Einsatz für misshandelte Wildtiere

BOLIVIEN  Pfedelbacherin Jennifer Messer ist seit einem Jahr im Regenwald und hilft in Auffangstation

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Leoncio ist ein männlicher Puma, der von Jennifer Messer betreut wird.

Tiere lagen Jennifer Messer seit frühester Kindheit am Herzen. Die Pfedelbacherin ist mit Haustieren groß geworden. "Ich habe auch sehr naturverbundene Großeltern, die sehr oft mit mir in die heimischen Wälder gegangen sind", erinnert sich die 27-Jährige. Und an Regentagen gab es Tierdokumentationen über Wildtiere.

Welche Rolle gerade diese Exoten heute in ihrem Leben spielen, hat damals noch kaum einer für möglich gehalten. Die 27-Jährige hat in Deutschland Politik und Recht studiert. Seit einem Jahr lebt sie in Bolivien, wo sie sich im Dschungel, genauer im Park Ambue Ari, der spezialisiert auf die Betreuung von Wildkatzen ist, um den Erhalt eines Wildtiergeheges kümmert.

Das Projekt hat das Mitglied im Hohenloher Tierschutzverein bereits 2013 als Freiwilligenarbeiterin kennengelernt. Schon vor sieben Jahren ist die Weltenbummlerin als Backpackerin durch Südamerika gereist und hat sich Tierschutzprojekten angeschlossen, darunter der Comunidad Inti Wara Yassi.

Ein eigenes Stück Dschungel für jedes Tier

Ziel im Umgang mit den Tieren sei es, ihnen ein artgerechtes Leben zu bieten. "Wenn möglich, versuchen wir diese auzuwildern, was aus verschiedenen Gründen mit den wenigsten möglich ist", bedauert die Pfedelbacherin. Die anderen Tiere haben große Gehege. Sie liegen weit entfernt voneinander, sodass ein Tier nicht mit dem anderen in Kontakt kommt. Im Grunde habe jedes Tier sein eigenes Stückchen Dschungel, welches es sich nur mit wilden Tieren teilt.

"Viele sind stark an Menschen gewöhnt und so können auch die meisten Wildkatzen spazieren geführt werden", so Messer, die seit Mai vergangenen Jahres in Bolivien ist. So könnten die Großkatzen ihr Territorium ablaufen, erschnüffeln und markieren. Wann sie heimkommt, ist noch nicht klar, aufgrund der Reisebeschränkungen konnte sie nicht fliegen. Heimweh plagt sie dennoch nicht. "Dafür habe ich wohl auch keine Zeit bei dem vollen Arbeitspensum von elf Stunden und sechs Arbeitstagen die Woche."

Die Verhältnisse seien einfach. Messer lebt in einer Gemeinschaft von Mitarbeitern und Freiwilligenarbeitern, ohne Warmwasser, ohne Strom. Die Häuschen sind einfach, mit Gemeinschaftsküche und Bad, Internet gibt es bedingt.

Von Jaguaren bis Affen

Als Administratorin im Park Ambue Ari hat die 27-Jährige die Finanzen im Blick, kauft ein und kümmert sich als Mädchen für alles darum, dass alles im Camp funktioniert. Natürlich hat sie auch Raum für ihre Leidenschaft, die Arbeit mit den Tieren. Von Jaguaren bis Affen werden alle von ihr betreut. Sie verbringt Zeit mit ihnen, bastelt ihnen Spielzeug aus Naturmaterialien oder liest ihnen vor.

Einsatz für misshandelte Wildtiere

Gassi gehen mit einem Ozelot? Für Jennifer Messer gehört der Spaziergang mit dem vierjährigen Kevo zum ganz normalen Tagesablauf.

Fotos: privat

Corona beeinflusst die Arbeit sehr stark, da diese wesentlich auf die Unterstützung von Freiwilligenarbeitern vor Ort aufbaut, die bei der Betreuung der Tiere helfen. Aktuell, in dieser Jahreszeit, seien es gewöhnlich zwischen 30 und 35 Freiwilligenarbeiter. "Aufgrund der Quarantäne und der damit verbundenen Einschränkung zu reisen, haben wir nur einen einzigen Freiwilligenarbeiter im Park Ambue Ari", erklärt Messer. Dies bedeute nicht nur ein Tief an Arbeitskräften, sondern auch einen Ausfall von Einnahmen, da die Freiwilligenarbeiter für ihren Aufenthalt bezahlen.

Die Pakete der Freiwilligenarbeiter machen in der Regel rund 80 Prozent der täglichen Einnahmen aus. Vor allem das sei der Grund, warum es die junge Frau gerade nicht nach Hause zieht. "Im Moment ist die Situation prekär und wir kämpfen täglich ums Überleben. Der Ausfall von Freiwilligen und Einnahmen trifft uns hart und wir greifen auf Reserven zurück." Sie ergänzt: "Nicht zu vergessen, dass die Feuersaison beginnt. Die Waldbrände müssen wir selbst bekämpfen. Mit diesen Gedanken kann ich mir derzeit nicht vorstellen, den Park zu verlassen."

 

Stefanie Jani

Stefanie Jani

Autorin

Stefanie Jani schnupperte schon zu Schulzeiten in die journalistische Arbeit der Stimme. Nach dem Studium in Regensburg und verschiedenen Praktika kehrte sie zurück in die Heimat und ist seit 2011 Redakteurin in Hohenlohe.

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