Erste Critical-Mass-Ausfahrt in Öhringen

Öhringen  Jeden letzten Freitag im Monat treffen sich in ganz Deutschland Radfahrer zur Critical Mass. Nun auch erstmals in Öhringen. Am Samstag werden Unterschriften für ein klimaneutrale Stadt gesammelt.

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Radfahrer treffen sich zur Critical Mass in Öhringen. Foto: Tscherwitschke

Wie viele wohl kommen werden? Die Organisatoren um Helmut Kreb sind sehr gespannt. Es ist die erste Critical Mass in Öhringen. Und es gibt keinerlei Erfahrungswerte, wie viele Radfahrer am Freitagabend an die Kultura kommen werden, um mit einem Korso aus Zweirädern auf die Notwendigkeit für mehr Klimaschutz aufmerksam zu machen. Denn: "Man darf dafür ja keine Werbung machen", erklärt Helmut Kreb. Und Mitstreiterin Sabine Czaja fügt hinzu: "Deswegen gab es in anderen Städten schon Diskussionen."

Noch vor 17 Uhr atmen die Organisatoren auf: Die kritische Zahl von 16 Radfahrern ist erreicht. Und nun werden es ständig mehr Menschen, die mit Fahrradhelm um die Kurve biegen. Erst ab 16 Teilnehmern, erklärt Kreb, darf man im Verbund fahren. Vorher müsse jeder einzeln unterwegs sein. "Jetzt sind wir ein Bus", sagt Kreb mit einem Schmunzeln. Und tatsächlich hat die Menge die Länge von einem Gelenkbus.

Große Runde um die Stadt

Es sind deutlich über 30 Menschen, die ihr Rad über den Fußgängerweg schieben, um dann Richtung Schleifbachweg aufzubrechen. Von dort geht es hoch zum Kreisverkehr, dann Richtung Friedhof zurück, über Pfedelbacher Straße und Pfaffenmühlweg Richtung Cappel und über die Haller Straße zurück in die Innenstadt zum Marktplatz.

Dort sind Kreb und die Mitglieder vom Kernteam auch gleich am Samstag nochmal. Dann, um Unterschriften zu sammeln für ein Bürgerbegehren. Ziel ist, dass Öhringen bis 2035 klimaneutral wird.

Formulare und Flyer

Die Gruppe hat diesbezüglich auch schon Gespräche mit der Stadtverwaltung geführt. 50 Kommunen sind bereits zusammengeschlossen in der Bewegung German zero. Aalen, Freiburg, aber auch Heilbronn sind bereits dabei. Für das Bürgerbegehren, erklärt Kreb, werden 1300 Unterschriften gebraucht, das sind sieben Prozent der wahlberechtigten Öhringer.

Wird die Zahl erreicht, dann kommt das einer Aufforderung an den Gemeinderat gleich, ein Büro zu beauftragen, das untersucht, wie Öhringen klimaneutral werden kann. So ein Gutachten, schätzt Kreb, kostet um die 100 000 Euro. Sollte der Gemeinderat diesen Schritt nicht gehen, dann stünde als nächstes Instrument ein Bürgerentscheid zur Verfügung. "Den würden wir dann einleiten", signalisiert Kreb Durchhaltevermögen.

Viel Arbeit

Unterschriftenlisten, Homepage, Flyer - es ist viel Arbeit, die die rund 20 aktiven Menschen der Öhringer German-zero-Gruppe bereits getan haben. Und es steht noch viel Arbeit an. "Es ist alles sehr formell", hat Kreb erfahren. In Gesprächen auch mit dem Regierungspräsidium habe man sich abgestimmt, um keine Formfehler zu machen, die das Projekt gefährden könnten.

Wie Helmut Kreb dazu gekommen ist, sich in German zero zu engagieren? Mitauslöser war eine Radtour von Deutschland nach London. Völlig einfach seien sie per Rad bis zum Piccadilly Circus geradelt. Ohne Probleme. "Und das in so einer Metropole."

Gegen Hindernisse

Als er dann kurze Zeit später mehrfach große Hindernisse hatte auf dem Weg mit dem Rad zur Öhringer Stadtbücherei, da hat er beschlossen, sich dafür einzusetzen, dass die Radwege sicherer werden. Mehr Rad- statt Autoverkehr ist ein erster Schritt zu weniger Schadstoffbelastung in einer Stadt.

 


Yvonne Tscherwitschke

Yvonne Tscherwitschke

stv. Redaktionsleiterin Hohenloher Zeitung

Yvonne Tscherwitschke ist seit 1994 bei der Heilbronner Stimme. Als gebürtige Hohenloherin weiß sie, welche Geschichten die Hohenloher interessieren.

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