Bockshorn mal so und mal so

Wappen stammt vom alten Ortsadel − Vom Sack bis zur Vereinsnadel abgebildet

Bockshorn mal so und mal so
Josef Kruck mit dem Wappensack. Darauf das amtlich genehmigte Steinbockshorn. wie es auch im Landesarchiv hinterlegt ist.Fotos: Hartmut Müller

Warum hat Pfedelbach ein Bockshorn im Wappen? Ein Steinbockshorn? Ein Widderhorn? Die Blasonierung liest sich an zwei Stellen unterschiedlich. In der amtlichen Kreisbeschreibung "Der Landkreis Öhringen" von 1968: "Das Wappen zeigt in Silber (Weiß) ein rotes Widderhorn". In der freien Enzyklopädie Wikipedia heißt es unter "Pfedelbach Wappen und Flagge": "In Silber ein gebogenes rotes Steinbockshorn". Im Buch "Kreis- und Gemeindewappen in Baden-Württemberg", Band 1 des Regierungsbezirks Stuttgart, ist diese Blasonierung auch zu finden. Das rote Steinbockshorn ist in der neuen Kreisbeschreibung von 2006 "Der Hohenlohekreis" ebenfalls erwähnt, wie auch im Landesarchiv in Stuttgart.

Den Wappen-Vorschlag der Archivdirektion Stuttgart vom 29. März 1927, das rote gebogene Steinbockshorn zu verwenden, nahm die Gemeinde Pfedelbach an. Seit 1930 wurde es in den Gemeindedienstsiegeln geführt.

Geschichte Die Frage ist: Warum hat Pfedelbach ein Steinbockshorn im Wappen? Die erste kurze Erklärung lautet "Es entspricht dem des Ortsadels" (Kreisbeschreibung) und "Es ist das Wappen des ehemaligen Ortsadelsgeschlechts der Herren von Pfedelbach" (Landesarchiv). Heimatforscher Josef Kruck hat die Wappen-Spur verfolgt und wurde fündig im Band 3 Jagstkreis, der Oberamtsbeschreibung von 1906. Daraus geht hervor, dass Pfedelbach 1419 bis 1472 zu Adelsheim gehörte. In seinen Heimatgeschichtlichen Blättern schrieb Kruck: "Pfedelbach hatte Ortsadel von 1270 bis 1419. Sein Wappen: rotes Bockshorn in Weiß, Helmzier Büffelhörner, rot und weiß". Anno 1419 erbten die Adelsheimer den Pfedelbacher Besitz. Auch im Pfedelbacher Heimatbuch von 1987 wird auf die Verwandtschaft der Ortsadelsfamilien von Pfedelbach und Adelsheim hingewiesen. Reiza, die Tochter des Dietrich von Pfedelbach, heiratete 1419 Zeisolf von Adelsheim. Diese Ritterherrschaft verkaufte Pfedelbach und viel Drumherum 1472 an die Grafen von Hohenlohe. Pfedelbach hat mit Adelsheim im Neckar-Odenwald-Kreis heute noch die Wappen-Verwandtschaft. Dort befindet sich auf Silber ein schwarzes, senkrecht stehendes Steinbockshorn.

Ritter Das Pfedelbacher rote Steinbockshorn im Wappen ist − verändert gegenüber dem ursprünglichen − im Rathaus zu sehen. Und auf der Flagge. Das ursprüngliche Wappen hat die typische Form eines staufischen Ministerialwappens, heißt es in der Wappenbeschreibung. Die staufischen Ritter seien vermutlich durch die Kreuzzüge in Berührung mit fremdländischen Tieren gekommen. Von ihnen beeindruckt, hätten sie die Formen dieser Tiere in ihr Wappen aufgenommen. Zum Beispiel das mächtige Horn des arabischen Steinbocks. Eine gefährdete Art, die auch in Israel vorkommt.

Signet Das Bockshorn ist in Pfedelbach noch präsent. Aber auf Plakaten und Infotafeln dominiert das Signet der Gemeinde: In der Mitte ein großes P. Wellenlinien weisen auf den Pfedelbach hin. Traubenblatt und Schlossturm runden das Pfedelbacher Erkennungszeichen ab. Links neben dem Schriftzug Pfedelbach behauptet sich noch als kleiner, roter Tupfer das Steinbockshorn. Auf dem Titelblatt des Pfedelbacher Gemeindeblatts war es noch bis April 1993, zusammen mit dem Schloss, größer abgebildet. Der TSV Pfedelbach hält das Bockshorn hoch, auf Sportkleidung, Bekanntmachungen und auf Vereinsnadeln. Wo das Bockshorn noch zu sehen ist, weiß Josef Kruck: auf einem Getreidesack. Den erwarb er für die heimatgeschichtliche Sammlung auf einem Flohmarkt in Braunsbach. Im Museum bewahrt er auch zwei seltene Tonzeugen auf, mit dem Steinbockshorn darauf. Eine Art unterirdische Sicherung von Grenzsteinen, sollten sie herausgerissen werden. Und außerhalb von Pfedelbach ist das Bockshorn noch in Öhringen zu sehen: auf einem Epitaph im Kreuzgang des Stifts, den das Wappen derer von Adelsheim ziert.

Bockshorn mal so und mal so
Das Pfedelbacher Wappen auf der TSV-Nadel, im Treppenaufgang des Rathauses und auf dem heutigen Signet.
Bockshorn mal so und mal so
Bockshorn mal so und mal so