Asyl für Schleiereulen, Turmfalken und Dohlen

Bretzfeld - Auszeichnung vom Naturschutzbund für Waldbacher Kirche − Hinweistafel angebracht

Asyl für Schleiereulen, Turmfalken und Dohlen
Die Waldbacher Kirche ist Lebensraum für bedrohte Greifvögel.

Bretzfeld - Viele Tierarten sind dem Menschen in Städte und Dörfer gefolgt und haben hier einen neuen Lebensraum für sich entdeckt − den Kirchturm. Hier haben Turmfalken, Schleiereulen, Dohlen, Mauersegler und mehrere Fledermausarten ein neues Zuhause gefunden. Zusammen mit anderen hohen Bauwerken und alten Scheunen ersetzt der Kirchturm für diese ursprünglich in Felshöhlen brütenden und lebenden Tiere den natürlichen Brutplatz. Mit dem Abriss und der Sanierung alter Gebäude verlieren Turmfalke und Co. häufig ihre letzten Brutplätze im Siedlungsraum.

Miteinander

Was kann man nun tun für ein ungestörtes Miteinander von Mensch und Tier im Dorf und in der Stadt? Damit diese Arten auf Dauer "Kirchenasyl" genießen können ist es sehr wichtig, Störungen zu vermeiden und bestehende Quartiere und Brutplätze zu schützen und zu verbessern oder neue zu schaffen. In diesem Zusammenhang hat der Naturschutzbund (Nabu) und der Landesbund für Vogelschutz in Bayern (LBV) die Aktion "Lebensraum Kirchturm" ins Leben gerufen.

Beringung

Nach dem Kloster Schöntal, das diese Auszeichnung bereits im Sommer 2009 erhielt, wurde nun die Kirche in Waldbach als zweites Gotteshaus im Hohenlohekreis ausgezeichnet. Stellvertretend für Waldbach nahm Pfarrerin Petra Schautt bei der Beringung der Schleiereulen-Jungen der diesjährigen Zweitbrut, die Auszeichnung von Karl-Heinz Graef und der zweiten Vorsitzenden des Nabu Öhringen, Petra Kuch, entgegen. Neben einer Urkunde wurde auch eine Hinweistafel überreicht, die die Waldbacher Kirche jetzt als "Lebensraum Kirchturm" ausweist und die nach Absprache irgendwo außen montiert wird.

Bereits im Frühjahr 1991, also vor fast 20 Jahren, hat hier Karl-Heinz Graef einen Nistkasten für Schleiereulen eingebaut. Dieser wurde auch gleich angenommen und seither haben insgesamt 23 Bruten, 18 Erst- und fünf Zweitbruten, von der Schleiereule stattgefunden. Dabei sind 87 Jungvögel ausgeflogen. Auch Turmfalken brüten schon seit vielen Jahren regelmäßig an der Kirche mit ein bis zwei Paaren und in einem Jahr waren es sogar drei Paare. Seit zwei bis drei Jahren sind nun auch regelmäßig zwei Paare Dohlen anwesend. Deshalb wurden im März 2008 von Karl-Heinz Graef und Gunter Unger nochmals zwei Nistkästen im Turm eingebaut. Auch diese Kästen wurden umgehend angenommen und Turmfalken und Dohlen streiten nun regelmäßig um die Brutmöglichkeiten. Natürliche Brutplatzkonkurrenz nennt der Fachmann so etwas.

Der Nabu Öhringen hat noch drei weitere Kirchen im Hohenlohekreis für die Auszeichnung "Lebensraum Kirchturm" in den nächsten Wochen vorgesehen. red