Neue Klinik-Holding greift an

Hall Diak und Kreis wollen mehr Patienten aus Hohenlohe

Von Ralf Reichert

Das Haller Diak ist eines von drei Krankenhäusern innerhalb der Holding. Vieles deutet darauf hin, dass die Klinik auf dem jetzigen Gelände umgebaut wird.Foto: Reichert

Die neue Klinik-Holding im Landkreis Schwäbisch Hall ist unter Dach und Fach. Das haben die zuständigen Gremien am Donnerstag einstimmig beschlossen. Das Diakonie-Krankenhaus in Schwäbisch Hall sowie die Kreiskliniken in Crailsheim und Gaildorf werden künftig eine Einheit bilden. Um noch stärker zu werden, noch effizienter zu wirtschaften und um noch mehr Patienten aus den Grenzgebieten abzuschöpfen – zum Beispiel aus dem Hohenlohekreis.

Bei der Vorstellung des Holding-Konzepts legte Diak-Geschäftsführer Markus Bachmann eine „Potenzialanalyse“ vor. Demnach besteht bei den Fallzahlen noch genügend Luft nach oben. 10,4 Prozent aller chirurgischen Fälle, die im Hohenlohekreis statistisch ausgewiesen sind, wurden 2006 im Diak behandelt. „Diesen Anteil wollen wir in der gemeinsamen Holding bis 2011 auf 20 Prozent steigern“, so Bachmann. Im selben Zeitraum soll der Wert in der „Inneren Medizin“ von 7,5 Prozent auf 18 Prozent und in der Frauenheilkunde von 14,3 Prozent auf 20 Prozent wachsen. „Schon 2007 haben wir einen Anstieg der Patientenzahl aus dem Hohenlohekreis verzeichnet. Ich bin sehr optimistisch, dass wir dieses Ziel erreichen.“

Spitze Pikant: Die Hohenloher Krankenhaus-Gesellschaft mit ihren Standorten Künzelsau und Öhringen ist Teil der Klinik-Holding mit Heilbronn. Und in deren Interesse müsste es eigentlich liegen, die Patienten bei sich zu behalten. „Die Fahrtgeschwindigkeit dieser Holding hält sich in Grenzen“, kann sich Bachmann eine Spitze nicht verkneifen. Darauf und auf die gute Jahresbilanz des Haller Diaks stützt sich sein Selbstbewusstsein.

Konkurrenz

Der Kampf um die Patienten, er hat begonnen. Eine Holding hier, eine Holding dort, und beide wollen möglichst viel vom Kuchen abbekommen. Dieter Geitz, Klinik-Manager von Crailsheim und Gaildorf, präzisiert: „Im Vordergrund steht, die Abwanderung der Patienten aus dem Kreis Hall zu verhindern und diese lokalen Patientenströme zu bündeln. Aber wir wollen natürlich auch in anderen Regionen wildern.“ In Richtung Bad Mergentheim und Bayern, in Richtung Aalen und Stuttgart. Aber eben auch in Richtung Hohenlohekreis. Die dortigen Kliniken kooperieren seit vielen Jahren mit dem Haller Diak (Schmerzzentrum, Radiologie, Laborleistungen). „Diese Verträge bleiben innerhalb der neuen Holding bestehen“, beteuert Bachmann. Doch was passiert, wenn die hiesige Krankenhaus-Holding in Fahrt kommt? Und die Heilbronner SLK-Kliniken Ansprüche anmelden? Offene Fragen, die bis jetzt noch keiner beantworten will.

Im neuen Holding-Konzept verankert ist auch ein „Regionales Traumazentrum“. Die Bildung eines solchen Netzwerks wollen die Haller gemeinsam mit Hohenlohe und Heilbronn angehen. „Da ist aber noch nichts spruchreif.“ Weitere Chancen zur regionalen Kooperation sieht Bachmann in der Neurochirurgie und in der Teleradiologie.

Baupläne

Die neue Holding wird auch bauliche Veränderungen nach sich ziehen. Die Pläne für Crailsheim stehen, beim Diak hängt alles am Geld. Vieles deutet darauf hin, dass am bestehenden Standort umgebaut wird. Denn die Folgenutzung des weitläufigen Geländes ist und bleibt ein schier unlösbares Problem. „Das ist ja sogar für eine Hochschule zu groß“, scherzt Diak-Direktor Stephan M. Zilker, der die Immobilien kaum veräußern kann. 80 Millionen Euro kann das Diakoniewerk setzen. Jetzt kommt es darauf an, wie viel das Sozialministerium gibt. Ein kompletter Neubau, der wohl im Haller Westen entstehen würde, wäre um einiges teurer.


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