THW-Helfer aus Pfedelbach errichten sieben Behelfsbrücken

Pfedelbach  Helfer des THW waren beim Brückenbau im Katastrophengebiet an der Ahr dabei und haben rund 5300 Einsatzstunden geleistet.

Von Regina Koppenhöfer
Email

Rolf Götz, Marcel Bender, Jan Weber, Marco Knorr und Jens Michelbach (von oben nach unten) waren im Katastrophengebiet im Einsatz.

Foto: Regina Koppenhöfer

Das war wie im Kriegsgebiet. So stellt man sich das vor." Marco Knorr kann es noch immer kaum fassen, welche Schäden das Hochwasser im Ahrtal und darüber hinaus verursacht hat. Der 26-Jährige gehört der Fachgruppe Brückenbau des Pfedelbacher Ortsverbands des Technischen Hilfswerks (THW) an. Die Bilder in den Köpfen der Männer sind noch ganz wach. "Vor lauter Müllhaufen hat man nicht mehr drüberschauen können", erinnert sich Knorr. Auch "halbe Häuser" hätten sie gesehen, berichten der junge Mann und seine THW-Kameraden im Gespräch mit der Hohenloher Zeitung. Zerstört wurden aber nicht nur Straßen und Häuser. Von der Flut weggerissen wurden auch Brücken. Deshalb waren 21 Helfer der THW-Fachgruppe Brückenbau seit der Flutkatastrophe gleich mehrfach an der Ahr im Einsatz: Sie haben dort gemeinsam mit anderen THW-Kräften Behelfsbrücken gebaut.

52 Meter lange Brücke

Am Bau von sieben Brücken waren die Hohenloher beteiligt. 5300 ehrenamtliche Einsatzstunden wurden insgesamt geleistet. Jan Weber (24) und Marcel Bender (32) waren bei allen Einsätzen dabei, auch als die größte Brücke entstand: In Bad Neuenahr begannen THW-Einsatzkräfte gerade mal eine Woche nach der großen Flut eine 52 Meter lange Brücke mit zwei Fahrspuren zu bauen. Die Brücke hat ein Eigengewicht von etwa 150 Tonnen. 80 THW-Einsatzkräfte haben die Mammutaufgabe in nur sieben Tagen geleistet. Aus 14500 Einzelteilen wurde die Behelfsbrücke zusammen gesetzt.

 

Tausende Schrauben und Bolzen

Sieben Behelfsbrücken errichtet

So eine Brücke gleiche einem "Baukastensystem", erklärt Jan Weber. Mit Kränen werden die tonnenschweren Stahlteile bewegt. Tausende von Schrauben und Stahlbolzen fixieren die Teile. Jeder Bolzen wiegt weit mehr als ein Kilogramm und muss von den Helfern von Hand, oft auch über Kopf, eingeschlagen werden. "Auch der Rückschlag von einem Schlagschrauber ist beachtlich", verrät Bender. Alles in allem ist so ein Brückenbau harte Knochenarbeit, kombiniert mit Fachwissen - bei drückender Hitze ebenso wie in strömendem Regen.

Warum leisten die Helfer diesen Dienst? "Wenn die Leute merken, die vom THW sind immer noch da und helfen uns, dann bekommen wir Dankbarbeit zu spüren", erklärt Rolf Götz seine Motivation. Götz ist ein erfahrener Helfer. Seit 38 Jahren engagiert er sich beim THW. Vor etwa 30 Jahren war der heute 53-Jährige nach einem Tornado auch schon mal in Honduras im Einsatz. "Aber so etwas wie an der Ahr, das habe ich noch nicht erlebt." Die Masse der Zerstörung ist noch beinahe unfassbar für den Mann. Unfassbar sei wohl auch die Kraft und Größe der Flutwelle gewesen. Sechs bis zehn Meter hoch sei sie gewesen. "Dass da so eine große Flutwelle durchrollt, das hätte doch keiner geglaubt", ist Götz der Überzeugung.

 

Nach wie vor gibt es viel zu tun für die Helfer. Simone Brecht, die beim THW für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist, berichtet, dass im Herbst weitere zwei, vielleicht auch drei Brückenbaueinsätze auf die Pfedelbacher warten. Gäbe es all die Behelfsbrücken nicht, so erklärt Brecht, müssten die Menschen im Hochwassergebiet große Umwege auf sich nehmen. Das mache den ohnehin schlimmen Alltag der von der Flut Betroffenen noch komplizierter.

Zwei Helfer je 450 Stunden im Einsatz

Sieben Behelfsbrücken errichtet

Besonders viele Stunden haben seit der Katastrophe Jan Weber und Marcel Bender an der Ahr geleistet. Jeweils 450 Stunden waren allein diese beiden Männer in den zurückliegenden Wochen im Einsatz. Auch bei Weber und Bender sind die Eindrücke noch ganz wach. Marcel Bender erinnert sich: "Die einen waren sehr dankbar." Aber es habe auch weniger freundliche Menschen gegeben. THW-Helfer Jens Michelbach vermutet: "Weil es ihnen zu langsam ging." Die Einsätze in einem Katastrophengebiet sind harte Arbeit und bisweilen auch nicht leicht zu verdauen. Warum also engagiert man sich beim THW und im Brückenbau? Jan Weber weiß die Antwort: "Weil Brücken verbinden. Sie verbinden Menschen vor Ort. Sie verbinden zwei Ufer. Und das alles verbindet auch genauso uns, die Kameraden."

 

Kommentar hinzufügen