Nasse Füße an unterer Brettach

Wasserverband - Offiziell kam Bretzfelds Bürgermeister Thomas Föhl in seiner Funktion als Vorsitzender des Wasserverbands Neuenstadter Brettach keine Kritik zu Ohren. Allerdings kann er es sich gut vorstellen, dass die Kommunen Langenbrettach und Neuenstadt bei der nächsten Verbandsversammlung im Frühjahr möglicherweise eine geänderte Reihenfolge der nächsten Bauprojekte anstreben möchten.

Von Yvonne Tscherwitschke

Wasserverband - Offiziell kam Bretzfelds Bürgermeister Thomas Föhl in seiner Funktion als Vorsitzender des Wasserverbands Neuenstadter Brettach keine Kritik zu Ohren. Allerdings kann er es sich gut vorstellen, dass die Kommunen Langenbrettach und Neuenstadt, die Unteranlieger der Brettach also, bei der nächsten Verbandsversammlung im Frühjahr möglicherweise eine geänderte Reihenfolge der nächsten Bauprojekte anstreben möchten.

Hintergrund: Bei dem Hochwasser am 13. Januar mussten in Langenbrettach zwei Straßen gesperrt werden. Schäden an Gebäuden entstanden nicht. In Langenbrettach wurden nun trotzdem Stimmen laut, das eigentlich als letztes geplante, größte Hochwasserrückhaltebecken, das die Nummer neun trägt, vorzuziehen. Dieses Becken Nummer neun zwischen Langenbrettach und Brettach soll ein Stauvolumen von 800 000 Kubik haben.

Statt mit 80 Prozent wie seither wird dieses Hochwasserrückhaltebecken aber nur noch mit 70 Prozent der anrechenbaren Kosten vom Land gefördert. Den Restbetrag teilen sich die Kommunen je nach Einzugsfläche. Bretzfeld bezahlt mit etwa zwölf Prozent den Löwenanteil, die beiden Landkreise tragen zusammen vier Prozent der Kosten, den Rest teilen sich Langenbrettach und Neuenstadt.

Gewässerausbau

Statt des Hochwasserrückhaltebeckens bei Brettach sieht das Verbandsprogramm zunächst den Gewässerausbau bei Weißlensburg vor. Eine Maßnahme, die auf 700 000 Euro veranschlagt wird. Im Frühjahr sollte in die Planung eingestiegen werden.

Schon in Betrieb sind die Hochwasserbecken A3 und A4. Das Becken A1 auf dem früheren Gelände von Dynamit Nobel bei Adolzfurt sei bautechnisch fertig, allein die Betriebsvorschrift sowie der Probestau stehen noch aus. Die Unterlagen dafür, so Föhl, lieben beim Landratsamt. Er rechnet damit, bald den notwendigen Stempel dafür zu bekommen, damit dieses Becken Ende Februar in Echtbetrieb gehen kann. Gleiches gilt für das Becken am Eschelbach. Im Herbst wurde mit dem Becken am Gabelbach begonnen. Dieses Becken soll in einem Jahr fertig sein.

Nasse Füße an unterer Brettach
Am 13. Januar sorgten Regen und Schmelzwasser für steigende Pegel. Die Rückhaltebecken (hier bei Adolzfurt) vermieden Schäden an Gebäuden.Foto: Tscherwitschke

Echtbetrieb

Föhl meint: Das Januar-Hochwasser habe gezeigt, dass die Hochwasserrückhaltebecken funktionieren. Der Regenradar habe bei Welzheim 80 Millimeter ergeben, bei Oberheimbach 36 Millimeter. Um 9.30 Uhr habe der Einstau beim Becken A3 begonnen. 20 Kubikmeter Wasser habe man durchgelassen, gekommen seien 30 bis 32 Kubik. Abends sei das Becken mit einem Volumen von 113 000 Kubik (das sind 113 Millionen Liter Wasser) gefüllt gewesen. Da der Pegel in Neuenstadt rasant gestiegen sei, habe man entschieden, durch einen manuellen Eingriff noch stärker zu drosseln. Statt 14 wurden nur noch zehn Kubik Wasser pro Sekunde vom Becken abgegeben.

Dieses Ereignis, so Föhl, habe gezeigt, wie wichtig für die Unteranlieger das Becken mit der Planungsnummer neun sei. Bei entsprechenden Signalen aus den Gemeinden werde er ein Vorziehen der Maßnahme auf die Tagesordnung der nächsten Versammlung setzen.

Wasserverband

Zwölf Hochwasserrückhaltebecken sieht das Hochwasserschutzkonzept für das Brettachtal vor. Zwei vorhandene Becken am Lindelbach in Bretzfeld übernahm der Wasserverband Neuenstadter Brettach 1988 von der Gemeinde Bretzfeld. Seit 2004 wurde weiter gebaut. Im Herbst war der Spatenstich für das fünfte Becken am Gabelbach. Bisher wurde der Hochwasserschutz zu 80 Prozent vom Land gefördert. Es flossen insgesamt 17,1 Millionen Euro Landesgelder an den Verband. Dessen Einzugsgebiet beträgt 57,8 Quadratkilometer. Die Brettach entspringt im Mainhardter Wald und fließt bei Neuenstadt in den Kocher.