Ehemaliger Bahnhof heute Bikertreff

Hardthausen - Statt Dampfloks und Güterwaggons fahren Harleys und Ducatis heute den Bahnhof in Gochsen an. Das Gebäude im Industrieareal der Hardthausener Gemeinde ist nämlich seit einigen Jahre Domizil der Motorradfreunde Gochsen.

Hardthausen - Statt Dampfloks und Güterwaggons fahren Harleys und Ducatis heute den Bahnhof in Gochsen an. Das Gebäude im Industrieareal der Hardthausener Gemeinde ist nämlich seit einigen Jahre Domizil der Motorradfreunde Gochsen. Bei dem schlichten Gebäude − baugleich dem Bahnhof im hohenlohischen Möglingen − erinnert nur noch die Aufschrift "Gochsen" an die ursprüngliche Funktion.

Eine Comicfigur an der Außenwand deutet auf die neue Nutzung hin. Die Gleise sind abmontiert, auf dem Platz davor wuchert Grün. Aus dem ehemaligen Warteraum haben die Motorradfreunde eine Vereinskneipe gemacht, über deren Eingang ein skelettierter Ochsenkopf hängt. "Das ist von Gochsen abgeleitet und unser Erkennungszeichen", sagt Jürgen Bayer (42).

Warteraum "Vorsicht Absturzgefahr" und "Vorsicht Zelle steht unter Strom" steht auf alten Emailschildern, die im ehemaligen Warteraum des Bahnhofsgebäudes an den Wänden hängen. Der Familienbetrieb Bayer Maschinenbau befindet sich jenseits der ehemaligen Gleisanlage und das Gelände haben die Bayers von der Gemeinde erworben, nachdem das ursprüngliche Domizil des Clubs einer Firmenerweiterung zum Opfer gefallen war.

Die Radler unterwegs auf dem Kochertalradweg fahren oberhalb daran vorbei oder nehmen die Industriestraße unterhalb. "Erst waren wir eine lose Gruppe von so 30 Leuten", sagt Marco Volkmann, Vorsitzender der Motorradfreunde. Vor einiger Zeit habe man sich als Verein eintragen lassen − in Erinnerung an die Kochertalbahn als "Motorradfreunde Bahnhof Gochsen e.V." Mit Bahn haben die Bewohner ansonsten nichts am Hut. Das Terrain, auf dem sie sich heimisch fühlen, ist die Straße. Aber auch die Geselligkeit wird gepflegt. Treff ist jeden Mittwoch und jeden Freitag im Bahnhof, zweimal im Jahr gibt es ein Fest. Das nächste ist am Sonntag, 4. September, ein Weißwurst-Frühstück.

Die Gesamtgemeinde Hardthausen hatte noch einen zweiten Bahnhof, den in Kochersteinsfeld. Von ihm ist heute nichts mehr zu sehen. Ein beredtes Zeugnis von der verschwundenen Station geben die Erinnerungen des Lehrers Karl Munz aus Gochsen. Darin schildert er die Irrfahrten eines Gochsener Gemeinderats. Dieser hatte an dem Festessen zur Einweihung der weiterführenden Strecke der Unteren Kochertalbahn im August 1913 in Ohrnberg teilgenommen.

Man hatte lange gefeiert und den freien alkoholischen Getränken stark zugesprochen. Bei der abendlichen Heimfahrt verpasste der Volksvertreter die Bahnstation Gochsen. Als blinder Passagier gelangte er schließlich bis nach Jagstfeld und musste dort sogar übernachten. Mit dem Frühzug fuhr er dann zurück.

Zu Fuß

Die Nachwirkungen der Feierlichkeiten bewirkten aber, dass der Volksvertreter Gochsen wiederum verschlief und erst an der Station Kochersteinsfeld aussteigen konnte. Von da traute er dem neumodischen Verkehrsmittel nicht mehr und lief zu Fuß nach Hause.

Ehemaliger Bahnhof heute Bikertreff
Das Bild entstand Ende der 30er Jahre und zeigt vorn den kleinen Bahnhof. Jenseits der Schienen die ehemalige Stuhlfabrik Bayer.Foto: Archiv/Heimatbuch Hardthausen
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