Markus Knobel ist Verwaltungschef aus Leidenschaft

Waldenburg  Mit dem Amtsinhaber Markus Knobel startet die Hohenloher Zeitung die Reihe der Porträts der drei Kandidaten zur Waldenburger Bürgermeisterwahl am 4. Oktober.

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Diese Aussicht will er auch in den kommenden acht Jahren einer möglichen dritten Amtszeit genießen: Markus Knobel an einem seiner Waldenburger Lieblingsplätze mit Premium-Panorama auf die Hohenloher Ebene.

Foto: Christian Nick

Es ist ein Arzt, dem Markus Knobel den Job als Bürgermeister letztlich zu verdanken hat. Zumindest eigentlich: Er ist 17 Jahre alt und macht eine Schreinerlehre in Hartheim am Rhein, 20 Kilometer von Freiburg entfernt, als die Worte des Mediziners seinen ersten eingeschlagenen Lebensweg zersägen - denn der Junge hat im zweiten Lehrjahr eine Allergie gegen Kiefernholz entwickelt. "Machen Sie beruflich was anderes", rät der Mediziner.

Umschulung? Wäre gegangen - aber nur für ein anderes Handwerk. Weder Markus Knobel noch seine Eltern können sich so recht entscheiden - also entscheidet sich der junge Mann halt wieder für die Schulbank, nachdem er das letzte Jahr der Lehre noch durchgezogen hat: Der Hauptschüler macht die Fachhochschulreife nach. Vor der langweiligen Arbeit in der Schreibstube der Bundeswehr rettet er sich schon zuvor per nachträglicher Wehrdienstverweigerung. Mehr Spaß macht der folgende Zivildienst beim Roten Kreuz in Müllheim: "Da habe ich gemerkt, dass es noch mehr gibt als die Schreinerei."

Jener Ehrgeiz, noch mehr zu wollen? "Der hat erst recht spät bei mir gezündet", sagt Knobel. Das Einzelkind wächst in einem "sehr guten Elternhaus" auf. Der Vater arbeitet bei einer Spedition, die Mutter verbringt ihr ganzes Berufsleben als Friseurin. Markus indes verbringt die Nachmittage oft bei den Großeltern. Die Werte, die ihm mitgegeben wurden? "Pünktlichkeit, Ehrlichkeit und Zuverlässigkeit." Als sein Großvater plötzlich stirbt, ist es ein schwerer Schlag für ihn. Da ist Markus neun Jahre alt.

Im Herzzentrum sein Herz für die Verwaltung entdeckt

Die eine Szene, die ihm bei Erinnerung an seine Kindheit in den Sinn kommt? In der sitzt er bei den Großeltern in der Küche. "Es gab immer leckeres Essen", sagt Knobel. Er ist ein ruhiges Kind. "Zurückhaltend." Vom Ehrgeiz ist damals noch keine Spur: Die Schule? "Man hat halt gemacht, was man musste." Party im Jugendraum ist dennoch drin. "Wir waren eine tolle Clique".

Dass er was kann - und können will: Das merkt er vor dem Studium. Aus dem Ferienjob in der Verwaltung des badischen Herzzentrums werden drei Jahre. Knobels Chef dort hat Öffentliche Verwaltung studiert. Und Markus Knobel kommt auf den Geschmack, will mehr - und lässt sich danach selbst an der Ludwigsburger Hochschule zum Fachmann für Verwaltung und Finanzen ausbilden. Danach ist er zwei Jahre Verwaltungsleiter bei der baden-württembergischen Filmakademie, organisiert interne Abläufe, den Auftritt nach außen - und sorgt dafür, dass die mitunter teuren Film-Requisiten adäquat versichert sind.

Er will die dritte Amtszeit

Verwaltung - eine tröge Tätigkeit? Nein, sagt Knobel. "Es ist jeden Tag was anderes, man kann Dinge bewegen und hat viel Kontakt mit Menschen." Das mache ihm noch heute jeden Tag aufs Neue Freude. Wieso es ihn damals überhaupt nach Hohenlohe - und in die Bergstadt - verschlagen hat? Nun, eine Rolle spielt sicherlich der mittlerweile entwickelte Ehrgeiz - aber auch seine heutige Frau: Die stammt nämlich aus der Nähe Mulfingens und hat ihren späteren Mann schon einige Monate vor dessen Kandidatur und Wahl im Jahr 2004 auf Spaziergängen die Schönheit Waldenburgs ans Herz gelegt.

Am Herzen liegt Knobel auch der Job - warum sollte er auch sonst unbedingt weitere acht Jahre Rathauschef bleiben wollen? "Es ist für mich der schönste Beruf. Meine Familie und ich wollen hier bleiben, und wenn ich die Themen sehe, die es noch abzuarbeiten gibt, wird mir nicht langweilig werden."

Nach Kritik nun positiver Blick nach vorn

Seine Bilanz nach 16 Jahren: Sie fällt durchaus unterschiedlich aus - je nachdem, wen man fragt. Knobel jedenfalls ist sich sicher: "Ich denke, in den 16 Jahren habe ich mit meiner Mannschaft gute Arbeit geleistet." Nach einem schwierigen Jahr 2019, mit Drei-Millionen-Euro-Rechenfehler im Haushalt und Vorwürfen in Sachen Personalführung, will Knobel "positiv nach vorne blicken".

Die großen Themen in einer möglichen weiteren Amtszeit sind für ihn eine erfolgreiche Stadtsanierung - und insbesondere die "Pflichtaufgaben", wie Wasser- und Abwasserversorgung, zukunftssicher zu gestalten. Um sich den Wiedereinzug ins Rathaus zu sichern, will er einen engagierten Wahlkampf führen: Mit Flyern, seiner Homepage und insgesamt elf Bürgergesprächen will Markus Knobel die Waldenburger erneut von sich überzeugen.

 


Christian Nick

Christian Nick

Autor

Christian Nick ist Redakteur bei der Heilbronner Stimme/Hohenloher Zeitung. Schwerpunktmäßig betreut er die Kommunen Kupferzell, Neuenstein und Waldenburg – schreibt aber auch über alles andere gerne.

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