Eine Weinkönigin im Home Office

Pfedelbach  Tamara Elbl aus dem Pfedelbacher Teilort Untersteinbach ist württembergische Weinkönigin. Wegen der Corona-Krise kann sie keine traditionellen Termine wahrnehmen. Jetzt diskutiert der Weinbauverband, ob ihre Amtszeit verlängert werden soll.

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Wegen der Corona-Pandemie kann Weinkönigin Tamara Elbl zurzeit keine traditionellen Termine wahrnehmen. Dafür macht sie Online-Weinproben.

Foto: privat

Es ist ein ungewöhnliches Jahr, auch für Weinhoheiten. Kaum im Amt, fallen wegen der Corona-Krise die Termine aus. Doch wie kann eine Weinkönigin eine Weinregion repräsentieren und für deren edle Tropfen begeistern, wenn der persönliche Austausch fehlt?

Debatte um Verlängerung der Amtszeit

Im Moment steht Tamara Elbl aus dem Pfedelbacher Teilort Untersteinbach vor dieser Herausforderung. Sie ist die württembergische Weinkönigin. Weil viele Veranstaltungen wegen der Corona-Pandemie abgesagt werden mussten, wird nun diskutiert, ob Anfang Dezember eine neue Weinkönigin gewählt wird oder Elbls Amtszeit automatisch um ein Jahr verlängert werden sollte.

Die 22-jährige Weinkönigin würde sich jedenfalls freuen, wenn sich der württembergische Weinbauverband für eine Verlängerung ihrer Amtszeit entscheiden würde: "Für meine Weinprinzessinnen und mich wäre das schön. Wir sind ja erst seit Dezember im Amt und konnten noch gar nicht richtig durchstarten", sagt sie.

Mit Online-Weinproben regionale Weingüter unterstützen

Trotzdem versucht Elbl, das Beste aus der Situation zu machen. "Natürlich gibt es keine bessere Möglichkeit, die Menschen von unserem württembergischen Wein zu überzeugen, als gemeinsam darüber zu reden und ihn zu probieren", sagt die 22-Jährige. Ihre primäre Plattform sei der persönliche Kontakt, der nun wegen der Corona-Krise zumindest analog nicht möglich sei.

Aber die Not macht erfinderisch: "Es geht im Moment vieles über Social Media Kanäle. Ich versuche, regionale Betriebe zum Beispiel über Betriebs- und Wein-Vorstellungen oder Online-Weinproben zu unterstützen", erklärt Elbl. Einmal habe sie auf Abstand vor der Kamera durch ein Weingut geführt, andere Male habe es Wein-Tastings gegeben, bei denen man sich live zuschalten konnte.

Der wehmütige Blick in den Kalender

Schade sei es natürlich schon, dass die traditionellen Termine wegfielen. "Ich hatte mich schon auf vieles gefreut und schaue manchmal etwas wehmütig in den Kalender", bedauert Elbl. Von der Stallwächterparty in Berlin bis hin zum gemütlichen Weinfest auf einem Weingut - es sei die Vielfältigkeit der Termine, die das Amt eben so aufregend und besonders machten.

Auch der Pfedelbacher Bürgermeister Torsten Kunkel wünscht sich eine Verlängerung von Elbls Amtszeit. "Sie hat ja noch gar nichts von ihrer Zeit als Weinkönigin gehabt", erklärt Kunkel. "Für den Menschen ist dieses Amt eine ganz tolle Sache. Man kann so viel Erfahrung sammeln. Und Tamara Elbl ist eine sehr gute Repräsentantin des württembergischen Weins." Er habe aber die Hoffnung, dass der Weinbauverband die Verlängerung ermöglichen werde. "Man weiß ja auch gar nicht, ob solche Veranstaltungen bis Dezember überhaupt wieder stattfinden dürfen."

Württembergischer Weinbauverband will noch abwarten

Der württembergische Weinbauverband sieht das ähnlich. Da die Wahl erst im Winter stattfinde, könne man zum jetzigen Zeitpunkt noch nichts mit Sicherheit sagen. "Es ist schon alles bestellt, die Säle in der Harmonie sind gebucht, und das Programm steht", sagt Hermann Hohl, der Präsident des Weinbauverbands.

Diese Weingala noch abzusagen, sei daher schwierig. Dennoch müsse der Verband abwarten, wie sich die Lage entwickle und welche Vorgaben es im Dezember geben werde. "Außerdem entscheidet sich in den nächsten Tagen erst, ob die Wahlen zur deutschen Weinkönigin im September stattfinden", berichtet Hohl. Wenn Tamara Elbl schon dieses Jahr zur Wahl antreten könnte, sollte sie das nach Ansicht des Weinbauverbands auch tun. Dann wäre eine Neuwahl im Dezember wahrscheinlicher. Findet die Wahl zur deutschen Weinkönigin nicht statt, wäre eine Verlängerung ihrer Amtszeit wiederum sinnvoll.

Einmal Weinkönigin, immer Weinkönigin

Der Präsident des württembergischen Weinbauverbands ist sicher, dass Elbl auch 2021 noch einige Veranstaltungen begleiten könnte, selbst wenn sie nicht mehr amtierende Weinkönigin sein sollte. "Die Veranstalter werden bestimmt viel Verständnis zeigen und Möglichkeiten bieten, sie einzubinden", meint Hohl. "Ich sage immer: Einmal Weinkönigin, immer Weinkönigin."

Bei der Wahl zur deutschen Weinkönigin nehmen traditionell die Weinköniginnen von dreizehn deutschen Anbaugebieten teil, darunter auch die württembergische und badische Weinkönigin.

Der badische Weinbauverband hat beschlossen, dass die badische Weinkönigin Sina Erdrich wegen der Corona-Pandemie ein weiteres Jahr im Amt bleiben soll. Die für Juni geplante Neuwahl wurde komplett abgesagt. Erdrich wird so erst im nächsten Jahr an der Wahl zur deutschen Weinkönigin teilnehmen. In Württemberg steht die Entscheidung noch aus.


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Annika Heffter

Autorin

Annika Heffter arbeitet seit 2018 bei der Heilbronner Stimme und ist seit 2020 Redakteurin im Stadtkreisressort.

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