Neue Rettungswache in Neuenstein

Neuenstein  Der Arbeiter-Samariter-Bund betreibt eine neue Rettungswache im Neuensteiner Teilort Kirchensall. Der nun geschaffene Standort ist notwendig, weil ein Gutachten zuvor Defizite bei den Hilfsfristen festgestellt hatte.

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Sie sorgen seit Juni dafür, dass die Notfall-Versorgung im Landkreis besser wird (von links): die drei Ersthelfer Marcus Weber, Frank Schleweis und Frank Fossa.

Manch einem werden sie schon aufgefallen sein: die zwei gelben Rettungsfahrzeuge, die seit dem Sommer das gewohnte Rot-Weiß des Deutschen Roten Kreuz (DRK) ergänzen: Der Heilbronner Arbeiter-Samariter-Bund (ASB) hat im Juni eine neue Rettungswache in Kirchensall in Betrieb genommen.

Der Grund? Eine Notwendigkeit: Denn ein Gutachten hatte 2019 nachgewiesen, dass die sogenannten Hilfsfristen - die Zeit, bis im Notfall medizinische Rettungskräfte vor Ort sind, soll kraft Rettungsdienstgesetz maximal 15 Minuten betragen - im Nordosten und Südosten des Landkreises nicht erreicht wurden. Handlungsbedarf war also dringend geboten: Im Kreistag wurde Ende 2019 dann der Beschluss zur Schaffung der neuen Wache verkündet (wir berichteten).

Bessere Notfallversorgung ist das Ziel

Neue Rettungswache in Neuenstein

Blaulicht an und los! Bisweilen werden pro Schicht zehn Einsätze gefahren.

"Der ASB hat sich interessiert und letztlich den Zuschlag erhalten", berichtet Andreas Besteher, stellvertretender Rettungsdienstleiter des ASB in Heilbronn. Der Standort im Teilort Kirchensall sei ideal, um eine größtmögliche und effiziente Abdeckung zu gewährleisten: Insbesondere die Bereiche Neuenstein, Kupferzell und Waldenburg sowie der Gewerbepark Hohenlohe sollen besser versorgt werden.

Aber nicht nur: "Grundsätzlich wird im Hohenlohekreis das dem jeweiligen Einsatzort nächste verfügbare Fahrzeug geschickt." Und so kann es durchaus auch sein, dass die Neuensteiner ASB-Kräfte über den avisierten Radius von zehn Kilometern hinaus aktiv werden. "Kirchensall erscheint als idealer Standort, da so für fast 80 Prozent der Bevölkerung eine direkte Verbesserung durch die weiteren Fahrzeuge eintreten wird", zeigte sich Landrat Matthias Neth seinerzeit 2019 im Kreistag erfreut.

Stationiert sind nun in den insgesamt neun Containern in der Ortsmitte, die im Mai auf der zuvor als Parkplatz genutzten Fläche errichtet worden waren, Rettungswagen (RTW) sowie ein Notarzteinsatzfahrzeug (NEF): "Der RTW ist 24 Stunden an jedem Tag des Jahres einsatzbereit, der Notarzt ist täglich von 8 bis 20 Uhr verfügbar", berichtet ASB-Mann Andreas Besteher.

Containerbau ist nur Provisorium

Für den ASB ist es eine Premiere: Die Kirchensaller Rettungswache ist die erste, welche die Hilfs- und Wohlfahrtsorganisation mit Kölner Hauptsitz im Hohenlohekreis betreibt. Alarmiert werden die insgesamt vier Einsatzkräfte, die seit vier Monaten im Neuensteiner Teilörtchen Dienst tun, über die Integrierte Notfall-Leitstelle im Landkreis.

Neue Rettungswache in Neuenstein

Außen Container − innen fast wie im heimischen Wohnzimmer: Die Zeit zwischen den Alarmen verbringen die Notfallretter im Aufenthaltsraum.

Fotos: Christian Nick

Die Container, die den Rettern Aufenthaltsraum, Umkleide, Materiallager und Schlafgelegenheit bieten, sind indessen nur eine Zwischenlösung: Man suche perspektivisch eine Bleibe, wo dann ein dauerhafter Standort eingerichtet werden könne: "Geplant ist das als Interimswache, bis wir ein passendes Gebäude oder Baugrund gefunden haben", berichtet der leitende ASB-Mitarbeiter. Man gehe aber aktuell davon aus, dass dies noch zwei bis drei Jahre dauern werde.

Man suche aktiv und stehe im Dialog mit der Stadtverwaltung, "aber bis jetzt war noch nichts Passendes dabei". Beim Standort Kirchensall solle es voraussichtlich auch bleiben. Übertriebene Eile scheint auch nicht notwendig: Denn der ASB hat durchaus Erfahrung mit Container-Wachen: "Wir betreiben in Baden-Württemberg mittlerweile mehrere solcher Einrichtungen", berichtet Andreas Besteher.

Andere Rettungsdienste hätten ebenfalls schon Erfahrung mit derartigen baulichen Konzepten. "Für eine Interimslösung sind wir mehr als zufrieden", sagt auch Rettungsassistent Frank Schleweis, der mit seinen Kollegen in der Container-Wache Dienst tut. Und dafür, dass die Retter dort nicht dauernd sitzen müssen, ist gesorgt: Der Notarzt rückt im Schnitt dreimal täglich aus, der Rettungswagen vier- bis siebenmal.

 

Christian Nick

Christian Nick

Autor

Christian Nick ist Redakteur bei der Heilbronner Stimme/Hohenloher Zeitung. Schwerpunktmäßig betreut er die Kommunen Kupferzell, Neuenstein und Waldenburg – schreibt aber auch über alles andere gerne.

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