Schwitzen, Schnaufen, Strahlen beim Stadtlauf Öhringen

Öhringen  Jedes Rennen erzählt seine Geschichten. Beim Öhringer Stadtlauf, einer der ersten Laufveranstaltungen, seit es die Inzidenz-Zahlen wieder zulassen, gibt es diese Geschichten sogar in Hülle und Fülle.

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Freuen sich, wieder gemeinsam am Start zu sein: die Lauftreffgruppe der TG Forchtenberg, die mit 13 Läufern in Öhringen dabei war.

"Das war mein erster Wettkampf überhaupt, da muss man schon mal Gas geben", sagt die sichtlich geschaffte Julia Schneider (TV Talheim), nachdem sie beim Zehn-Kilometer-Rennen der gesamten weiblichen Konkurrenz auf und davon gelaufen war. "Ich bin ohne Ziel hergekommen und wollte es einfach nur schaffen", fügt sie an und hat zwei Erklärungen für ihren Sieg: "Wenn man im Flow ist und die Leute einen anfeuern, vergisst man alles." Und: "Coach Siggi ist einfach überragend." Mit dem Laufen hat sie während des Lockdowns angefangen, über ihre Laufgruppe ist zum Öhringer Stadtlauf gekommen. "Das macht Lust auf mehr", sagt die Heilbronnerin.

Sieger geht anschließend noch Radfahren

Wenige Minuten vor ihr sind die beiden schnellsten Männer ins Ziel gekommen. Zwei Sekunden liegt Florian Dinse (Tricon Schwäbisch Hall) am Ende vorne. "Irre", sagt er über den Start seiner Konkurrenten. "Wie die losgelaufen sind, ich dachte, ich kriege die nicht mehr." Jetzt seien seine Füße "tot". Am Ende hat es der gebürtige Obersulmer aber doch noch geschafft, und das trotz einer ganz besonderen Kraftanstrengung. Weil er eigentlich Triathlet ist, war er morgens schon ein paar Kilometer schwimmend unterwegs, nach dem Lauf "muss ich noch radeln". Er schnauft kurz: "Aber das geht schon."

Erst fünf, dann zehn Kilometer

Tolle Geste: Der nur knapp unterlegene Lennart Nies (TV Maikammer) bringt dem Sieger einen Becher Wasser. "Großes Kompliment an die Veranstalter", sagt er. "Toll, dass sie hier die Verantwortung übernommen haben." Das findet auch Dirk Karl aus Kandel, der den Stadtlauf als "sehr gut organisiert" bezeichnet. Er hat erst den Fünf-Kilometer-Lauf absolviert und ist danach auch noch über die doppelte Distanz angetreten. "Das ist ein gutes Training", meint er, "einmal schnell, einmal ausdauernd." Und: "Das ist eine sehr gute Strecke, die kann man auch dreimal laufen."

Über 100 Helfer im Einsatz

Schwitzen, Schnaufen, Strahlen

Höhepunkt des Öhringer Stadtlaufs am Sonntag war das Rennen über zehn Kilometer mit über 150 Startern.

Fotos: Armin Rößler

Wegen Corona wurde der Lauf erstmals auf zwei Tage verteilt und vom ursprünglichen Datum im April in den Juli verlegt. 845 Sportler sind insgesamt am Start. "Das ist für die jetzige Zeit sehr zufriedenstellend", findet Organisator Armin Federolf. 1800 Starter, wie noch im Jahr 2019, "hätten wir gar nicht verarbeiten können". Über 100 Helfer der TSG Öhringen sind am Start, längst nicht nur von der Leichtathletikabteilung.

"Die Judoka haben die Strecken aufgebaut, die Turner bauen sie ab", berichtet Federolf, die Handballer kümmern sich derweil um die Bewirtung. Das strenge Hygienekonzept hat Geschäftsführer Michael Dehn in enger Abstimmung mit der Stadt Öhringen erstellt. "Klasse, dass ihr was macht", heiße es in vielen Rückmeldungen, so Federolf, dafür lohnt sich dann auch der große Aufwand. "Es ist schon extrem anstrengend", sagt seine Frau Steffi. "Super" findet Stadionsprecher Uli Reissig den Zuspruch der Läufer.

"Ganz schön heiß"

Schwitzen, Schnaufen, Strahlen

Uwe und Almut Kaiser strahlen nach den Plätzen zwei und eins.

Dass es knapp unter der 30-Grad-Marke eigentlich zu warm für den Lauf ist, macht den meisten wenig aus. "Es war ganz schön heiß, aber es ging", meint Marie Brand (LG Hohenlohe), die Siegerin des 3,5-Kilometer-Jugendlaufs. Lasse Wieland (HGÖ), acht Sekunden hinter ihr im Ziel, stimmt zu. "Anstrengend" sei es zwar gewesen, aber auch schön. Von der TG Forchtenberg ist die 13-köpfige Laufgruppe am Start, von acht bis 50 Jahren verteilt über alle Altersklassen. "Wir haben viele virtuelle Läufe gemacht", sagt Andreas Veinauer über die Lockdown-Zeit. "Froh" seien alle, jetzt wieder bei einem echten Wetttkampf starten zu dürfen. Carolin Helbig, Siegerin in ihrer Altersklasse WK20, ist am Ende mit etwas Understatement "ganz zufrieden".

Aus Stuttgart zum Stadtlauf

Aus Stuttgart sind Almut Kaiser (63), gebürtige Öhringerin, und ihr Mann Uwe (71) zum Stadtlauf gekommen, Platz eins und zwei in ihren Altersklassen sind der Lohn. "Das hat unheimlich Spaß gemacht", sagt sie. Vor Zuschauern zu laufen, sei etwas ganz Besonderes. "Ich sauge das auf, ich brauche das."

 Die Sieger

Die Sieger des Öhringer Stadtlaufs auf einen Blick:

  • Zehn-Kilometer-Lauf männlich: Florian Dinse (Tricon Schwäbisch Hall); weiblich: Julia Schneider (TV Talheim);

  • Fünf-Kilometer-Lauf männlich: Benjamin Kost (ETSV Lauda); weiblich: Lia-Luisa Markert;

  • 3,5-Kilometer-Jugendlauf männlich: Lasse Wieland (HGÖ); weiblich: Marie Brand (LG Hohenlohe);

  • 1,7-Kilometer-Kinderlauf männlich: Felix Pawlenka (Schillerschule); weiblich: Hannah Krcmar.

  • Meiste Teilnehmer: Schillerschule (168); Würth Elektronik.

 

 

Armin Rössler

Armin Rößler

Armin Rößler, geboren in Heilbronn, aufgewachsen in Untereisesheim, schreibt nach über dreißig Jahren im badischen Exil seit 1. Juli 2020 für die Hohenloher Zeitung.

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