Letzter Aktionstag der Saison im Hohenloher Freilandmuseum

Schwäbisch Hall  Schusterpech und Glücksbringer: Rund 1300 Besucher kamen beim Aktionstag "Handwerker im Museum" in Wackershofen auf ihre Kosten.

Von Renate Väisänen
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Schuhmacher Florian Gesierich zeigt, wie ein handgemachter Schuh entsteht.

Kaum ein Parkplatz ist am späten Sonntagvormittag vor dem Museumsgelände noch zu finden. Kein Wunder: Der letzte Aktionstag der Saison im Freilandmuseum Wackershofen steht an, bevor es in einem Monat offiziell die Pforten schließt. Perfekte Bedingungen für einen gelungenen Aufenthalt im Museumsdorf liefert das kühle, aber freundliche Herbstwetter.

Perfekte Lichtverhältnisse vor dem Bauernhaus aus Zaisenhausen hat dank des Sonnenscheins auch Rainer Berroth bei seiner Arbeit. Die besteht daraus, in zahlreichen Arbeitsgängen Rechen aus Eschenholz herzustellen: "Die Herstellung von Rechen ist kein klassischer Handwerksberuf", erklärt er den Besucher. Die schauen ihm dabei über die Schulter, wie der Eschacher aus Eisenstäben die Streben für das Arbeitsgerät zum rechten Winkel verformt.

Altes Handwerk fasziniert

"Das Handwerk des Rechenmachers gehörte früher zu den Aufgaben des Wagners, wie mein Großvater einer war." An der Wand des historischen Bauernhauses hinter Berroths Werkbank lehnen schon die zahlreichen Rechen-Rohlinge aus seiner Werkstatt, die nur darauf warten, dass das Rechenhaupt mithilfe der Streben an den gespaltenen Teil des Rechenstiels angefügt wird.

In der Schmiede an der Scheune aus Bühlerzimmern wird noch das Feuer geschürt, während daneben Steinmetz und Bildhauer Thomas Schury aus Mainhardt mit Klüpfel, Fäustel und Scharriereisen schon dabei ist, aus einem Sandstein eine Buchstütze herauszuschälen.

Letzter Aktionstag der Saison im Freilandmuseum

Steinmetz Thomas Schury schält aus Heilbronner Sandstein eine Buchstütze.

Weniger brachial ist hingegen Goldschmiedin Tanja Bichler bei ihrem Handwerk zugange: Mit Hammer und Kugelpunze formt die Gschwenderin aus kreisförmig ausgesägten Silberplatten klitzekleine Schalen als Halterungen für ihren Perlenschmuck in der Scheune des Bauernhauses aus Elzhausen. Auf die Fertigung von aparten wie nützlichen Gegenständen aus Grünholz ist ihr unmittelbarer Nachbar Ben von Lohe spezialisiert. Kugelschreiber aus edlen Hölzern hat indessen Geigenbauer Michael Hatting, der seine Drechselbank mitgebracht hat, im Angebot.

Schornsteinfeger zum Anfassen

Auch Einblicke in die Herstellung von duftenden Seifen, fein geformter Keramik oder Skulpturen aus edlem Holz bekommen die Besucher trotz der andauernden Corona-Hygiene-Bestimmungen geboten. "Auf jeden Fall ist das heute eine abgespeckte Version des Handwerkstags", haben die langjährigen Gäste des Museumsdorfs, Heinz und Elke Herterich, bemerkt, die für einen Zwetschgen-Blootz am Imbissstand anstehen. "Trotzdem gefällt es uns hier heute richtig gut."

Lehrreich ist er für den interessierten Besucher auf alle Fälle. Gerade dabei, Nähzwirn durch Schusterpech zu ziehen, ist Florian Gesierich an seinem Arbeitsplatz unter dem großen Kastanienbaum neben dem Dorfladen. Der 24-Jährige fertigt, seit er seine Gesellenprüfung zum Schuhmacher abgelegt hat, Schuhe nach Maß. Mit dem sogenannten Pechdraht wird er gleich die dicken Ledersohlen mit einer Doppelnaht an den Schuhschaft befestigen.

Letzter Aktionstag der Saison im Freilandmuseum

Glücksbringer im Museumsdorf (von links): Im Kehranzug und mit Zylinder sind Mirko Laidig, Dominik und Petra von Kopp-Ostrowski begehrtes Motiv. Fotos: Renate Väisänen

Unübersehbar durch den traditionellen pechschwarzen Kehranzug und Zylinder ist ein gut gelauntes Dreiergespann auf dem Weg zum Imbissstand: Die Schornsteinfeger Mirko Laidig sowie Dominik und Petra von Kopp-Ostrowski sind heute begehrtes Fotomotiv bei den Besuchern. Gefragt sind die als traditionelle Glücksbringer geltenden Handwerker immer noch, doch hat sich ihr Arbeitsalltag verändert, wie Dominik von Kopp-Ostrowski berichtet: "Das Berufsbild hat sich komplett gewandelt. Heute geht es viel mehr um das Messen von Abgasen, als nur um das Auskehren."

Glücklich über die Begegnung mit den drei schwarzen Gesellen zeigen sich Johann und Karin Eichinger aus Neckarwestheim. "Das war eine Überraschung. Unser Kaminfeger kommt auch immer mit seiner Kluft und Zylinder. Und beim Nachbarn gibt es dann immer noch ein Schnäpsle für ihn", verrät Karin Eichinger zum Abschluss noch.

 

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