Sie wollen, dass die Politik zuhört

Hohenlohe  Am globalen Klima-Aktionstag gingen in Öhringen und Künzelsau Jugendliche auf die Straße.

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Demonstration zum globalen Klima-Aktionstag in Öhringen: 70 Jugendliche und Erwachsene marschierten durch die Innenstadt.

Fotos: Armin Rößler/privat

Der Bräutigam, der mit dem Auto über den Öhringer Marktplatz fährt, neben sich den Blumenstrauß für die bald Angetraute, klingt regelrecht besorgt: "Für was wird denn hier demonstriert?" Das ist durchaus sinnbildlich für die "Fridays for Future"-Bewegung, die sich gerade versammelt: Die Corona-Krise hat ihr ein wenig den Wind aus den Segeln genommen. "Die Streikzahlen müssten heute deutlich höher sein", sagt dann auch Mario Dietel von der hiesigen Ortsgruppe im Gespräch mit der HZ. 200 Teilnehmer waren es beim letzten Mal vor Corona, nun sind es 70. Kein Widerspruch: Trotzdem sei man "sehr zufrieden mit dem Zuspruch, den wir in der Bevölkerung haben", sagt Dietel.

Fußmarsch durch die Stadt

"Wir finden es wichtig, für den Klimaschutz zu demonstrieren", erklärt mit Lara Dörrer (15) eine der Teilnehmerinnen an der Demonstration, die nach einer kurzen Begrüßung auf dem Marktplatz in einem halbstündigen Fußmarsch durch die Innenstadt führt. "Die Wissenschaft zeigt, was wichtig wäre. Wir wollen, dass die Politik uns zuhört", sagt sie weiter. Und ihre Freundin Lora Niklas (15) meint: "Ich denke, wir haben heute ein bisschen die Leute darauf aufmerksam gemacht."

Globale Erwärmung

Der Marsch ist eine von weltweit 3200 Demonstrationen zum sechsten globalen Klima-Aktionstag, der sich unter dem Motto "Kein Grad weiter" gegen die aktuelle Energie- und Verkehrspolitik richtet und an den Beschluss des UN-Klimagipfels erinnert, die globale Erwärmung auf 1,5 Grad Celsius zu begrenzen. Unterwegs skandieren die durch einige Erwachsene unterstützten Jugendlichen "Wir sind hier, wir sind laut, weil ihr uns die Zukunft klaut" oder "Was wollen wir? Klimaschutz! Wann? Jetzt!". Auf den Plakaten und Transparenten steht "Kein Ausbau der B 19 und A 6" oder "Stoppt Braunkohle". Zwei Streifenwagen der Polizei begleiten den Zug, die Autos müssen warten. Schon allein deshalb werden viele Menschen auf die Demonstranten aufmerksam.

"Wir solidarisieren uns mit allen, die mit Ungerechtigkeit zu kämpfen haben", weist Frieda Janke in der von ihrem Bruder Moritz verfassten Rede auf die vielen Probleme auf der Welt hin. Trotzdem müsse man weiter auf die Klimakrise aufmerksam machen. "Bleibt unbequem, bleibt kritisch", fordert sie.

Brigitte Rohloff aus Ohrnberg sagt für die "Parents for Future", die Demo zeige, "dass die jungen Menschen die Situation wirklich verstanden haben". Nun müsse die Politik den Rahmen für eine "nachhaltige und klimafreundliche Lebensweise" setzen. Alexander Steiner, "Scientist for Future" aus Bad Friedrichshall, wirbt für Solarenergie: Die Anlagen auf den hiesigen Dächern müssten verfünffacht werden, dann seien die Klimaziele erreichbar. "Kartoffeln, die im Schatten von Solarpanelen wachsen, bringen 30 Prozent mehr Ertrag", sagt er.

In Künzelsau auf der B19

Sie wollen, dass die Politik zuhört

In Künzelsau marschierten die Teilnehmer der "Fridays for Future"-Demonstration über die B?19, um gegen einen Ausbau zu protestieren.

Mario Dietel ruft zwischendurch auf der parallel stattfindenden Demo in Künzelsau an. "Wir laufen gerade auf der B 19", heißt es von dort. Deren Ausbau sei nicht mit den Klimazielen vereinbar.

Auch in Künzelsau sind es rund 70 Teilnehmer, die mit Sprechchören auf die dringenden Klima-Themen aufmerksam machen. "Wir müssen unsere Städte wieder für die Menschen und nicht für Automobile bauen", sagt Leonard Höhn von der "Fridays for Future"-Ortsgruppe Künzelsau in seiner Rede an den Wertwiesen. Man wolle alle, vom Landkreis bis zu jedem selbst, zu einem "nachhaltigen und klimafreundlichen Handeln motivieren".

Infostand am Alten Rathaus

Morgens hat "Hohenlohe for Future" am Alten Rathaus über Klimathemen informiert, Produkte aus dem Weltladen ebenso präsentiert wie den ReCup-Becher der Stadt. Der persönliche ökologische Fußabdruck kann berechnet werden, mehrere Petitionen liegen zum Unterschreiben aus. "Die Menschen waren interessiert, das ist sehr gut angekommen", sagt Priscilla Reinauer von der Initiative.

 

Armin Rössler

Armin Rößler

Armin Rößler, geboren in Heilbronn, aufgewachsen in Untereisesheim, schreibt nach über dreißig Jahren im badischen Exil seit 1. Juli 2020 für die Hohenloher Zeitung.

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