Der Blick von Öhringen nach Polen, Deutschland und Österreich

Öhringen  Unterschiedliche Betroffenheit in den Partnerstädten Öhringens. In Polen war ein Krankenhaus nur für Corona-Patienten reserviert.

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Wie gingen die Partnerstädte von Öhringen mit der Corona-Lage um? Ein Blick in den Osten Deutschlands ins sächsische Großenhain, ins österreichische Treffen und nach Polen.

Die Pandemie hat natürlich auch Kedzierzyn-Kozle getroffen. Stadtpräsidentin Sabine Nowosielska berichtet, dass es einige Infektionen auch unter den Beschäftigten im Rathaus gegeben habe. Mittlerweile seien aber alle Kollegen wieder zurück bei der Arbeit. Der Gemeinderat aber tagt weiterhin nur online. Anders als in Hohenlohe war das lokale Krankenhaus dort drei Monate nur für Corona-Kranke geöffnet.

Veranstaltungen weiterhin unter Auflagen

Der Blick auf die Sport- und Kulturstätten dagegen zeigt ein ähnliches Bild wie hier: Auch in Polen waren diese Hallen und Begegnungsstätten komplett geschlossen. Langsam, so Nowosielska, öffnen sie wieder. "Auch städtische Veranstaltungen finden langsam wieder unter Auflagen statt", sagt die Stadtpräsidentin. Die Schulen allerdings sind immer noch geschlossen. Nach den Sommerferien im September hoffen Eltern, Schüler und Lehrer auf eine Schulöffnung mit einem entsprechenden Hygienekonzept.

Die Kindergärten sind seit Mitte Mai wieder teilweise geöffnet, ebenfalls unter Einhaltung der Hygieneregeln. Die Geschäfte waren unter Auflagen der Regierung geöffnet. Für einige Zeit waren aber die Parks geschlossen und sogar Wälder durften nicht betreten werden. Spielplätze und Fitnessstudios waren ebenfalls zu. "Zum Glück können wir diese Freizeitstätten wieder nutzen", sagt die Stadtpräsidentin.

Die Vorsicht ist noch immer groß: Die öffentlichen Verkehrsmittel dürfen nur zu 50 Prozent ausgelastet sein. Das Parken in der Innenstadt hat die Stadt kostenfrei gemacht, damit die "Parkomaty", also die Parkscheinautomaten, nicht als Infektionsquelle für den Coronavirus dienen.

Spezielle Geräte

Die Stadtverwaltung hat 100 Tage lang Berichte zur aktuellen Lage veröffentlicht. Es gab eine spezielle Mailadresse, über die Bürger ihre Anfragen stellen konnten. Für das Krankenhaus hat die polnische Partnerstadt spezielle Geräte gekauft und die Schüler mit Laptops versorgt. Für die Senioren gab es eine spezielle Hotline, über die von Hilfe angefordert werden konnte, die von Freiwilligen geleistet wurden.

Auch in Polen hat die lokale Wirtschaft harte Verluste hinnehmen müssen. Die Verwaltung gewährt Steuerstundung und rechnet mit geringeren Gewerbesteuereinnahmen. "Wir arbeiten auf Hochtouren und werden in Zukunft mit aller Kraft alles für die Sicherheit unserer Stadt und der Bürger tun", versichert Nowosielska. Die Versorgung sei stets gesichert, damit alle während der Pandemie so sicher wie möglich leben können. Sie hofft, dass schnell wieder Normalität einkehrt.

Niedrige Quote

"Glücklicherweise sind die Infektionszahlen in Großenhain mit knapp über 20 positiv getesteten und wieder genesenen Personen sehr niedrig", erklärt Sven Mißbach, Oberbürgermeister der Öhringer Partnerstadt in Sachsen. Er sorgt sich, dass die Zahlen sich schnell ändern könnten, wenn die Achtsamkeit der Sorglosigkeit weiche. Vor allem für die Gewerbetreibenden, Gastronomen, Kunst- und Kulturschaffenden seien die die letzten Wochen und Monate enorm schwer gewesen. Umsätze seien dramatisch eingebrochen, Kunden ausgeblieben, viele Feste und Veranstaltungen mussten in Großenhain abgesagt werden.

Aktuell versuche die Stadt daher im Rahmen ihrer Möglichkeiten die Gewerbetreibenden zu unterstützen und kleinere Veranstaltungen wie den Großenhainer Jugend- und Kultur-Sommer, unter Einhaltung der erforderlichen Regeln, durchzuführen. "2020 ist ein Jahr großer Herausforderungen", sagt Mißbach, der mit Blick auf Herbst und Winter meint: "Keiner kann vorhersagen, ob die Situation besser oder wieder kritischer wird". Vieles hänge davon ab, wie verantwortungsbewusst jeder einzelne mit dieser Situation umgehe.

Keine Angabe aus Treffen

Wie es der österreichischen Partnerstadt Treffen am Ossiacher See während der Corona-Pandemie bislang ergangen ist, das konnte die Öhringer Stadtverwaltung jetzt in den Sommerferien von dort nicht in Erfahrung bringen.


Yvonne Tscherwitschke

Yvonne Tscherwitschke

stv. Redaktionsleiterin Hohenloher Zeitung

Yvonne Tscherwitschke ist seit 1994 bei der Heilbronner Stimme. Als gebürtige Hohenloherin weiß sie, welche Geschichten die Hohenloher interessieren.

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