Neues Leben unter alten Dächern

Hohenlohe - Naturschützer und Baubehörde schaffen Raum für Eule, Dohle und Fledermaus

Von Hartmut Müller

Hohenlohe - Der Lebensraum Kirchturm zeigt schon beim Aufstieg über steile und enge Treppen, dass er stark bewohnt ist. Nistmaterial, jede Menge Kot von Dohlen, Eulen, Fledermäusen und Tauben sowie mumifizierte Jungvögel liegen bis weit über den Glockenstuhl hinauf. Eine Gruppe von Naturschützern und ein Vertreter vom Heilbronner Amt für Vermögen und Bau Baden-Württemberg schauen sich unter der Turmspitze um. Denn zuvor war unten am linken Turm der Klosterkirche ein besonderer Preis übergeben worden: Urkunde und Plakette „Lebensraum Kirchturm“.

Im Rahmen dieser bundesweiten Aktion hat Knut Bormann vom Landesvorstand des Naturschutzbundes (Nabu) Baden-Württemberg den Preis an Michael Greiner vom Vermögen und Bau übergeben. Die Begründung: Der besondere Einsatz des Amtes für den Erhalt des Lebensraumes für Dohlen, Fledermäuse und Co. unter Turm- und Kirchendach.

Einsatz

Lob und Dank gab es auch für Aktive der Nabu-Ortsgruppen Öhringen und Unteres Jagsttal für deren arbeitsreichen Einsatz, durch den viele neue Brutmöglichkeiten geschaffen wurden. Bormann: „Oft sind es die kleinen Dinge, die Großes bewirken“. Bei Sanierungsarbeiten an Häusern und Kirchen gingen immer wieder Nistmöglickeiten für die geschützten Arten verloren.

In Schöntal sei das Gegenteil der Fall gewesen. Bei der Sanierung des Dachstuhls der Klosterkirche sind unter anderem spezielle Ziegel mit Einflugmöglichkeiten für Fledermäuse eingebaut und Gitter entfernt worden. Nabu-Aktive wie Karl-Heinz Graef, Gunter Unger, Rolf Möhle und Petra Kuch haben in gutem Einvernehmen mit der Heilbronner Landesbehörde Nistkästen und Quartiere für Dohlen und Schleiereulen geschaffen. Michael Greiner freut sich über diese Auszeichnung und betonte: „Wir sind immer bestrebt, im Einklang mit der Natur zu bauen“. Horst Schulz vom Nabu-Landesvorstand: „Das ist praktischer Artenschutz“. Das Beispiel Schöntal möge Initialzündung sein für andere Kirchen, deren Turm noch nicht geöffnet ist für brütende Eulen in speziellen Kästen. Im Rahmen ihrer Drei-Jahres-Aktion in Schöntal haben die Naturschützer im März im Turm links vom Haupteingang zur Klosterkirche 20 neue Nistkästen eingebaut. Karl-Heinz Graef freut sich: „15 sind von Dohlen gleich angenommen worden“. Die „schwarzen Herren von Schöntal“, wie Ortsvorsteher Rupert Kerschagl sie nennt, sind hier gerne und in großer Schar zu Hause. Nächstes Jahr sollen für sie im anderen Turm Wohn- und Brutplätze geschaffen werden.

Ehrenamt

Gearbeitet wird ehrenamtlich. Das Material zahlt das Land. Das zahlt sich auf Dauer aber aus. Wird der Einflug in den Turm durch artgerechte Quartiere an den Öffnungen verwehrt, bleibt das Innere sauber. Aufwendige Putzaktionen fallen weg.