40 000 Mal den Limes fotografiert

Kupferzell - Jahrzehntelang schoss er Fotos vom Limes. Einfach so, nur für sich. 40 000 Aufnahmen machte der Zahnarzt Dr. Eckehart Ayen aus Kupferzell von dem Bodendenkmal − und zwar immer, wenn die Schatten der Bäume im 90-Grad-Winkel standen.

Von Rafael Binkowski

Kupferzell - Jahrzehntelang schoss er Fotos vom Limes. Einfach so, nur für sich. 40 000 Aufnahmen machte der Zahnarzt Dr. Eckehart Ayen aus Kupferzell von dem Bodendenkmal − und zwar immer, wenn die Schatten der Bäume im 90-Grad-Winkel standen. Seine Fotos umfassen damit etwa zwei Drittel aller je gemachter Aufnahmen vom Limes. Nun fasste der Hobby-Fotograf mit Hilfe der Deutschen Limeskommission diese Bilder in einem Buch mit dem Titel "Limes 90 Grad" zusammen.

Vor 33 Jahren begonnen

Bei einem Sonntagsspaziergang im Jahr 1976 bei Zweiflingen entdeckte der Zahnarzt seine Leidenschaft für den Limes. "Ich habe einen römischen Grenzwall gesehen, zwei Meter hoch und 500 Meter lang", erinnert er sich. So habe er das Interesse für eine genauere Analyse entwickelt, ohne zu ahnen, welcher gigantische Zeitaufwand dahintersteckt.

Der Zahnarzt wollte nicht nur den Limes in seinem gesamten Verlauf dokumentieren, sondern seine Arbeit auch lückenlos in der Forschung der Deutschen Limeskommission einordnen. "Selbst unscheinbare Reste, die kaum zu sehen sind, wurden dabei aufgenommen", sagt er.

Zunächst setzte sich Ayen deswegen in die Württembergische Landesbibliothek in Stuttgart und wälzte Bücher. Dann erst zog er los, immer wenn die Bäume kein Laub hatten und die Sonne so stand, dass der Schatten im Winkel von 90 Grad fiel. "So sind Bilder von immer gleicher Qualität entstanden", erklärt er. Und über die Jahre sammelte er so ein einzigartiges Werk. Jede freie Minute an den Wochenenden ist er auf eigene Kosten an einen Ort des 550 Kilometer langen Limes gereist. "Ich musste oft lange Anfahrten bewältigen", berichtet Ayen, "bis zu 300 Kilometer bin ich abends wieder nach Hause gefahren."

Römischer Nagel

Etwa 50 bis 60 Stunden vor Ort und 300 Stunden Heimarbeit pro Jahr kostete ihn sein Fotowerk. Nicht immer zur Freude der Familie. "Einmal ist meine Tochter mitgegangen, die hat sich nach wenigen Stunden schon gelangweilt", berichtet er. "Meine Familie musste diesem Unternehmen hin und wieder Tribut zollen." Auch sein Auto wurde einmal in Mitleidenschaft gezogen: Ein römischer Nagel verursachte einen Platten.

Doch nach 33 Jahren schloss er das Projekt ab. Ayen machte mit seiner Arbeit ein Denkmal sichtbar, das in den meisten Fällen gar nicht als solches erkennbar ist, weil es eben fast 2000 Jahre alt und weitgehend überwachsen oder verfallen ist. Dennoch gibt es nun pro Kilometer Limes 30 bis 50 Bilder, die fast lückenlose Dokumentation eines Lebenswerkes.

Über Kontakte seines Mäzens, des Künzelsauer Schraubenunternehmers Reinhold Würth, wurden die Fotos von der Deutschen Limeskommission digitalisiert und gesichtet. Für das Buch im Stuttgarter Theiss Verlag wurden schließlich 171 Bilder ausgewählt und mit Texten versehen.

Eckehart Ayens Buch "Limes 90 Grad" ist als vierter Band in der Reihe "Beiträge zum Weltkulturerbe Limes" im Konrad Theiss Verlag (Stuttgart) erschienen. Herausgeber ist Peter Henrich. Das Buch hat 196 Seiten und kostet 20 Euro. Erhältlich im Buchhandel.


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