Spätes Kind der Gemeindereform

Michael Schenk war 20 Jahre Ortsvorsteher von Heuberg/Buchhorn/Gleichen

Pfedelbach - Harsberg, Oberohrn, Untersteinbach und Windischenbach wurden Anfang der siebziger Jahre eingemeindet (siehe Hintergrund). Heuberg, Buchhorn und Gleichen gehörten immer schon zu Pfedelbach. Durch die Kommunalreform „kam es zu einer Verschiebung innerhalb der Gemeinde“, sagt Michael Schenk: Die neuen Teilorte hatten deutlich mehr Rechte als die alten.

Als 1986 Bürgermeister Erich Fritz in den Ruhestand trat und ein Nachfolger gesucht wurde, machten die Bürger von Heuberg, Buchhorn und Gleichen die Ortschaftsverfassung zum Wahlkampfthema. Mit Erfolg: 1989 wählten sie ihren ersten eigenen Ortschaftsrat.

Kein Einheimischer Michael Schenk ist in Sachen Ortschaftsverfassung vorneweg marschiert und wurde folgerichtig zum Ortsvorsteher gewählt. Dabei war der heute 53-Jährige gar kein echter Einheimischer: An Heiligabend 1978 war der Weinsberger nach Gleichen gezogen. „Vielleicht war es gar nicht so unglücklich, dass der erste Ortsvorsteher ein Nicht-Eingesessener war“, sagt Schenk im Rückblick.

Denn anfangs habe es „keine Berührungspunkte“ zwischen Heuberg und Buchhorn einerseits sowie Gleichen andererseits gegeben. Heuberg und Buchhorn waren nicht nur räumlich näher dran an der Hauptgemeinde Pfedelbach. Und Gleichen hatte (und hat) starke Beziehungen zu Geißelhardt, Lachweiler und den kleinen Gehöften am Rande des Mainhardter Waldes.

Das erste gemeinsame Projekt ist bis heute das größte geblieben: das Bürgerhaus samt Kindergarten in Heuberg. „Das war ein Punkt, wo ich mich stark für die Ortschaft eingesetzt habe“, sagt Schenk. Funktioniert habe es, weil Vereine und Feuerwehren kräftig mitzogen.

Integrationskraft „Der Kindergarten war die Haupt-Integrationskraft“, sagt Schenk: „Dadurch haben sich die Eltern kennengelernt.“ Umso mehr hat es ihn geschmerzt, als im vergangenen Jahr der Streit um den Erziehungsstil der ehemaligen Kindergartenleiterin vorübergehend die Elternschaft spaltete. Allerdings, so Schenk, stand dabei nicht Dorf gegen Dorf. Der Riss sei mitten durch jeden Ort gegangen.

Ortsvorsteher zu sein bedeutet, viel Zeit zu investieren. Ob Besuche bei Jubilaren oder die jährliche landwirtschaftliche Haupterfassung, all das hat Michael Schenk gerne gemacht: „Man erfährt viel, wenn man von Haus zu Haus geht.“ Andererseits vertritt er vehement die Meinung, die Amtszeit der Ortsvorsteher solle auf zehn Jahre begrenzt werden - wegen der zeitlichen Belastung und weil man mit der Zeit doch eingefahrene Wege gehe.

Michael Schenk war 20 Jahre lang ein ausgesprochen selbstbewusster Ortsvorsteher: „Ich kenne meine Rechte besser als der Bürgermeister.“ Und er ist davon überzeugt, dass die Ortschaftsverfassung länger bestehen wird, als ihre Schöpfer Anfang der siebziger Jahre dachten.