Öhringer Verein African Lives unterstützt Menschen in Burundi

Öhringen  Die Corona-Krise trifft Burundi in einer politischen Krise. Der Präsident bezeichnet das Virus als Teufelswerk und ruft zum Beten auf. Der Öhringer Verein African Lives versucht, die Menschen aus der Ferne zu unterstützen.

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Die Vorsitzende des Öhringer Vereins African Lives Monica Perez-Olea (links) bei dem Besuch eines vom Verein unterstützten Pflegeheims in Bujumbura.

Foto: Felix Malz

Von manchen Ländern hört man zurzeit sehr viel, insbesondere darüber, wie sie mit der Corona-Pandemie und der daraus folgenden wirtschaftlichen und politischen Krise umgehen. Andere Länder sind in unserem Leben eher nicht so präsent. Dazu gehört Burundi. Ein kleines Land mitten im Herzen Afrikas, gerade einmal so groß wie Brandenburg, mit etwa elf Millionen Einwohnern. Und obwohl Burundi in den Nachrichten kein großes Thema ist, gibt es Hilfsorganisationen, die die Entwicklung des Landes ganz genau verfolgen.

Öhringer Verein unterstützt Hospiz und Pflegeheim

In Öhringen tut das der Verein African Lives. Besonders wegen der Corona-Pandemie machen sich Mitglieder und Unterstützer des Vereins immer mehr Sorgen um das Land und speziell um das Hospiz und Pflegeheim in Bujumbura, das sie unterstützen.

"Die Menschen in Burundi sind Opfer der politischen Verhältnisse und keiner kontrolliert, was passiert", sagt Monica Perez-Olea, Gründerin und Erste Vorsitzende des Vereins. Sie besuchte das Hospiz und Pflegeheim zum ersten Mal 2012 und war sofort von der Arbeit der Schwestern dort angetan: "Ich habe gedacht, die machen so ehrwürdige Arbeit, die muss ich einfach unterstützen", sagt die 50-Jährige.

Die alten Menschen im Heim, meist arm und krank, hätten sie damals sehr beeindruckt - ihre Lebensfreude, die Gemeinschaft, das Leben im Moment. Perez-Olea wollte ihnen helfen, in Würde zu leben und zu sterben.

In ganz Afrika gibt es nur 100 Beatmungsgeräte

Für ältere Menschen mit Vorerkrankungen ist die derzeitige Situation natürlich noch risikobehafteter. Bisher gibt es in Burundi offiziell 15 Corona-Fälle und einen Todesfall. Pro 10 000 Einwohnern gibt es nach Angaben des Vereins nur einen Arzt, in Deutschland sind es zum Vergleich 40. In ganz Afrika gebe es nur 100 Beatmungsgeräte.

Jedes Leben zählt

Perez-Olea erzählt, die Schwestern in Bujumbura hätten von sich aus das Hospiz verriegelt, Besucher dürften nicht mehr kommen. Vor Kurzem hat die Vereinsvorsitzende mit den Schwestern vor Ort gesprochen: "Ich habe erzählt, dass wir eine Kontaktbeschränkung haben und mich ein wenig beklagt, dass wir nicht mehr so viel rauskommen. Aber die Schwestern haben sich für uns gefreut! Sie haben gesagt: Bei euch zählt jedes einzelne Leben, der Staat steht hinter euch. Bei uns ist das nicht so."

Der fehlende Handlungswille der Regierung in Burundi hat nach Perez-Oleas Einschätzung durchaus etwas mit der politischen Krise in dem Land zu tun: "Am 20. Mai sind dort Wahlen. Während alle Länder rundherum Grenzen schließen, sagt der Präsident Burundis, dass das Virus ein Werk des Teufels sei und wenn alle beten, dann bleiben sie gesund."

Viele Burunder sind abergläubisch

Sehr viele Menschen in Burundi seien abergläubisch, es gebe keine Aufklärung zu Gesundheitsrisiken. Die Politik habe angeordnet, dass Tests negativ ausfallen sollen. Zudem gebe es eine relativ große Zahl von Burundern, die im Ausland lebten. Diese Diaspora könnte jetzt nicht zu den Wahlen zugelassen werden. "Die Regierung kann die Coronakrise als Argument nutzen, dass die Wahlkommission überfordert ist und daher die Briefwahl im Ausland nicht stemmen könnte", sagt die 50-jährige Vorsitzende von African Lives.

Spendenaktionen fallen aus

Wegen der Corona-Pandemie kann der Verein momentan nicht persönlich vor Ort helfen. Spendenaktionen in Hohenlohe fallen ebenfalls größtenteils aus, da sie oft an Veranstaltungen geknüpft sind.

Monica Perez-Olea hofft, dass Burundi die Auswirkungen der Coronakrise übersteht, nicht nur die gesundheitlichen, sondern auch die sozialen, wirtschaftlichen und politischen.


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Annika Heffter

Autorin

Annika Heffter arbeitet seit 2018 bei der Heilbronner Stimme und ist seit 2020 Redakteurin im Stadtkreisressort.

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