Pressestelle des Landratsamts während Corona im Dauereinsatz

Hohenlohe  Ein Amt läuft auf Hochtouren. Sascha Sprenger war in der Pressestelle des Landratsamts während der Corona-Hochphase beinahe im Dauereinsatz.

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Immer im Einsatz: Sascha Sprenger ist medienerfahren und viel Trubel gewohnt. In den vergangenen Monaten herrschte vor allem in den Ämtern Ausnahmezustand.

Foto: Stefanie Jani

Journalisten sind stets auf der Suche nach guten Geschichten, die meistens das Leben selbst schreibt. Sascha Sprenger kommt aus der Medienbranche, arbeitet jedoch seit zwei Jahren in der Pressestelle im Landratsamt in Künzelsau. In der Corona-Hochphase, als Hohenlohe in nahezu allen Medien war, sitzt er auf der Seite der Behörden und erlebt eine besondere Zeit, wie er sich ein halbes Jahr später erinnert.

"Ende Februar gab es das erste Treffen in kleiner Runde mit ein paar Leuten, um zu besprechen, was zu tun ist, wenn der erste Fall auftritt", erinnert sich der Pressesprecher und ergänzt: "Das war ohne Maske, draußen waren noch Feste und man kannte nur ein paar Bilder aus Italien." Nachdenklich blickt er aus dem Fenster. Auf dem Tisch liegt ein Mundschutz mit dem Zeichen des Landratsamts, zwei Stockwerke weiter unten ist Einlass im Landratsamt nur mit Termin möglich, in der Hand eine Bescheinigung, ein Security-Mann überprüft wie beim Grenzübergang jeden Besucher. So ist das Leben nur wenige Monate später.

Am 5. März schließlich kam die Meldung, dass es den ersten positiven Fall in Hohenlohe gebe. "Ab da habe ich eigentlich nur noch ganz nüchtern nachgedacht, wie es Schritt für Schritt weitergeht", so Sprenger. "Es war ein Spagat, weil man gleichzeitig informieren musste und die Person schützen." In der Zeit habe er einen kurzen Draht zum Landrat gehabt.

Verstärkung aus anderen Abteilungen

Der Pfedelbacher erklärt: "Wir haben lieber zweimal überlegt. Als Behörde müssen wir klare Informationen geben, ohne Raum für Spekulationen." Als innerhalb eines Tages die Neuinfektionen um 76 nach oben schnellten, wusste niemand so recht, was passieren würde. Zeit für Angst oder Panik habe es nicht gegeben, betont Sprenger. "Wir sind mit zweieinhalb Stellen ein kleiner Laden und dann hatten wir an einem Tag zehn Anfragen." Jährlich liegt die Zahl der Presseanfragen bei rund 250. In dreieinhalb Monaten dieses Jahres lag die Zahl schon bei 200.

Mitarbeiter, die Erfahrung in der Pressearbeit hatten, wurden kurzzeitig versetzt. In der Hochphase habe man mit acht Köpfen gearbeitet. 24 Stunden erreichbar, sieben Tage in der Woche zu arbeiten, das zog sich über Monate. Innerhalb von zwei Tagen ist schließlich die Homepage entstanden, auf der es ausschließlich um Covid-19 geht, um die Bürger auf dem Laufenden zu halten. "Viel lief auch über YouTube. Unseren Kanal gab es zwar, aber wir haben ihn wiederbelebt", sagt der 44-Jährige. Seit März gibt es nun 60 Videos mit zahlreichen Informationen. Mit zum Teil 10 000 Klicks für einzelne Videos sprechen die Zahlen für den Erfolg. Auffallend sei, dass auch zunehmend Ältere die Kanäle nutzten.

Hohenlohe in der Tagesschau

Insgesamt sei die Arbeit mit der Presse sehr gut verlaufen. "Das Arbeiten war anders als sonst, es war noch mehr ein Miteinander, da wir alle das selbe Ziel hatten: die Bürger informieren", so Sprenger. Zumindest die meisten.

Plötzlich war Hohenlohe überall: in der Tagesschau, im Spiegel, in der Zeit und auf vielen Fernsehsendern und natürlich auch die Boulevardmedien stürzten sich auf den kleinsten Landkreis. "Manche haben die Dramatik genutzt und wollten Geschichten konstruieren", erinnert sich Sprenger, der als Kontaktperson der zweiten Kategorie zwischenzeitlich selbst in Quarantäne ging. Zeit zum Ausruhen gab es auch nicht, nachdem die Zahlen wieder nach unten gingen. Die Studie des Robert-Koch-Instituts hielt das Team auf Trab. Mittlerweile ist viel Routine geworden. Dennoch sei man auf einen größeren Ausbruch auch in Hohenlohe vorbereitet.

In dieser speziellen Zeit sei man auch als Behörde noch mehr zusammengewachsen, und habe nicht so gearbeitet, wie man es sonst aus dem Volksmund hört. Die Bereitschaft zur Mehrarbeit sei sehr groß gewesen. Auch wenn das Verhältnis schon vorher gut war, sagt Sprenger: "Wir sind jetzt ein richtig verschworener Haufen."


Stefanie Jani

Stefanie Jani

Autorin

Stefanie Jani schnupperte schon zu Schulzeiten in die journalistische Arbeit der Stimme. Nach dem Studium in Regensburg und verschiedenen Praktika kehrte sie zurück in die Heimat und ist seit 2011 Redakteurin in Hohenlohe.

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