Landtagskandidaten debattieren mit Fridays for Future übers Klima

Öhringen  Was muss sich ändern in der lokalen Umweltpolitik? Die erste Digitalkonferenz dieser Art bundesweit hat Öhringens Klimaaktivist Mario Dietel mit der Sprecherin von Fridays for Future Deutschland moderiert.

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Die Bilanz des Pariser Klimaschutzabkommens vor fünf Jahren ist für die Aktivisten von Fridays for Future enttäuschend. Seit zwei Jahren kämpfen sie für die Umsetzung der weltweiten Ziele.

Das Team der Klimabewegung für den Hohenlohekreis, Hohenlohe for Future, veranstaltete dazu am Mittwochabend eine rege Diskussion mit fünf Hohenloher Kandidaten für die Landtagswahl: Catherine Kern (Grüne), Arnulf Freiherr von Eyb MdL (CDU), Patrick Wegener (SPD), Uwe Wirkner (FDP) und Simon Brecht (Linke). Gleichzeitig war es eine Möglichkeit für die Politiker, den Zuschauern sich und ihre Positionen zu Umweltfragen vorzustellen.

"Dass so spät noch über 70 Leute die Konferenz verfolgen, freut uns richtig", sagte Co-Moderatorin Carla Reemtsma über die Debatte zwischen 20 und 22 Uhr. Als Sprecherin von Fridays for Future Deutschland ist die 22-jährige Berlinerin bundesweit ein bekanntes Gesicht der jungen Umweltbewegung. Sie trat schon in TV-Shows wie "Hart aber fair" oder Maybrit Illner für die Klimaschutz-Forderungen der Protestbewegung auf.

Zusammen mit ihr führte Mario Dietel, Gründer der Fridays-for-Future-Gruppe Öhringen, die bunte Gesprächsrunde. "Die Digitaldebatte zum Klimaschutz mit den Landtagskandidaten ist die erste ihrer Art und auch Neuland in der Fridays-for-Future-Bewegung", betonte der 20-Jährige, der seit 2018 als Stadtrat der Grünen aktiv ist. Die Moderatoren freuten sich auch über zahlreiche Kommentare und Fragen aus dem Publikum.

(V.li.) Catherine Kern (Grüne), Uwe Wirkner (FDP), Simon Brecht (Linke), Patrick Wegener (SPD), Arnulf von Eyb (CDU), Carla Reemtsma (Fridays for Future Deutschland) und Mario Dietel (Hohenlohe for Future) bei der Online-Debatte.

Foto: Bigna Fink

Zukunft der Mobilität im Hohenlohekreis: B 19 oder Kochertalbahn?

Verkehrswende, Wirtschaftswende, Landwirtschaft und Energiewende: Große gesellschaftliche Veränderungen waren die Themen des Abends, die nicht nur aus Sicht der Umweltbewegung dringend notwendig sind, um die Erderhitzung auf unter 1,5 Grad zu halten. Dabei kamen aktuelle regionale Themen wie die Kochertalbahn, Flächennutzung, ökologische Landwirtschaft, Sonnen- und Windkraft sowie der mögliche Netzbooster in Kupferzell zur Sprache.

"Wie sieht die Mobilität der Zukunft in Hohenlohe aus?", fragte Carla Reemtsma in die Video-Konferenz. Catherine Kern von den Öhringer Grünen sprach sich klar für die Investition in die Kochertalbahn aus und betonte, den Ausbau der B 19 keinesfalls fördern zu wollen, in der "mehr oder weniger jeder alleine im Auto sitzend im Stau steht." Eine Erweiterung der Bundesstraße widerspreche einer solidarischen, umweltfreundlichen Gemeinschaft: Für 33 Prozent des CO2-Ausstoßes seien Kraftfahrzeuge verantwortlich.

Der CDU-Landtagsabgeordnete von Eyb kann sich den Verzicht auf das Auto auf dem Land nicht vorstellen: "Ich bin sehr für den Ausbau der Bahnstrecke, allerdings nur als Ergänzung zur B 19." Seit Jahren denke er über ein Pendlersystem nach, indem Menschen individuell und mit Wahrung der Sicherheit im Auto mitgenommen werden können. Patrick Wegener von der Öhringer SPD schwebt eine Mobilitäts-App wie in Wien vor, in der alle Möglichkeiten des Anschlusses aufgezeigt werden, vom Taxi, Bus, Zug übers Leihfahrrad und Carsharing-Angebot.

Nachhaltiger Wachstumswahn?

In puncto Wirtschaft sprach Moderator Dietel die wachsende Flächenbesiedlung im Kreis an wie neue Gewerbegebiete und ihre Auswirkungen auf das Klima. Die Politiker fragte er: "Ist der derzeitige Wachstumswahn nachhaltig?" Widerspruch von Öhringens FDP-Mann Uwe Wirkner: "Ich möchte nicht von Wahn sprechen." Ökologie und Ökonomie sollten zusammenspielen: Er träumt von Hohenloher Firmen, Startups, die Weltmarktführer in umweltfreundlichen Technologien werden.

Einen großen Beitrag zur Klimakrise steuere die industrielle Tierhaltung bei, leitete Dietel zum nächsten Thema über: "Wie wollen wir die Landwirtschaft so gestalten, dass sie vom Problem zur Lösung wird?"

Dass wir einiges bei der Landwirtschaft verändern müssen, fordert der Bretzfelder Simon Brecht, Kandidat der Linken. "Das Ziel ist eine ökologische und nachhaltige Bewirtschaftung, und die muss vom Land stark gefördert werden."

Einig waren sich die fünf Landtagskandidaten vor allem beim Thema Energiewende, die Menschen frühzeitig in die Entscheidungsprozesse mit einzubinden und ihnen den Sinn der Maßnahmen schmackhaft zu machen: sei es bei der Photovoltaikanlage auf dem eigenen Dach oder Windrädern oder einem Netzbooster in der Nachbarschaft.

Mahnwachen in Öhringen und Künzelsau

Für mehr Klimaschutz hat die Bewegung Hohenlohe for Future, in der rund 30 Menschen aktiv sind, neben der digitalen Klimadebatte Mahnwachen in den Kreisstädten organisiert. Am Donnerstagmorgen übergaben Aktive am Alten Rathaus in Künzelsau einen symbolischen Eiffelturm an Bürgermeister Neumann (Bericht folgt am Montag). Am Nachmittag fand dort eine Lichteraktion im kleinsten Kreis statt. Am Öhringer Marktplatz gab es die gleiche Aktion am Abend und am Samstag zwischen 11 und 13 Uhr macht hier die Gruppe mit einer Mahnwache auf die Einhaltung der Klimaschutzziele aufmerksam.

 

Bigna Fink

Bigna Fink

Volontärin

Bigna Fink volontierte von 2019 bis 2021 bei der Heilbronner Stimme. Seitdem ist sie als Redakteurin tätig - derzeit allerdings in Elternzeit.

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