Historische Stadtmauern und ein malerisches Schloss prägen das Bild von Sindringen

Forchtenberg  In dem Forchtenberger Ortsteil zählt der Zusammenhalt unter den Bewohnern, das gilt auch für Neubürger. 1322 hat der Ort am Kocher die Stadtrechte erhalten. Weit über die Region hinaus ist Sindringen heute für seinen Töpfermarkt bekannt.

Von Renate Väisänen
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Renaissance-Schloss mit mittelalterlichem Bergfried: Der einstige Sitz der Herren von Sindringen sowie von Amtsleuten der von Hohenlohe ist heute in Privathand.

Bei grauem, nasskaltem Winterwetter zeigt sich der Forchtenberger Teilort am vergangenen Samstagvormittag der Besucherin, aber dafür alles andere als ausgestorben: Von hier und da hört man Baulärm, und einige Hundebesitzer sieht man bei ihrer morgendlichen Gassi-Runde. Vor dem Gasthof "Krone" liefert gerade das Postauto einige Pakete aus.

Neue Ware wird für den Restaurant- und Hotelbetrieb trotz Lockdown angeliefert. Das Leben geht für die Inhaberin trotz des kurz bevorstehenden Shutdown aufgrund der sich verschärfenden Corona-Pandemie weiter. "Ich muss mich, was die neuen Bestimmungen angeht, erst einmal auf den aktuellen Stand bringen", meint Angelika Walter-Hertweck. Ein paar Hotelgäste, die berufsbedingt in der Gegend seien, beherberge sie noch, berichtet die Hotelbetriebswirtin, die das Haus in dritter Generation leitet. "Ansonsten sind wir jetzt mittags und abends mit unserem Essensabholservice beschäftigt. Jedenfalls sind auf dem Land die Corona-Beschränkungen besser auszuhalten als in der Stadt", findet die 39-Jährige.

Weihnachtsbraten wird abgeholt

Viel Land, um sich Gänse und Enten zu halten, hat einer ihrer Nachbarn ein paar Häuser weiter in der Unteren Straße. Auf der Hofstelle von Markus Weißmann steht Anja Mock gerade hinter weiteren Kunden an, um bei dem Geflügellandwirt im Nebenerwerb ihre vorbestellten Schlacht-Enten abzuholen. Vor ihrer Bestellung hätte sie sich allerdings angeschaut, unter welchen Bedingungen die Tiere gehalten werden. Und danach die Haltung mit einem großen Auslauf für gut befunden, meint die Obersulmerin.

Sommergarten mit Blumen- und Gemüsebeeten

Und was schätzt der Hofbesitzer an seinem Heimatort? "Zwar gibt es in Sindringen weder Postamt noch Einkaufsmöglichkeiten mehr, aber dafür gibt es einen guten Zusammenhalt durch die Vereine", findet der Kochertäler. Und zeigt eine Besonderheit des Städtchens hinter seinem Haus. Hinter der Stadtmauer, die an seinen Hof grenzt, verbirgt sich der Sommergarten der Sindringer mit Blumen- und Gemüsebeeten.

"Hier gibt es mindestens 100 Parzellen. Aber nur rund die Hälfte wird noch bewirtschaftet", erzählt Markus Weißmann. Und noch eine Besonderheit gebe es in dem historischen Städtchen: Aufgrund des regelmäßig wiederkehrenden Hochwassers seien die Häuser hier nicht unterkellert worden. Dafür hätten die Bewohner jedoch früher für ihre Vorratshaltung einen Platz im Keller des Sindringer Schlosses gehabt, berichtet Weißmann.

Highland-Rinder und Puten

Historische Stadtmauern und ein malerisches Schloss prägen das Bild von Sindringen

Jochen Bauer mit Highländer-Bulle Freddie: 13 Exemplare dieser Rinderrasse hält der Bauer im Nebenerwerb.

Fotos:Väisänen

Von der Unteren Straße geht es jetzt in die Straße Am Kaibach, die an das Neubaugebiet des mittelalterlichen Städtchens grenzt. Hier ist Jochen Bauer gerade zugange, seinen fahrbaren Putenstall gründlich zu reinigen. Der Viehstall des zweiten Ortsvorstehers bildet mit der historischen Stadtmauer eine Einheit. Darin sind die schottischen Highland-Rinder des Landwirts im Nebenerwerb untergebracht.

Jetzt noch einen Schnappschuss von Jochen Bauer gemacht, wie er inmitten seiner behornten Tiere steht, dann geht es schon weiter in Richtung Schlossstraße. Auf dem Weg nach Hause ist gerade Neu-Sindringerin Angela von Ramin. Die 65-Jährige verrichtet ehrenamtlich Botengänge für die Kirche. Auch in anderen Vereinen engagiert sich Ramin. "Durch die Vereine wird man auch als Neuzugezogene in die Sindringer Gemeinschaft aufgenommen", weiß die ehemalige Heilbronnerin.

Lustige Steinfiguren auf Mauern und Hausdächern

Weiter geht es auf Suche nach einem malerischen Fotomotiv in die Gartenstraße, die an den rund zwei Kilometer langen Themenweg der Stadt, den Töpferpfad, angrenzt. Lustige, tönerne Steinfiguren sitzen hier auf Mauern oder Hausdächern. Doch überall, wo man hinschaut, stören parkende Autos das mittelalterlich geprägte Stadtbild. Sogar der Töpferbrunnen, um den - außer in Corona-Zeiten - alljährlich der beliebte Sindringer Töpfermarkt stattfindet, ist zugeparkt. Bleibt nur noch das imposante Schloss, einstiger Sitz der Herren von Sindringen, abzulichten.

Blick in die Geschichte

Der heutige Forchtenberger Stadtteil Sindringen wurde als "Sinderingon" 1037 erstmals erwähnt. Ab 1328 war der Ort im Besitz der Herren von Hohenlohe. Sechs Jahre zuvor hatte der Ort die Stadtrechte erhalten. Im 16. Jahrhundert fiel die Stadt an die katholische Linie der zu Hohenlohe. Das Ende von deren Herrschaft wurde infolge des "Kalenderstreits" von 1744 fünf Jahre später durch den Markgraf von Ansbach mit Hilfe des Militärs herbeigeführt.

Sindringen war ursprünglich durch den Weinbau geprägt. Im 17. und 18. Jahrhundert wurde dieser Broterwerb durch Acker- und Obstanbau ersetzt. Handwerk spielte in der Stadt eher eine untergeordnete Rolle, dafür gab es jedoch zwei Mühlen in der Stadt. 1972 schlossen sich die Städte Forchtenberg und Sindringen mit den Gemeinden Ernsbach, Muthof zur neuen Stadt Forchtenberg zusammen. Heute hat Sindringen rund 1000 Einwohner.

 

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