Die Erben streiten mit der englischen Krone

Walter Reinhardt stieg zum Fürsten auf und hinterließ ein sagenhaftes Vermögen

Öhringen Stammt der sagenhaft reiche Nabob von Sardhana tatsächlich aus Michelbach am Wald? Oder stand seine Wiege doch woanders? So bunt, wie die Liste der möglichen Geburtsorte ist, verlief auch das Leben des Walter Reinhardt. Sogar über seinen Namen wird spekuliert. Er könnte auch als Walter Sommer geboren worden sein. Gentil, ein französischer Offizier, nennt ihn so in seinen Memoiren.

Man weiß, dass der gelernte Zimmermann oder Metzger Reinhardt nach dem Bauernhof-Brand in Michelbach oder nach einem anderen Vergehen zur französischen Armee flüchtete Die Franzosen brauchten Soldaten für ihre Kolonien. So kam Reinhardt als Fremdenlegionär per Schiff nach Indien.

Als Söldner ging er unter dem Namen Sumru (auch Sombre, Samru, Sommer oder Sumroo genannt, was bedeutet: der Finstere, der Dunkle, der Unheimliche) an Land. Hier kämpften die Franzosen gegen die Engländer um die Vorherrschaft in Indien. Walter Reinhardts ungewöhnliche militärische Karriere nahm ihren Anfang.

Über seine „Heldentaten“ gibt es unterschiedliche Berichte. Er wechselte die Fronten, ging zu den Briten und nahm in der Kolonialarmee eine führende Position ein. Der furchtlose Krieger Reinhardt schlug sich später auf die Seite der Inder und ließ sich von Shah Allam II. anwerben. Mit den Indern fügte er den Engländern große Verluste zu und erkämpfte die Unabhängigkeit mehrerer einheimischer Fürsten.

Ihr Dank für Reinhardts Kriegserfolge blieb nicht lange aus. Er wurde zum General und - wie in einer Geschichte geschildert - zum Gouverneur von Agra ernannt. 1773 soll er zum Fürst von Sardhana aufgestiegen sein. Ihm wurden Ländereien nordöstlich von Delhi geschenkt (Pargumha, Badshapore, Thrada mit Sardhana) - „...ungefähr 2500 qkm mit 955 Weilern, Dörfern und Städten und einer Bevölkerung von etwa 750 000 Seelen“. Baumwoll- und Zuckerrohrplantagen brachten gute Erträge und Gewinne ein.

Grabstätte Als Walter Balthasar Reinhardt-Sombré 1778 in Agra starb, soll seine junge Lebensgefährtin (oder Ehefrau) Begum Sombré das Fürstentum übernommen und erfolgreich regiert haben. Reinhardts Grabstätte in Agra ist bis heute erhalten. Nach dem Tod der Begum anno 1836 sollte laut ihrem Testament das Fürstentum mitsamt den Immobilien und dem Barvermögen an den Stief-Urenkel Sir David Ochterlony Dyce-Sombré übergehen. Doch daraus wurde nichts. Die britische Krone, so wird berichtet, habe das gesamte Vermögen beschlagnahmt. Seither werden Gerichtsprozesse um die Anerkennung von Ansprüchen auf das Vermögen von Walter Reinhardt geführt. Bis heute bildeten sich mehrere Linien von Erbengemeinschaften in Deutschland, Österreich und den USA. Im Jahr 1923 wurde das Erbvolumen auf etwa 55 Millionen Goldmark beziffert. In den 50er Jahren wurden 18 Milliarden Mark genannt. Immer wieder haben deutsche und englische Zeitungen über den Fürst von Sardhana und sein Erbe berichtet.

1991 wurde die Angelegenheit auch in der sendung „Schreinemakers Live“ im Fernsehen behandelt. Damals forderte eine deutsche Familie die englische Königin auf, Reinhardts Milliardenerbe herauszurücken. Es wurde dabei ein Michelbach bei Heilbronn erwähnt. Eine neue Welle der Ahnenforschung begann. Teil 1 erschien am 24. Januar. Ein dritter Teil folgt.