Vogelmann beim zweiten Wahlgang in Waldenburg wieder im Spiel

Waldenburg  Hunderte Waldenburger haben in ihrem Briefkasten eine Wahlempfehlung samt vorgefertigtem Stimmzettel-Aufdruck vorgefunden. Die Initiatoren wollen mit ihrer Aktion den 35-Jährigen, der im zweiten Wahlgang nach knapp 17 Prozent nicht mehr angetreten war, wieder ins Rennen gegen Alleinkandidat Bernd Herzog schicken.

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In der chinesischen Philosophie gibt es die beiden Begriffe des Yin und Yang: einander entgegengesetzte Kräfte, die sich gegenseitig ausgleichen. Nachdem sich im ersten Urnengang vor zwei Wochen ein echter Wahlkrimi abgespielt hatte und sich selbst altgediente Beobachter der Hohenloher Kommunalpolitik nicht erinnern konnten, jemals einen solch knappen Wahlausgang erlebt zu haben, hätte getreu der fernöstlichen Lehre der Balance gestern vor der Verkündung des Ergebnisses des zweiten Wahlgangs eigentlich völlig entspannte Stimmung herrschen können.

Denn nach dem Rückzug des im ersten Wahlgang mit 32,97 Prozent abgestraften Amtsinhabers Markus Knobel und Mit-Konkurrent Daniel Vogelmann, stand nun Bernd Herzog – im Wahlgang Nummer eins mit 49,94 Prozent der Wählerstimmen haarscharf am direkten Einzug ins Rathaus vorbeigeschrammt – als alleiniger Kandidat und damit automatisch als Wahlsieger und neuer Bürgermeister Waldenburgs bereits fest. So jedenfalls dachte man. 

„Einen Hohenloher“ ins Amt bringen

Aber die Wahl 2020 in der Bergstadt wäre nicht die Wahl 2020, wenn nicht auch noch im zweiten Urnengang etwas Unerwartetes passiert wäre: Am Samstag hatten hunderte Waldenburger einen Aufkleber für den Stimmzettel in ihrem Briefkasten gefunden, der den Kandidaten Vogelmann – mehr oder minder unfreiwillig – und damit erneut auch eine gewisse Spannung ins Spiel brachte: Denn ein oder mehrere Bürger haben in die meisten Briefkästen in der Stadt eine Wahlempfehlung für Daniel Vogelmann plus Aufkleber für den Stimmzettel geworfen, um so „einen Hohenloher“ ins Amt zu bringen.

Der so unfreiwillig wieder ins Rennen geschickte Vogelmann zur Hohenloher Zeitung: „Seit Samstag steht mein Telefon nicht mehr still, aber ich habe mit der Aktion nichts zu tun. Aber es schmeichelt mir natürlich, dass man mich noch nicht vergessen hat.“ Hauptamtsleiterin Silke Lenz auf HZ-Nachfrage: „Die Stimmzettel mit dem Aufkleber sind gültig, wir haben uns bereits beim Kommunalamt erkundigt.“ 

Nun gibt es bei der heutigen Wahl irgendwie doch wieder zwei Kandidaten – wenngleich auch nur einer auf dem Stimmzettel stand. 

Die Wahllokale in der Bergstadt sind noch bis 18 Uhr geöffnet. Dann steht der neue Bürgermeister definitiv fest.


Christian Nick

Christian Nick

Autor

Christian Nick ist Redakteur bei der Heilbronner Stimme/Hohenloher Zeitung. Schwerpunktmäßig betreut er die Kommunen Kupferzell, Neuenstein und Waldenburg – schreibt aber auch über alles andere gerne.

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