Mai-Frost führt bei Hohenloher Wengertern teilweise zu Einbußen

Hohenlohe  Die Hauptlese soll in Hohenlohe in der nächsten Woche beginnen. Regional große Unterschiede gibt es bei den Frostschäden. Die Qualität der Trauben wird überwiegend als gut bewertet.

Von Juergen Koch
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Grund zur Freude über den diesjährigen Herbst hat Ferdinand Fröscher vom Rebenhof in Forchtenberg. Er blieb diesmal von Wetterkapriolen verschont.

Foto: Koch

"Kein Frost, kein Hagel, endlich haben wir mal Glück gehabt", sagt Ferdinand Fröscher vom gleichnamigen Rebenhof, während er unterhalb des Weilers Büschelhof "topgesunde" Bacchus-Trauben vom Rebstock schneidet.

Nach massiven Schäden in den Vorjahren durch Frost, Hagel und Starkregen freut er sich endlich mal "auf einen normalen, schönen Herbst". Wie viele seiner Hohenloher Kollegen hat auch er schon punktuell mit der Lese von Trauben für Traubensaft, Federweißer oder Sektgrundwein begonnen, will aber mit der Hauptlese ebenfalls erst "Mitte nächster Woche starten". Nicht ganz so gut stehen die Hohenloher Wengerter dar, denen der Eisheilige Pankratius im Mai eine frostige Breitseite verpasst hat. So müssen die Wengerter im Bereich Eschelbach, Kesselfeld, Michelbach und Steinbacher Tal mit teils massiven Einbußen rechnen.

Gesunde Trauben und moderate Mengen

Mit dem jüngsten Regen, den trockenen, sonnigen Tagen und den kühlen Nächten freut sich nicht nur Ferdinand Fröscher über ein "Wetter, das besser nicht sein könnte" und über ein gesundes Lesegut. Insbesondere die kühlen Nächte sorgen für gute Aromenausprägung. Fröscher freut sich aber auch, dass er nun nach drei Jahren Umstellungsphase als "zertifizierter Bio-Betrieb" endlich seinen "ersten Bio-Jahrgang" ernten kann.

"Das war gut für die Böden und auch beim Pflanzenschutz mussten wir in dem Jahr nicht mehr machen als die konventionell arbeitenden Betriebe", bringt er seine Erfahrungen auf den Punkt. "Sehr positive Qualitäten" bei "moderater Menge" und nur ein "bissle Frostschäden" vermeldet Susanne Schmezer vom Ingelfinger Weingut Gaufer und freut sich über einen "perfekten Herbst". Eine kleine Menge Müller-Thurgau für Federweißer haben die Schmezers als "stressfreien Testlauf" bereits gelesen, die Hauptlese ist für nächste Woche terminiert.

Randsorten werden zuerst gelesen

Mit der Lese von Acolon und Ortega, im Gesamtbetrieb eher Randsorten, wollen am kommenden Dienstag die Fürstenfass-Genossen von der Weinkellerei Hohenlohe in Adolzfurt den Herbststart einläuten. "Unsere Hauptsorten Riesling, Trollinger und Lemberger kommen deutlich später dran", sagt Vorstandsvorsitzender Reinhold Fritz. Qualitativ sehe es "gut" aus, bei der Menge rechnet er mit "30 Prozent weniger".

Bereits am letzten Freitag hat das Bio-Weingut Fürst Hohenlohe-Oehringen in Verrenberg mit der Lese von Acolon, Regent, Dornfelder sowie Spätburgunder, Samtrot und Schwarzriesling für Sektgrundwein begonnen. In der nächsten Woche sollen Muskateller, Kerner, Grauburgunder und Zweigelt folgen.

Frosteinbußen, aber gute Qualität

"Riesling, Lemberger, Cabernet und a bissle Trollinger hängen etwas länger", sagt Betriebsleiter Joachim Brand. Mit der Qualität ist er zufrieden, die erwartete Menge sei jedoch "katastrophal". Brand rechnet mit "40 Prozent Einbußen durch den Mai-Frost", der vor allem die Pachtflächen in Untersteinbach erwischt habe. Vereinzelt seien auch Wespen ein Problem.

"Mitte nächster Woche" will Karlheinz Ungerer vom Weingut Ungerer in Renzen mit den klassischen Frühsorten Acolon, Regent, Bacchus und Müller-Thurgau loslegen. Weil in Sachen Wetter "keine Gefahr im Verzug ist", hat er es nicht eilig. Bei der Menge rechnet er mit Frosteinbußen von "einem Drittel weniger", dafür sei die "Qualität gut bis sehr gut".

Von "maximal einem Durchschnittsertrag", das aber bei "Top-Qualitäten", geht Heinz J. Schwab vom Weingut Schwab in Dimbach aus, der "Mitte bis Ende nächster Woche mit der Hauptlese beginnen" will. Trauben für Saft hat er bereits gelesen. Seine Jahrgangs-Bilanz: "Trockenschäden, Frost, leichter Hagel, wir haben alles mitgemacht, was möglich ist".

Nun hoffen die Hohenloher Wengerter weiterhin auf stabiles Wetter. Während die meisten davon ausgehen, den Herbst Mitte Oktober im Keller zu haben, meint Joachim Brand vom fürstlichen Weingut, "dass bei uns am 5. Oktober keine Trauben mehr draußen hängen."


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