Hüpfender Nachwuchs im Öhringer Tiergehege

Öhringen  Im Februar ist ein neues Kängurukind auf die Welt gekommen. Nun ist die kleine Familie trotz des Todes des Vaters wieder zu viert.

Von Nadine Nowara
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Das kleine Kängurubaby hat noch keinen Namen. Im Februar hat es seinen ersten Blick in die Welt hinausgewagt. Aktuell verbringt es einen Teil der Zeit im Beutel, es springt aber auch schon im Freien herum.

Fotos: Nadine Nowara

Neugierig schaut das kleine Kängurukind aus dem Beutel seiner Mama Sally und lässt sich von dem menschlichen Besuch bewundern. Der Mama aber gefällt das gar nicht. Schnell hüpft sie auf ihren starken Hinterbeinen davon, bringt das Baby aus der Sicht. Kängurus sind sehr scheue Tiere.

Seit Februar hat das Tiergehege in Öhringen einen neues Kangurubaby. Die Bennett-Wallaby-Familie ist damit nun zu viert. Leider. Denn der Papa des jüngsten Kängurus ist vor kurzem gestorben. Die beiden größeren Geschwister des Babys, Garry und Murmel, sind schon selbstständig unterwegs. Das dritte Kind ist noch ohne Namen. "Die Kängurus wachsen 30 Tage in der Gebärmutter, dann rutschen sie selbständig in den Beutel", erklärt Tierpflegerin Anja Pachali. "Die erste Zeit im Beutel sind sie so klein wie eine Laus". Im Beutel bleiben sie neun Monate lang, bevor sie sich mit ihrem noch nackten Kopf ans Tageslicht wagen. Alle drei Babys von Sally haben sich jeweils im Februar nach draußen gewagt.

Lange und enge Mutter-Kind-Bindung

Hüpfender Nachwuchs im Tiergehege

Die Tierpflegerin Anja Pachali versucht, das Kängurumännchen Garry anzulocken. Das ist keine leichte Aufgabe, denn Kängurus sind sehr scheu.

Doch damit ist die enge Mutter-Kind-Bindung noch nicht zu Ende: Weitere acht Monate sind die Kleinen mal im Beutel, mal alleine unterwegs. Kurz nach dieser Phase sind sie auch bald selbst geschlechtsreif. Die Wallabys werden bis zu 90 Zentimeter groß und wiegen bis zu 15 Kilogramm.

"Eigentlich haben Kängurus kein ausgeprägtes Sozialverhalten", sagt Anja Pachali. Aber die Familie im Öhringer Tiergehege kommt prima miteinander aus. Meist verkriechen sie sich in die abgelegenen Ecken im Gehege und entspannen in der Sonne. Von Passanten halten sie sich lieber fern. Auch die Tierpflegerin hält Abstand. Und das, obwohl die Kängurus eigentlich ein kuschlig weiches Fell haben. Denn: "Kängurus sind Fluchttiere", erklärt die 35-Jährige. Auch wenn die Tiere gar nicht aggressiv sind, muss man sich vor den scharfen Zähnen und Krallen in Acht nehmen. Nur zu medizinischen Untersuchungen gibt es deshalb Körperkontakt.

Umstellung auf feste Nahrung

Der mutigste der Truppe ist Garry. Er wagt sich manchmal zu Esel Dieter. Die Rotnackenkängurus können sich frei durch das ganze Gehege bewegen. Sein kleines Geschwisterchen lässt sich lieber noch von Mama herumtragen, oder macht mit ihr ein Nickerchen unter dem Baum. Neben der Muttermilch frisst es schon Obst, Gemüse, Gras oder Trockenfutter. Die Kängurumutter hat ihre Milch schon umgestellt, von Baby- auf Kleinkindmilch, erklärt Anja Pachali.

Angepasst ans Klima

Das Geschlecht vom Nachwuchs ist noch unbekannt. Das muss der Tierarzt erst feststellen. Sollte das Baby ein Männchen sein, heißt es: ab zur Kastration. Denn in der Gruppe soll es nicht zu Inzest kommen. Kängurumänner haben markantere Gesichtszüge und eine andere Ohren- und Augenstellung als die Weibchen. Die Kängurus haben sich an den Hohenloher Winter gewöhnt. Auch ihren Tagesablauf haben sie angepasst: Wallabys sind eigentlich dämmerungsaktiv. Im Tiergehege ist aber nachts Stallruhe angesagt. Als Betthupferl gibt es Nüsschen.

 

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