Erste Kupferzeller werden auf Corona bei RKI-Studie untersucht

Kupferzell  152 Personen kann das Team vom Robert-Koch-Institut pro Tag in Kupferzell testen. Am Mittwoch haben die ersten Probanden Blut abgegeben und Fragen beantwortet.

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30 Minuten stehen die Blutproben, ehe sie in die Zentrifuge kommen. Dann wird das Serum gleichmäßig auf zwei Röhrchen verteilt und nach Berlin geschickt.

Für Dirk Vogel war es gar keine Frage: "Klar mache ich bei dem Test mit. Da musste ich gar nicht überlegen", erklärt der 50-jährige Kupferzeller, der als einer der ersten am Mittwoch vom Team des Robert-Koch-Instituts untersucht wird. Dirk Vogel gehört zu den 2000 Menschen, die anhand des Melderegisters von den Forschern aus den rund 6000 Kupferzellern ausgewählt wurden. Ihn gruselt es weder vor dem Blutabnehmen ("Ich habe keine Angst vor der Nadel, ich gehe regelmäßig Blutspenden"), noch vor dem Rachenabstrich ("Man putzt sich ja auch die Zähne").

Der Rachenabstrich, erklärt Projektleiterin Claudia Santos-Hövener, testet die Menschen auf das Coronavirus. Dieses Ergebnis ist innerhalb eines Tages verfügbar. "Wäre es positiv, würden die Menschen sofort Bescheid bekommen, um sich in Quarantäne zu begeben", erklärt sie den Ablauf.

Das Blut wird für den Antikörpertest gebraucht. Dieses Ergebnis soll in etwa vier Wochen vorliegen und darüber Auskunft geben, ob die getesteten Personen sich mit dem Virus infiziert hatten - möglicherweise, ohne es überhaupt bemerkt zu haben. Dirk Vogel ist sich ziemlich sicher, nicht krank gewesen zu sein. Er betritt nun den Bus, der eine fahrbare Praxis ist, durch den Hintereingang, und nimmt in Behandlungsraum 2 Platz. Annika Steiner hat keinerlei Mühe, ihm die notwendigen 8,5 Milliliter Blut abzunehmen. Überhaupt hat der anwesende Bereitschaftsarzt an diesem ersten Vormittag keine Arbeit. Seine Liege bleibt leer.

 

Eine weitere Mitarbeiterin des von Ute Pöplow do Rego organisierten Feldteams bringt das Röhrchen in die Carl-Julius-Weber-Halle. Dort hat Nicole Rintz ihren Arbeitsplatz mit Zentrifuge, Laptop und Kühlschrank. 30 Minuten, erklärt sie, müssen die Proben stehen, ehe sie für kurze Zeit in die Zentrifuge kommen. Dort wird das Blut in seine Einzelteile geschleudert. Das so gewonnene Serum teilt Nicole Rintz in zwei gleichmäßig gefüllte Röhrchen, die in den Kühlschrank kommen. Am nächsten Morgen werden die gesammelten Proben nach Berlin ins RKI gebracht und dort von zwei Abteilungen analysiert.

Testpersonen warten gespannt auf das Ergebnis

RKI-Studie zu Corona in Kupferzell beginnt. Warum die ersten Testpersonen dabei sind.

Nicht nur Dirk Vogel wartet gespannt auf das Ergebnis - auf sein eigenes, aber auch auf das der Studie. Er glaubt schon, dass ihn viele andere Kupferzeller darum beneiden, an der Testreihe teilnehmen zu dürfen. Dagegen war ein weiterer Kupferzeller, der nur Martin genannt werden möchte, erst gar nicht so erfreut von der Einladung. "Ich habe erst geschaut, ob es verpflichtend ist, da mitzumachen", sagt er. Als er dann aber gesehen habe, dass die Teilnahme freiwillig ist, habe die Bereitschaft zugenommen.

Der 44-Jährige gehört zu denen, die auf dem ersten Erhebungsbogen ankreuzen, nicht krank gewesen zu sein. Anders als Dirk Vogel, der in seinem direkten Umfeld erlebt hat, dass jemand an oder mit Corona gestorben ist, kennt Martin keine drastischen Verläufe.

 

Probanden werden nach Zufallsprinzip ausgewählt

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Nicole Rintz hat ihren Arbeitsplatz mit Zentrifuge in der Sporthalle.

Während Dirk Vogel angibt, Raucher zu sein, wird Martin auf gesunde Ernährung und regelmäßiges Joggen verweisen. Als sportlicher Mensch war er natürlich Skifahren, im Ötztal. "Dreimal diesen Winter", sagt Martin. Trotzdem hatte er weder Schnupfen, noch Fieber, noch einen kratzenden Hals. "Ich lasse regelmäßig mein Blut untersuchen", erklärt er. "Und wenn dann ein Mangel sichtbar wird, nehme ich Nahrungsergänzungsmittel." So machen es auch seine Kinder und seine Frau Regina (37), die kurz nach ihm aus dem Bus kommt. Erst dachte das Ehepaar, bewusst ausgewählt worden zu sein. Doch das Team habe ihnen versichert, dass es reiner Zufall war.

Bis nach 20 Uhr, sagt Claudia Santos-Hövener, vergibt das Forschungsteam täglich Termine. "Wir dürfen höchstens bis 21 Uhr arbeiten", erklärt die Projektleiterin. Dann geht es für alle ins Hotel "Krone" nach Eschental. In Eschental steht übrigens der zweite Bus. Dort sei es sehr schön und erholsam. "Auch wenn jetzt schon wieder die ersten Restaurantbesucher da sind." Und einige Geschäftsreisende, die wie die Berliner Forscher die Hotelbetten belegen.

 

 


Yvonne Tscherwitschke

Yvonne Tscherwitschke

stv. Redaktionsleiterin Hohenloher Zeitung

Yvonne Tscherwitschke ist seit 1994 bei der Heilbronner Stimme. Als gebürtige Hohenloherin weiß sie, welche Geschichten die Hohenloher interessieren.

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