben. Die sind Mahnmal für die deportierten und getöteten jüdischen Mitbürger. Foto: Yvonne Tscherwitschke

Schon eine Stunde vor der Kundgebung, die die AfD nutzen will, um zudem mit ihren Wählern ins Gespräch zu kommen, sind in der Stadt zahlreiche Menschen vom Verein Gegen Vergessen Für Demokratie und vom Bündnis gegen Rechts unterwegs. Sie putzen die Stolpersteine, die an die Geschichte, die Deportation und den Tod der jüdischen Mitbürger erinnern. Eva und Frieder Diem putzen mit Silke Diem und Hubert Sauthoff den Stein am Oberen Tor mit speziellem Putzmittel und Wasser. Der Stein liegt dort für Eva Chaja Gutmann. Die Seniorin wurde 1942 deportiert und starb entkräftet im Alter von 83 Jahren in Theresienstadt. Sechs Steine werden geputzt, es sind etwa 50 Menschen, die sich dafür am Freitag engagieren. Um 18 Uhr kommen sie mit vielen anderen Stolperstein-Putzern an der Treppe der Stiftskirche zusammen.


Yvonne Tscherwitschke

Yvonne Tscherwitschke

stv. Redaktionsleiterin Hohenloher Zeitung

Yvonne Tscherwitschke ist seit 1994 bei der Heilbronner Stimme. Als gebürtige Hohenloherin weiß sie, welche Geschichten die Hohenloher interessieren.

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