Das älteste Foto der Gemeinde Pfedelbach zeigt ein Wirtshaus-Ehepaar

Pfedelbach  Folge sieben der Serie Hohenloher Foto-Fossilien widmet sich dem ältesten Foto der Gemeinde Pfedelbach. Es stammt aus der Zeit um 1860 und zeigt den einstigen Adlerwirt und Dichter Johann Lehr mit Ehefrau Regine. Josef Kruck forschte 30 Jahre nach dem Bild.

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In der Zeit um 1860 ist das älteste Foto der Gemeinde Pfedelbach entstanden. Es lag einst einem der Gedichtbände "Lehriaden" bei und zeigt den einstigen Pfedelbacher Adlerwirt und Dichter Johann Lehr und seine Frau Regine.

Fotos: Bettina Hachenberg

Es ist ein besonderer Schatz, den Heimatforscher Josef Kruck (77) in der gläsernen Vitrine des Pfedelbacher Heimatmuseums aufbewahrt. Neben anderen historischen Raritäten liegt dort das älteste Foto aus der Gemeinde Pfedelbach. Das etwa neun auf 13 Zentimeter große Bild, das in guter Qualität erhalten ist, zeigt ein würdiges älteres Paar, das auf Korbstühlen neben einem Tisch mit Decke und Blumenvase Platz genommen hat.

Auf der um das Jahr 1860 entstandenen "Photographie" sind Johann Jacob Lehr, der einstige Wirt des Gasthauses "Adler" in der Kirchgasse in Pfedelbach, und seine Frau Regine zu sehen. Johann Lehr machte sich nicht nur einen Namen als Adlerwirt, er war auch ein Dichter. Mit Reimen, Gedichten, Versen und Anzeigen warb er im Öhringer Intelligenzblatt und im Hohenloher Boten für sein Gasthaus und für sich.

Geboren wurde Johann Jacob Lehr 1787 in Bad Rappenau. Die Liebe führte ihn wohl nach Pfedelbach. Hier heiratete er im Jahr 1812 Regine Johanna Katharine Benner. Die 22-Jährige war die Tochter von Georg Andreas Benner, zur Ruhe gesetzter Richter, Adlerwirt und Hofbeck zu Pfedelbach, und seiner Frau Katharina. 1859 zog Lehr mit seiner Frau nach Ludwigsburg. Sie starb dort im Jahr 1862, er folgte ihr 1864 im Alter von 77 Jahren nach.

"Photographie" im Gedichtband "Lehriaden"

Katze "Mohrle" hilft dem Zufall auf die Sprünge

Josef Kruck mit einem Original-Exemplar der "Lehriaden". Eine Kopie des Fotos des Adlerwirts und Dichters Johann Lehr und seiner Frau ist neben einem Foto des alten Gasthauses "Adler" auch auf der Schautafel (li. unten) im Heimatmuseum zu sehen.

Woher weiß man, dass das Foto aus der Zeit um 1860 stammt? Es lag dem Gedichtband "Lehriaden" bei. Diesen hatte Johann Lehr 1862 im Selbstverlag in Ludwigsburg sowie in Kommission beim Verlag des Hohenloher Boten in Öhringen zum Verkauf herausgegeben. Neben 100 seiner Gelegenheitsgedichte enthielt jeder Band ein Namensverzeichnis der Abonnenten und die besagte "Photographie". Das Namensverzeichnis am Ende des Bandes umfasste 344 Personen aus 50 Orten, unter anderem Bruchsal, Heidelberg, Heilbronn, Ludwigsburg, Bad Rappenau, Stuttgart, Tübingen, Öhringen und natürlich Pfedelbach.

Ein Original-Exemplar dieser "Lehriaden" liegt neben dem Foto in der Vitrine des Heimatmuseums im Pfedelbacher Marstallgebäude. Das graue Büchlein, dessen Seiten sich zum Teil schon gelöst haben, gelangte wesentlich früher als das Foto in die Hände von Heimatforscher Josef Kruck. Bei seinen Recherchen im Hohenloher Boten im Öhringer Stadtarchiv war Kruck Anfang der achtziger Jahre auf eine Anzeige für die "Lehriaden" gestoßen, in der auch stand, dass jedem Exemplar eine "Photographie" beiliegt.

Original-Exemplar im Briefkasten

Erhalten hatte er die "Lehriaden", die nun im Pfedelbacher Heimatmuseum zu sehen sind, von Ernst Desselberger, einem "alten Pfedelbacher", den Kruck 1983/84 in Bönnigheim besucht hatte. "Ich wollte ihn fragen, ob er noch alte Bilder von Pfedelbach hat." Desselberger schien auf ihn regelrecht gewartet zu haben, berichtet Kruck. "Ich habe schon alles hergerichtet. Ich warte schon seit Jahren drauf, dass hier jemand auftaucht", erklärte er ihm. Die Familie Desselberger betrieb bis 1902 in Pfedelbach ein Warengeschäft, bevor sie nach Bönnigheim zog. Die alten Fotos nahm Kruck gleich mit. "Der Gedichtband lag irgendwann bei mir im Briefkasten" - allerdings ohne das Foto vom Ehepaar Lehr: Das war verschollen.

Josef Kruck machte sich weiter auf die Suche nach dem alten Foto. 30 Jahre sollte diese insgesamt dauern. "Unzählige Schreiben an Archive und Anrufe in ganz Baden-Württemberg bei Namensvettern sowie das Sichten von Angebotslisten von Antiquariaten und Flohmarktbesuche" seien vergebens gewesen, erinnert er sich. Zwar stieß er noch auf zwei weitere Exemplare der "Lehriaden" - aber auch sie ohne die begehrte "Photographie".

Traum geht in Erfüllung

Schon hatte Kruck die Hoffnung aufgegeben, das Foto jemals zu finden. Dann kam ihm 2010 der Zufall in Gestalt seiner Katze zu Hilfe. Wieder einmal saß er am PC und durchforstete das Internet nach Johann Lehr. Er wollte gerade aufhören, da sprang ihm "Mohrle" auf den Schoss. "Und so habe ich halt noch ein bissle weiter im PC geguckt." Und plötzlich, so Kruck, sei er wie elektrisiert gewesen. Er sah neben dem Namen Johann Lehr den Hinweis auf das Foto in dem Archiv für gesellschaftsbezogene Familienforschung der Werner-Zeller-Stiftung in Leonberg. Das Archiv verwaltet auch den Nachlass von Wolfgang Cramer und seinem Vater Max Cramer, der im Hohenlohischen Ahnenforschung betrieb und so zu dem Bild von Adlerwirt Lehr aus Pfedelbach gekommen war. Kruck rief in Leonberg bei der Stiftung an. Bereits zwei Tage später, so Josef Kruck, sei er im Besitz des 30 Jahre lang gesuchten Fotos gewesen. "Für mich ging ein Traum in Erfüllung."


Bettina Hachenberg

Bettina Hachenberg

Autorin

Bettina Hachenberg ist seit Februar 1988 Redakteurin bei der Hohenloher Zeitung in ihrer Heimatstadt Öhringen.

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