Hesselbronn ist viertes Bioenergiedorf im Hohenlohekreis

Kupferzell  Landwirtschaftsminister Peter Hauk und Landrat Matthias Neth hat am Mittwochmittag offiziell den Status als Bioenergiedorf verliehen. Der 107-Einwohner-Teilort von Kupferzell versorgt zwei Drittel seiner Haushalte mit selbst produzierter Energie.

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Energie beim Spaziergang (v.l.): Landrat Matthias Neth, Ministerium-Sprecherin Isabel Kling, Minister Peter Hauk, Landtagsabgeordneter Arnulf von Eyb und Rolf Stirn.

Aller guten Dinge sind drei? Irrtum. Aller guten Dinge sind - mindestens - vier. Denn nach Untermaßholderbach, Siebeneich und Füßbach wird nun bereits der vierte (Teil)-Ort im Kreis in die Liste der sogenannten Bioenergiedörfer aufgenommen - und seine 107 Einwohner offiziell zu Kämpfern gegen Klimawandel und für nachhaltige Ressourcen-Nutzung geadelt: Hesselbronn darf sich seit Mittwochmittag offiziell Bioenergiedorf nennen.

Damit ist der Hohenlohekreis bundesweit Spitzenreiter in der Statistik, wie Wolfgang Eißen, Leiter des Landwirtschaftsamts, in seiner Begrüßung vermelden konnte. Und wie passt dieser Status zur unlängst aus Kostengründen gestrichenen Stelle des eigentlich avisierten Kreis-Klimamanagers?

Eißen zur Hohenloher Zeitung: "Wir geben das Ziel nicht auf, die Stelle irgendwann schaffen zu können." Landrat Matthias Neth betonte in seinem Grußwort, er mache "lieber konkrete Projekte als konzeptionellen Überbau".

Viel Lob fürs Engagement

Apropos Bau: Dass Hesselbronn nun Bioenergiedorf ist und zwei Drittel seiner 32 Haushalte mit selbst erzeugter Wärme und Strom versorgt, wäre nicht möglich geworden ohne das Engagement der Bürger um Landwirtschaftsmeister Rolf Stirn und seine Mitgesellschafter. Denn sie haben 2011 die Biogasanlage als Grundlage des örtlichen Nahwärmeversorgungsnetzes gebaut. Durchaus gegen Widerstände - wie Stirn beim offiziellen Startschuss-Termin mit dem Landwirtschaftsminister in Erinnerung rief.

Peter Hauk lobte die "vorbildliche" Umsetzung der Kraft-Wärme-Kopplung in Hesselbronn und den "bemerkenswerten Einsatz" von Gesellschaftern und Einwohnern, welche Biogasanlage und Blockheizkraftwerk, in die insgesamt 2,3 Millionen Euro investiert worden sind, damals mit dem eigens gegründeten Unternehmen in Eigenregie errichtet hatten.

"Wer die Hesselbronner kennt, wundert sich nicht, dass sie so etwas hinbekommen", streichelte in der örtlichen Festscheune denn auch Landrat Neth die lokalpatriotische Seele der 107 Einwohner, von denen einige auch persönlich zur Eröffnung gekommen waren. Mit acht angeschlossen Haushalten ging es einst los, heute sind 21 Häuser und zwei Stallgebäude dabei.

Gleich zwei Bioenergiedörfer in einer Gemeinde

Minister Hauk erinnerte die Gäste an die "Schlüsselstelle" der Bioenergie bei der Substitution fossiler Brennstoffe durch erneuerbare Energien - und daran, dass im Ländle durch die Verwertung von Biomasse in Summe mehr Strom erzeugt werde als durch die Windenergie. Wenn die Energiewende gelingen solle, "müssen wir überall Energie erzeugen, wo wir können", so Hauk. Und auch er sparte nicht mit Lob für die Hesselbronner: "Wenn es alle so machen würden wie Sie hier, dann hätten wir in Deutschland keine Probleme."

Hesselbronn ist viertes Bioenergiedorf im Kreis
Ungetrübte Aussichten hoch oben auf dem Dach: Die Vertreter von Land, Landkreis, Kommune und Ort müssen zwei steile Treppen bewältigen, um sich für dieses Foto in Position zu bringen. Foto: Christian Nick

Nach den warmen Worten und der Energie fürs örtliche Selbstwertgefühl ging es dann einmal übers Gelände, wo Rolf Stirn den Besuchern noch weitere technische Details der Biogasanlage - eine von mittlerweile fünf auf Kupferzeller Territorium - erläuterte.

Und von wegen Gelände: "Es ist wohl einzigartig, dass es hier in Kupferzell jetzt gleich zwei Bioenergiedörfer in einer Gemeinde gibt", verlieh Kupferzells Bürgermeister Christoph Spieles seiner Freude Ausdruck. Da erscheint es nun glücklicherweise nur noch unwesentlich, dass die eigentlich bereits im Juni geplante Feier zur Verleihung des Bioenergiedorf-Status wegen Corona nicht hatte stattfinden können.

Langer Marsch in Richtung Selbstversorgung

Die Pandemie indes hat eines klar verdeutlicht: Autarkie und Eigenproduktion sind nicht von gestern - sondern Wesenskerne der Zukunft. Und so wird sich in Hohenlohe wie im Ländle wohl auch weiter der Trend fortsetzen, den Landwirtschaftsamts-Chef Wolfgang Eißen so verbalisiert: "Der Landwirt wird Energiewirt."

Anlage und Auszeichnung: Das Biogas für die Anlage wird durch Vergärung von Gülle, Mist und nachwachsenden Rohstoffen gewonnen. Ein Drittel der erzeugten Energie wird vor Ort verstromt, der Rest geht an die Haller Stadtwerke. Durch das örtliche Nahwärmenetz werden pro Jahr 130.000 Liter Heizöl eingespart. Die Auszeichnung "Bioenergiedorf" wird von der Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe (FNR) im Auftrag des Landwirtschaftsministeriums vergeben. 

 

Christian Nick

Christian Nick

Autor

Christian Nick ist Redakteur bei der Heilbronner Stimme/Hohenloher Zeitung. Schwerpunktmäßig betreut er die Kommunen Kupferzell, Neuenstein und Waldenburg – schreibt aber auch über alles andere gerne.

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