Vor 125 Jahren die ersten Patienten

Schwäbisch Hall - Zwei Dienstmädchen waren die ersten Patienten: Vor 125 Jahren wurde in Hall das Evangelische Diakoniewerk gegründet. Am heutigen Dienstag wird der Museumsraum "Zeitfenster" geöffnet und eine Stiftung gegründet.

Von Susanne Müller

Schwäbisch Hall  - Zwei Dienstmädchen waren die ersten Patienten: Vor 125 Jahren wurde in Hall das Evangelische Diakoniewerk gegründet. Am heutigen Dienstag wird der Museumsraum "Zeitfenster" geöffnet und eine Stiftung gegründet.

Am 1. Februar 1886 wurde in Schwäbisch Hall die damalige Diakonissenanstalt ins Leben gerufen. "Am selben Abend trafen dann schließlich die ersten Patienten ein, zwei diphtheriekranke Dienstmädchen aus Eltershofen", berichtet die Chronik. Das Diakoniewerk umfasst heute die vier Geschäftsbereiche Ambulante Dienste, Altenhilfe, Behindertenhilfe und Klinikum. Rund 2900 Menschen arbeiten im Diak und seinen Einrichtungen. Es ist damit nach der Bausparkasse der zweitgrößte Arbeitgeber im Landkreis Schwäbisch Hall.

Ausbildung

Ziel des Gründers Pfarrer Hermann Faulhaber und der ersten Oberin Sofie Pfitzmajer war es, junge Frauen in der Krankenpflege auszubilden, um kranke Menschen in den Gemeinden des Hohenloher Landes zu versorgen. Ihren diakonischen Dienst verstanden sie als gelebte Antwort im Sinne des Evangeliums auf die Herausforderung menschlicher Not, so Öffentlichkeitsreferentin Barbara Ucik-Seybold. Die ersten Gemeindestationen wurden in Langenburg, Dörzbach und Schwäbisch Hall selbst eröffnet. Bis 1890 erhielt jeder fränkische Dekanatsbezirk eine Gemeindestation mit Haller Schwestern. Das Krankenhaus in Hall hatte zunächst 30 Betten. Mit Unterstützung durch den Johanniterorden wurde 1890 das Johanniterhaus für kranke Kinder gebaut.

Altenhilfe

Im Jahr 1900 wurde als weiterer Arbeitszweig die Behindertenarbeit aufgenommen und 1912 das Gottlob-Weißer-Haus als "Schwachsinnigenheim" gebaut, in dem rund 500 behinderte Frauen und Kinder lebten. Die Zahl der Diakonissen wuchs von 1900 bis 1911 von 72 auf 213. Von 1904 an wurden in der Diakonissenanstalt auch alleinstehende, pflegebedürftige Frauen aufgenommen. 1934 wurde das ehemalige städtische Krankenhaus als Altersheim eingerichtet. Ab 1980 wurde die Altenhilfe über Hall hinaus ausgebaut.

1930 hatte die damalige Diakonissenanstalt 498 aktive Diakonissen. In den 1960er und -70er Jahren fand in der Schwesternschaft eine Neuorientierung statt. Die Gemeinschaft der Haller Schwestern und Brüder mit Diakonissen, Diakonischen Schwestern und Brüdern wurde gegründet − sie hat heute mehr als 1000 Mitglieder, darunter noch 60 Diakonissen, die fast alle bereits im Ruhestand sind.

Aus den 34 Gemeindestationen im Jahr 1899 entstanden heute 20 Diakonie-Sozialstationen, in denen in ambulanten Diensten 380 Haller Schwestern und Brüder tätig sind. Im Pflegedienst Diakonie daheim arbeiten 120 Pflegefachkräfte, 96 Haushaltsassistentinnen in der Pflege und 46 Ehrenamtliche in neun Pflegeteams in der Region Hall. Das Krankenhaus wurde 1938 mit dem Hochhausbau deutlich erweitert. Heute bietet es mit 526 Betten an zwei Standorten in 21 Fachabteilungen eine Zentralversorgung.

Einschnitt

"Die Behindertenarbeit erfuhr in der Diakonissenanstalt durch die Zwangsräumung im Dritten Reich einen schmerzhaften Einschnitt", berichtet Ucik-Seybold. Von 545 behinderten Frauen und Kindern wurden 276 nach Weinsberg und ins Christophsbad Göppingen verlegt. Von ihnen wurden 181 Opfer der Euthanasie. Im Diak blieben 265 Menschen. Mit den Überlebenden ging die Behindertenarbeit weiter. 1980 wurde schließlich die eigene Behindertenhilfe des Diak mit der Gründung von Heim Schöneck, das 161 Plätze hat, wieder stark ausgebaut. Zuvor hatten Diakonissen mit an der Wiege des Sonnenhofs gestanden, einer diakonischen Einrichtung für Kinder und Jugendliche mit Behinderungen.

Hintergrund: Jubiläumsprogramm Diak

Mit verschiedenen Veranstaltungen feiert das Evangelische Diakoniewerk in Schwäbisch Hall in diesem Jahr sein 125-jähriges Bestehen.
  1. Februar, 16 Uhr: Eröffnung des Museumsraums „Zeitfenster“ im ehemaligen Speisesaal des Feierabendhauses, anschließend geöffnet vom 2. bis 6. Februar 14 bis 17.30 Uhr, danach mittwochs und sonntags von 14 bis 17.30 Uhr. 5. Februar, 20 Uhr: Konzert zu Gunsten der Diak-Stiftung mit Weydenwind und Aisleng, Schwimmbad der Behindertenhilfe Schöneck. 18. März, 17 Uhr: „Diak bei Licht“ – ein Abend der offenen Tür. 17. April, 19.30 Uhr: Konzert in der Auferstehungskirche – das Esther-Oratorium von Händel. 15. Mai, ab 10 Uhr: Großes Diak-Jubiläumsfest, Festgottesdienst mit Landesbischof July in St. Michael. red
 

Vor 125 Jahren die ersten Patienten
Blick zurück ins Jahr 1886: Das Stammhaus des Diak, die damalige Diakonissenanstalt. Die ersten zwei Patientinnen waren an Diphtherie erkrankt.Fotos: Diak
Vor 125 Jahren die ersten Patienten
Babyboom im Diak 1933: Dr. Richard Dürr und Diakonissen.