Wengerter ernten Punkte, Sterne und Trauben

Hohenlohe  Ihre Weine sind laut der Weinguides Eichelmann, Gault Millau und Vinum 2021 die Besten in Hohenlohe. Einige Winzer der Region berichten über die Bewertungen und ihre Ziele für die Zukunft.

Von Juergen Koch
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Über seine erste rote Traube im Gault Millau und den Wiedereinzug bei Eichelmann freut sich Michael Borth.

Fotos: Koch

Vierzehn Jahre in Folge hat sich Michael Borth dem Urteil von Gerhard Eichelmann gestellt. Aus Frust über dessen Wertungen hat er ihm dann für die Weinführer 2019 und 2020 keine Weine mehr geschickt. Jetzt ist Borth wieder mit einem Stern dabei. Und auch im Gault Millau erntet Borth seine erste und auf Anhieb rote Traube. Aber auch sonst tut sich in den Guides was in Sachen Hohenloher Wein. Das fürstliche Weingut steigt bei Gault Millau in die Drei-Trauben-Klasse auf und wird bei Vinum mit einem halben Stern mehr als Aufstiegskandidat für drei Sterne gewertet.

Freuen können sich auch die Weingüter Ungerer über einen Aufstieg im Gault Millau auf zwei rote Trauben und Schwab auf zwei Trauben. Schwab ist außerdem mit einem Stern neu im Eichelmann vertreten, das Weingut Gaufer neu mit einer roten Traube im Gault Millau. Ansonsten bestätigen Fürst Hohenlohe-Oehringen, Ungerer, Birkert, Gaufer, Keil, Weinschmiede und Dieroff ihre Gesamtleistung vom Vorjahr. Im Gesamtranking Hohenlohe behauptet das fürstliche Öko-Weingut unangefochten seinen Spitzenplatz während sich das Weingut Ungerer vor Birkert auf Rang zwei vorarbeitet.

"Das freut uns sehr", kommentiert Gerhard Eichelmann Michael Borths Wiedereinstieg und markiert als "Spitze der Kollektion" den von Nico Borth vinifizierten Riesling MG. "Mein Sohn wollte sich wieder in den Weinführern messen", sagt Borth, "und ich hab"s nicht bereut." Er geht davon aus, dass bei "Eichelmann irgendwann auch der zweite Stern drin ist" und schließt nicht aus, auch bei Vinum Weine anzustellen.

Joachim Brands langfristiges Ziel: "In jedem Guide fünf Sterne oder Trauben."

Wengerter ernten Punkte, Sterne und Trauben

Lang, lang musste er darauf warten. Jetzt erntet Betriebsleiter Joachim Brand die längst fällige dritte Traube im Gault Millau.

"Das war längst fällig", sagt Betriebsleiter Joachim Brand über den Aufstieg im Gault Millau, der gleich sechs von zehn Weinen mit satten 89 Punkten bewertet. Eher "überrascht" zeigt er sich über die Aufwertung bei Vinum, dem er aus Verärgerung über die Bewertungen von Württemberg-Tester Frank Kämmer seit der 2019er-Ausgabe keine Weine mehr schickt. Die besorgt sich der Guide seither auf eigene Rechnung. Mit der Folge, dass die Auswahl wenig repräsentativ ist. So fehlen etwa die Barrique-Flaggschiffe Ex flammis orior und In senio. Weine, die von Gerhard Eichelmann ("Auch die neue Kollektion überzeugt voll und ganz") erneut in seiner bundesweiten Bestenliste Rote Cuvées mit je 91 Punkten gelistet werden. Joachim Brands "langfristiges" Ziel: "In jedem Guide fünf Sterne oder Trauben."

Weiter im Aufwind segelt das Weingut Ungerer im Gault Millau: Der hat vor zwei Jahren seine Traube kassiert, im letzten Jahr wieder rausgerückt und ihn nun mit der zweiten Traube in Rot belohnt. "Das hab" ich erwartet, ich kenn" ja meine Weine", freut sich Karlheinz Ungerer über den längst fälligen Aufstieg. Auch Eichelmann könnte künftig den dritten Stern lockermachen, hat er doch gegenüber der Hohenloher Zeitung signalisiert, "dass bei Ungerer Aufstiegstendenzen erkennbar sind". Bei Vinum geht Ungerer davon aus, "dass sich noch was nach oben bewegen wird". Sein "großes Ziel: drei Sterne oder Trauben in allen Führern."

Birkert sieht sich als "absolut unter Wert" gehandelt

Mit der - auch im Vergleich zu den anderen Guides - kaum nachvollziehbaren Einstufung als nur "weitere Empfehlung" bei Vinum sieht sich Boris Birkert zum vierten Mal in Folge "absolut unter Wert" gehandelt. "Nach vielen Jahren mit konstant guten Weinen müsste uns Frank Kämmer längst mal aufwerten", kritisiert er den Vinum-Tester. Insgesamt hält er Hohenlohe "mit nur drei Weingütern bei Vinum für unterrepräsentiert". Zufrieden ist Birkert mit seiner Bewertung bei Gault Millau und Eichelmann, glaubt aber "mit den 2020er-Weinen noch eine Schippe drauflegen zu können".

Ärgerlich ist, dass sich die Guides unnötige Schlampereien erlauben: So bewertet Vinum beim fürstlichen Weingut einen angeblichen Grauburgunder-Chardonnay, den es höchstens als Weißburgunder-Chardonnay gibt, macht Betriebsleiter Joachim Brand zum Jürgen und Birkerts Syrah Roburis zum Ruboris. Gault Millau benamst die Birkerts als Birchers (Müsli lässt grüßen), beziffert die Jahresproduktion des Weinguts Gaufer auf 50 Flaschen und verortet die Leitung des Guts beim "Ehepaar Gerrit und Susanne Schmezer", in Wirklichkeit Mutter und Sohn.

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