Rettung aus schwindelnder Höhe

Feuerwehren proben Ernstfall im Panoramahotel

Von Oliver Färber

Rettung aus schwindelnder Höhe
Der Versuch zeigt es: Die Drehleiter der Öhringer Wehr reicht auch an die oberen Fenster im vierten Stock des Waldenburger Panoramahotels heran. Die Großübung am Samstag gibt den beteiligten Wehren wertvolle Hinweise für den Ernstfall.Foto: Färber

Waldenburg - Die beiden Jungs sind etwas aufgeregt. Die Umgebung des feinen Hotels ist für sie etwas ungewohnt. Doch der Waldenburger Feuerwehrkommandant Alexander Denkscherz beruhigt sie: "Ihr bleibt nur hier am Fenster stehen und macht euch durch Winken bemerkbar." Die beiden Schüler, die Mitglied der Jugendfeuerwehr sind, sollen im zweiten Stock des Panoramahotels bei der Großübung, die gleich beginnt, Statisten sein − und durchs Fenster gerettet werden.

Piepser Die Waldenburger Feuerwehrleute warten derweil auf ihren Einsatz im Magazin. Sie wissen von der Übung, anders als ihre Öhringer Kameraden, für die das Spektakel wenig später eine Alarmübung ist, bei der sie wie bei einem normalen Einsatz über ihre Piepser alarmiert werden. Das hat seinen Grund: "Wir wollen realistisch sehen, wie lange es dauert, bis die Drehleiter aus Öhringen zur Rettung hier ist", so Denkscherz.

Für seine Waldenburger Leute soll es indes vor allem eine so genannte Anleiterübung werden. "Wir wollen sehen, wie weit wir mit unseren Geräten kommen", erklärt Kommandant Denkscherz seiner Mannschaft. Im Ernstfall sollten alle wissen, wo welche Leitern wie angestellt werden können. "Ein zweiter Fluchtweg ist wichtig", sagt auch Fritz Haag, Kommandant der Werkfeuerwehr Würth, der die Übung begleitet.

Blaulicht Wenig später schrillen die Piepser. Mit Blaulicht und Martinshorn kommt das erste Waldenburger Fahrzeug daher. Im ersten und zweiten Stock winken die zehn Statisten der Jugendfeuerwehr und wollen gerettet werden. "Wir stellen die Leiter dort hin und retten die zwei vom Balkon", gibt Abteilungskommandant Timo Strecker den Befehl. Hinter dem Hotel wird die vierteilige Schiebeleiter aufgebaut.

"Wir haben viele junge Kameraden, die jetzt sehen, wie weit die Leitern hier am Bau konkret reichen", sagt der Kommandant. Die Übung hat damit gleich zwei Effekte: Die Wehr sieht, wie weit ihre Mittel reichen, und die jungen Feuerwehrleute werden mit der möglichen Einsatzstelle vertraut. Die Leiter dockt am vierten Stock an.

Die Öhringer Drehleiter sowie Kommandant und Kreisbrandmeister Günther Uhlmann treffen ein. Er gibt die Befehle und wenig später schweben die Jungs der Jugendfeuerwehr im Korb sicher zur Erde. Derweil geht der Hotelbetrieb ganz normal weiter. "Was ist passiert?", will ein älterer Herr wissen. Als er hört, dass es nur eine Übung ist, erhellt sich seine Mimik wieder: "Ja, üben ist wichtig."

Das sieht auch Hotel-Direktor Jürgen Wegmann so. Denn im Ernstfall könne es um Menschenleben gehen. Die Übung habe gezeigt, dass die Feuerwehr an alle Bereiche heran komme. "Das ist beruhigend. Es ist immens wichtig zu sehen, dass das Leben der Gäste niemals gefährdet ist."

Kreisbrandmeister Günther Uhlmann wollte das schon einige Jahre alte Sicherheitskonzept, das beim Bau des Hotels entwickelt wurde, überprüft wissen. "Die Waldenburger Wehr hat auch eine andere Ausstattung als damals", macht er deutlich. So sei es sinnvoll gewesen, die Rettung neu zu überdenken.