Hohenloher SPD-Bundestagskandidat spricht aus der Quarantäne

Pfedelbach  Die SPD-Mitglieder aus dem Wahlkreis 268 Schwäbisch Hall - Hohenlohe schicken bei Nominierungsversammlung in der Pfedelbacher Nobelgusch den 27-jährigen Gymnasiallehrer Kevin Leiser aus Blaufelden im nächsten Jahr ins Rennen um einen Sitz im Bundestag.

Von Oliver Färber
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Kevin Leiser ist aus Blaufelden der Nominierungsversammlung zugeschaltet.

In Coronazeiten ist etliches ganz anders. So steht derzeit Kevin Leiser unter Quarantäne. Bei der Nominierungsveranstaltung der SPD am Samstag in Pfedelbach kann der Kandidat für die Bundestagswahl 2021 deshalb nicht in der Nobelgusch dabei sein. Er ist aus seiner Heimat Blaufelden zugeschaltet, als Rednerpult dient ihm ein Bügelbrett. Doch das alles bremst den Sozialdemokraten nicht. Weshalb ihn wohl auch 53 der 54 anwesenden Stimmberechtigen aus den Kreisverbänden Schwäbisch Hall und Hohenlohe zu ihrem Kandidaten um ein Mandat in Berlin im gemeinsamen Wahlkreis wählen.

Will dazu beitragen, die Welt ein Stück besser zu machen

Kraftvoll ist Leisers Rede. "Es gibt nichts Gutes, außer man tut es" - diese Motto bemüht er mehrmals. Er wolle dazu beitragen, die Welt ein Stück besser zu machen. "Wir können heute die Klimakrise stoppen", meint er, fügt hinzu, dass es auch möglich sei, die Schere zwischen Arm und Reich zu schließen und die Digitalisierung so zu gestalten, dass sie den Menschen diene. Er wisse aber nicht, ob das auch noch in 20 Jahren möglich sei. Er wolle dann nicht gefragt werden, ob er sich damals ausgeruht habe. "Ich war hier und ich habe gekämpft", solle seine Antwort sein. Dafür gibt"s Applaus von den Mitgliedern.

Handlungsbedarf auf vier Feldern

In vier Feldern sieht er Handlungsbedarf: beim Klima- und Artenschutz, der Digitalisierung, fairen Lebensbedingungen und -chancen sowie dem, was er einen "Upgrade der Demokratie" nennt. Ziele seien, die CO2-Steuer anzuheben, der Ausbau der erneuerbaren Energien - und dabei die Sozialkomponente zu stärken. Er fordert eine andere Vermögensverteilung in Deutschland. Die Schere zwischen Arm und Superreich gehe auseinander: "eine schreiende Ungerechtigkeit." Bei der Digitalisierung sieht er Missstände im Vorsprung der USA und China, findet, das Glasfasernetz gehöre in staatliche Hand und dass bei der Entwicklung die Bedürfnisse der Menschen im Mittelpunkt stünden. Nicht zuletzt stehe ein Umbau der Demokratie an. "Jeder erhält eine rote Karte, der sie stürzen will", stellt er klar. Trotzdem müsse sie sich wandeln, wenn man sie erhalten wolle. Dazu gehörten auch Volksentscheide auf Bundesebene.

Mit Ausdauer ins Rennen gehen

Hohenloher SPD-Bundestagskandidat spricht aus der Quarantäne

In der Nobelgusch Pfedelbach geben die Genossen ihre Stimmen ab.

Fotos: Färber

Er wisse, dass es nicht leicht sei, das politische Erbe des Crailsheimers Hermann Bachmaier anzutreten, der von 1983 bis 2005 für die Hohenloher SPD im Bundestag saß. Aber er wolle mit Ausdauer ins Rennen gehen. Mit den Worten "Vorwärts Genossen" schließt er. Es folgt frenetischer Applaus.

Bei der Aussprache sagen ihm alle ihre Unterstützung zu. Hermann-Josef Pelgrim, Haller OB und SPD-Fraktionsvorsitzender im Haller Kreistag, fragt; "Wo willst du hin auf dem Parteitag?" Er spielt damit auf den Platz auf der SPD-Landesliste bei der Bundestagswahl an, über die Leiser ein Mandat in Berlin erhalten könnte. Der gibt sich diplomatisch, wolle die Konstellation in Nord-Württemberg abwarten und sein Ziel, Abgeordneter zu werden, eventuell auch erst bei der nächsten Wahl angehen. "Zur Not könnte ich mir aber auch einen Angriff vorstellen", sagt er und erhält großen Beifall.

Ein waschechter Hohenloher

Kevin Leiser ist ein waschechter Hohenloher. Der 27-Jährige ist ledig und kinderlos und politisch sehr aktiv. In seiner Heimatgemeinde Blaufelden gehört er dem Gemeinderat an und ist dort dritter ehrenamtlicher Stellvertreter von Bürgermeisterin Petra Weber. Außerdem gehört er dem Schwäbisch Haller Kreistag an. SPD-Mitglied ist er bereits seit 2012. Beruflich unterrichtet er Mathematik, Politik und Wirtschaft am Albert-Schweitzer-Gymnasium in Crailsheim. Zu seiner Vita zählen auch zwei Semester Jura-Studium.

 

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