Fünf Jahre nach dem Brandanschlag von Pfedelbach sind die Geschehnisse noch immer präsent

Pfedelbach  Zu dem Brand einer Flüchtlingsunterkunft spricht Experte Timo Büchner über rechte Gewalt in Hohenlohe. Erinnerungen an die Brandnacht und die damalige Stimmung in der Region.

Email

Mit einer Lichterkette für Menschlichkeit setzten Ende November 2016 über 800 Menschen in Pfedelbach ein deutliches Zeichen.

Foto: Archiv/Tscherwitschke

Es sind schlimme Erinnerungen, die die Worte von Bürgermeister Torsten Kunkel bei den Anwesenden in der Nobelgusch wachrufen. Kunkel erinnert daran, wie er am 17. November um 3.30 Uhr von der Feuerwehr aus dem Bett geklingelt wurde. Daran, wie er vor dem brennenden Haus in der Pfedelbacher Kirchgasse stand. Und daran, wie er morgens um 4 Uhr im Rathaus Kaffee kochte, um mit Landrat Matthias Neth die Lage zu besprechen. "Kurz zuvor war das Haus als Flüchtlingsunterkunft Thema im Gemeinderat und es stand ein großer Bericht in der Hohenloher Zeitung. Und am nächsten Tag brennt das Gebäude", erinnert Kunkel an die Abfolge, die nicht nur ihn vermuten lässt, dass die Entscheidung der Gemeinde, dort Flüchtlinge unterzubringen, dem oder den Tätern nicht gefallen hat.

Druckfrische Broschüre "Die Täter sind unter uns"

"Die Täter sind unter uns" ist denn auch die druckfrische Broschüre überschrieben, die Timo Büchner an diesem Abend in der Nobelgusch vorstellt. Büchner ist exquisiter Kenner der Neonazi-Szene in Hohenlohe und Mitglied der "Recherchegruppe Nordwürttemberg". Weil er schon seit Jahren unerkannt in der Szene ermittelt, stellt er gleich zu Beginn des Abends klar, dass Fotos von ihm nicht veröffentlicht werden sollen. Büchner erinnert an die Stimmung, damals im Jahr 2016. Daran, wie Samstag für Samstag Mitglieder von "Hohenlohe wacht auf" in Öhringen demonstrierten.

Er erinnert an die "Ohnmacht der demokratischen Gesellschaft den lauten Hetzrednern gegenüber". Büchner sagt: "Ich erschrecke noch heute, wenn ich daran denke, wie schnell das ging, von den rassistischen Demos hin zu rassistisch motivierten Brandanschlägen." Nach der Flüchtlingsunterkunft in Pfedelbach brannte im Januar 2017 der geplante Neubau in Neuenstein. Hier wurden die beiden Täter gefasst und verurteilt - sie sind mittlerweile wieder auf freiem Fuß. Büchner: "Die Leute sind nicht weg. Die extreme Rechte kann jederzeit wieder mobilisieren."

Unterstützer in der Politik

Wie Bürgermeister Torsten Kunkel unterstützen auch die Landtagsabgeordnete Catherine Kern (Grüne) und Arnulf von Eyb (CDU) die Broschüre und beziehen darin mit einem Interview Stellung. Kern ergreift auch in Pfedelbach das Wort und rekurriert ebenfalls auf die damalige Stimmung in Hohenlohe - und darauf wie ihr Landtagswahlkampf von dem Thema beherrscht wurde. Und wie viel Kraft die Gegenaktionen kosteten. Eine der emotionalen Reaktionen hat gleich nach dem Brandanschlag der Pfedelbacher Klaus Mayer initiiert. "Er kam zu mir und sagte, da müssen wir etwas machen", erinnert Kunkel an die Lichterkette Ende November 2016, bei der über 800 Menschen eindrucksvoll Haltung zeigten.

Nach den kurzen Impulsen wird an den Stehtischen diskutiert: Wo werden aktuell rechte Umtriebe festgestellt? Welche Beziehung gibt es zwischen der Rechten und den Querdenkern?

Erinnerungen der Bürger

Und natürlich geht die Erinnerung ganz oft zurück in jenen November 2016. "Wir waren hinterher sehr sensibel, wenn Fremde durch unsere Straße gingen", berichtet Daniel Vogelmann. Seine damals hochschwangere Frau war in der Brandnacht allein daheim und hat den Feuerwehreinsatz hautnah miterlebt. "Da es oft heißt, die Täter kommen zurück an den Tatort, waren wir anschließend schon auf der Hut und haben die Leute angesprochen."

Anzeige wegen öffentlicher Verleumdung

"Um die Behauptungen Timo Büchners zu verfolgen, möchte ich zur Veranstaltung zugelassen werden, was mir vom sogenannten Rechercheteam nicht ermöglicht wurde", schrieb Heide Förnzler am Tag der Veranstaltung an verschiedene Stellen, auch an die HZ. Sie wolle verifizieren, was dort gesagt und wie über sie und "Hohenlohe wacht auf" berichtet werde. Zudem kündigte Förnzler an, Anzeige wegen öffentlicher Verleumdung zu stellen. Die Polizei bewachte die Halle.


Yvonne Tscherwitschke

Yvonne Tscherwitschke

stv. Redaktionsleiterin Hohenloher Zeitung

Yvonne Tscherwitschke ist seit 1994 bei der Heilbronner Stimme. Als gebürtige Hohenloherin weiß sie, welche Geschichten die Hohenloher interessieren.

Kommentar hinzufügen