Hohenloher Weindorf in diesem Jahr? Veranstalter hoffen auf ein Wunder

Öhringen  Die Macher des 25. Hohenloher Weindorfs sagen wegen der Corona-Krise den Termin am ersten Juli-Wochenende ab. Noch halten sie sich eine Option offen: Mitte Juli wollen sie über eine eventuelle Verschiebung entscheiden.

Von Juergen Koch
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Rund 30 000 Besucher zieht das fünftägige Hohenloher Weindorf in Öhringen alljährlich an. Wegen der Corona-Krise ist es noch offen, ob es in diesem Jahr stattfinden kann.

Foto: Juergen Koch

"Wunder gibt es immer wieder", hat Schlagersängerin Katja Ebstein 1970 gesungen. An Corona hat sie sicher nicht gedacht. "Manchmal geschehen noch kleine Wunder", sagt Öhringens Oberbürgermeister Thilo Michler 50 Jahre später und hofft auf ein solches, damit das 25. Hohenloher Jubiläums-Weindorf in Öhringen vielleicht doch noch in diesem Jahr stattfinden kann. Aber auch er weiß, "dass die Wahrscheinlichkeit gering ist".

Vielleicht nur verschoben, statt aufgehoben

In Absprache mit Eberhard Brand von der Weinkellerei Hohenlohe hat Michler am Freitag entschieden, dass der ursprünglich vorgesehene Termin (2. bis 6. Juli) abgesagt werden muss, weil nach aktuellem Stand Großveranstaltungen noch bis 31. August verboten sind.

Dennoch wollen sich die Verantwortlichen eine Option noch offenhalten: "Wir wollen Mitte bis Ende Juli über eine eventuelle Verschiebung in den Zeitraum zwischen Mitte September und Anfang Oktober entscheiden", so der Öhringer OB. Falls die Corona-Krise auch das nicht zulässt, soll das Jubiläums-Weindorf auf 2021 verschoben werden.

Auch wenn man sich einen Herbst-Termin "Stand heute nicht vorstellen kann, wäre es aus unserer Sicht falsch, jetzt schon alles abzusagen", sagt Thilo Michler. Da für die Organisation "fünf Wochen Vorlauf reichen, haben wir die endgültige Entscheidung erstmal vertagt", so Michler, "absagen können wir dann immer noch". Er betont aber auch, "dass die Gesundheit der Mitarbeiter und Besucher absolute Priorität hat und wir kein Risiko eingehen wollen".

Leicht gefallen ist den Weindorf-Veranstaltern die Entscheidung nicht, obwohl sie für alle Beteiligten "absolut okay" sei. "Jeder ist jetzt traurig, aber das bringt jetzt auch nichts", so Michler. Dennoch hat er für alle Wein-Freunde auch positive Nachrichten parat. "Noch steht die Verordnung aus, aber wir gehen davon aus, dass wir mit den gebotenen Abstandsregelungen ab 20. Mai die Hohenloher Scheune wieder öffnen können."

Nur minimale finanzielle Folgen

Finanziell hat die Absage beziehungsweise eventuelle Verschiebung des Weindorfs nur minimale Folgen, da der Druck der Weindorf-Broschüre und die Bestellung der Jubiläums-Gläser gestoppt werden konnten. Auch die Verträge mit Künstlern und Moderatoren sollen für den neuen Termin ihre Gültigkeit behalten. "Wir haben Zeit, noch etwas zu warten, ohne dass uns großartig Kosten entstehen", sagt auch Weindorf-Macher Eberhard Brand, obwohl er "aus heutiger Sicht" einen Herbsttermin "für unvorstellbar" hält.

Für den ans Weindorf gekoppelten Weißwein-Preis hat Brand bereits 32 Anmeldungen, aber "bei weitem nicht alle", erhalten. "Ein paar ganz Schnelle haben sogar schon Flaschen geschickt", sagt Joachim Brand vom fürstlichen Weingut in Verrenberg, in dessen Räumen der Wettbewerb erstmals stattfinden soll. Überrascht von der Absage der Weißweinpreis-Verkostung, die sie sehr bedauert, zeigt sich Jury-Mitglied Natalie Lumpp: "Ich habe damit gerechnet, dass das Weindorf verschoben wird, aber nicht die Verkostung, denn einige Verkostungen finden bereits wieder statt und sie lassen sich auch gut organisieren."

Eine Weindorf-Verschiebung in den Herbst hält sie für durchaus realistisch. Dabei setzt sie auf die hohe Disziplin der Menschen. "Ich denke mit etwas Mut lässt es sich bewerkstelligen", sagt sie, "wir gewöhnen uns alle an Mindestabstand, Mundschutz und andere Sicherheitsvorkehrungen."

Besonderes zum Jubiläums-Weindorf

Egal ob das fünftägige 25. Hohenloher Weindorf nun noch in diesem oder erst im nächsten Jahr stattfinden wird, für ihr Jubiläums-Weindorf haben die Veranstalter ein paar besondere Attraktionen geplant. So wurde für die Eröffnung am Donnerstag die Hohenloher Kultband Annâweech gebucht.

Moderiert wird die Eröffnung erstmals von der aus dem SWR bekannten Fernsehmoderatorin Sonja Faber-Schrecklein, die den Schwarzwälder Hansy Vogt ablösen wird. Mit auf der Bühne steht auch wieder die Weinjournalistin und Sommelière Natalie Lumpp aus Baden-Baden, die die Preise des Gastro- und Weißweinpreises überreichen wird.

Wie schon 2019 sitzt sie bei beiden Preisen in der Jury. Neu ist eine Sonderedition des Weindorf-Glases mit dem Aufdruck "25 Jahre Hohenloher Weindorf" in grüner Schrift und mit einer Auflage von 8000 Stück. Wer den Öhringer Weinschlüssel erhalten wird, soll bis zum Weindorf geheim bleiben.

Bereits fest steht, dass es gleich drei Preisträger geben soll. Nicht zuletzt gibt es auch eine Veränderung bei den Weindorf-Gastronomen. Den Zuschlag für die Nachfolge des Landhaus Rössle (Brettach), die sich aus privaten Gründen vom Weindorf zurückgezogen haben, erhielten die Weingüter Busch und Schwab.


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