In der Forchtenberger Hauptstraße ging es eng zu

Forchtenberg  Dieser Teil der Serie "Hohenloher Foto-Fossilien" widmet sich dem ältesten Foto der Stadt Forchtenberg. Es stammt vermutlich aus der Zeit um 1930 und zeigt die Hauptstraße mit Rathaus, Geschäften und Häusern von Landwirten.

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Das älteste Foto, das sich im Forchtenberger Rathaus auftreiben ließ, zeigt die Hauptstraße − vermutlich ungefähr im Jahr 1930. Foto: privat

"Früher war alles sehr eng, nicht so großzügig wie heute", erzählt Werner Beck, der in Forchtenberg historische Stadtführungen anbietet. Beim Blick auf das älteste Foto, das sich von Bürgermeister Michael Foss im Forchtenberger Rathaus auftreiben ließ, begeistert ihn vor allem, "was auf der kurzen Strecke alles untergebracht war": nämlich Rathaus, Bauern und mehrere Geschäfte, zudem gegenüber eine Wirtschaft. Und das, so betont Beck, obwohl "das Sträßle" damals "so eng" gewesen ist.

Wenig Veränderung zwischen 1910 und 1930

Unschlüssig sind sich die Quellen, ob das Bild von etwa 1910 oder doch von 1930 stammt - das rechts im Foto zu sehende Auto lässt allerdings eher auf den späteren Zeitpunkt schließen. Macht nichts, meint Beck: "Zwischen 1910 und 1930 hat sich da nichts geändert."

Das passierte nach seinen Worten erst 1945, als im Zweiten Weltkrieg auch Forchtenberg von Bomben getroffen wurde. "Dann war ein Teil weg", sagt Beck trocken. Glück im Unglück: Der überwiegende Teil der Bevölkerung hatte sich mit Hab und Gut im Gipsstollen in Sicherheit gebracht, in den zuvor die NSU ihre Rüstungsproduktion verlagert hatte. So waren durch die Bombenabwürfe nur zwei Tote im Ort zu beklagen, eine Krankenschwester und ein Soldat.

Das alles lag aber noch einige Jahre in der Zukunft, als das historische Foto entstanden ist. Es stammt übrigens aus den Beständen des Forchtenberger Sammlers Rolf Krämer und zeigt, am Ende der Hauptstraße auf der linken Straße, das Forchtenberger Rathaus, in dem 1921 die spätere Widerstandskämpferin Sophie Scholl geboren wurde.

In der Forchtenberger Hauptstraße ging es eng zu
So sieht es heute in der Forchtenberger Hauptstraße aus − nicht nur die Autos sind moderner als vor rund 90 Jahren. Foto: Armin Rößler

"Daneben ist mein Geburtshaus, das war früher ein Maurergeschäft", erzählt Werner Beck. Links davon folgt das Haus des Landwirts Gustav Kreß, der hier ebenso Kühe hielt wie zwei Häuser weiter Bauer Heinrich Kreß. Das erkennt man laut Beck am Misthaufen. "Nur reiche Bauern hatten einen Gaul", erläutert er.

Beschädigungen durch Bombenabwürfe

Zwischen den beiden Landwirten befindet sich auf dem Foto das Kolonialwarengeschäft Müller, wo auch Most- und Weinfässer hergestellt wurden (auf dem Foto gut zu sehen). Mit Kolonialwaren Pinger kommt links von Bauer Heinrich Kreß noch ein weiteres Kolonialwarengeschäft. Auf der gegenüberliegenden Straßenseite, am Schild zu erkennen, lag früher das Gasthaus "Zur Krone", heute findet sich dort eine Metzgerei.

Dieser Anblick blieb bis 1945 erhalten, als die Bombenabwürfe auf Forchtenberg das Gasthaus zerstörten ("die Krone war abgebrannt", so Beck), ebenso gegenüber einige Häuser ab dem Kolonialwarengeschäft Müller stadteinwärts. Werner Becks Geburtshaus dagegen kam glimpflich davon: "Nur das Dach wurde beschädigt", sagt er.

 


Armin Rössler

Armin Rößler

Armin Rößler, geboren in Heilbronn, aufgewachsen in Untereisesheim, schreibt nach über dreißig Jahren im badischen Exil seit 1. Juli 2020 für die Hohenloher Zeitung.

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