Das Milchhäusle, der Treffpunkt für Dorfbewohner

Zweiflingen  Das älteste Foto im Zweiflinger Rathaus zeigt das Milchhäuschen, wo einst rund 20 Bauern ihre Milch abgegeben haben. Eine Person konnte sogar noch identifiziert werden.

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Die Wartezeit vor dem Milchhäusle verbrachte man mit dem Austausch der neuesten Geschichten. Eine der Frauen davon ist Gretel.

Foto: privat

Das älteste Foto, das im Zweiflinger Rathauskeller zu finden ist, reicht gar nicht so weit zurück und stammt dennoch aus einer ganz anderen Zeit, als in Zweiflingen Kühe in der Landwirtschaft noch eine große Rolle spielte: Es zeigt das Milchhäusle in der Nachkriegszeit.

"Aus den 1950ern, das ist unter dem Bild zu lesen. Das Foto ist demnach nicht lange nach der Entstehung des Häuschens entstanden. Wie aus den Unterlagen im Rathaus hervorgeht, ist es 1949 gebaut worden. "Wohin die Milch vorher geliefert wurde?" Gerda Bohnet denkt nach. Es habe wohl ein zweites Häuschen gegeben, überlegt die Zweiflingerin, die 46 Jahre im Rathaus gearbeitet hat und sich bestens auskennt.

Bild wurde in Wackershofen verwahrt

Über den Fotografen ist nichts bekannt. "Eine Studentin oder Praktikantin aus Wackershofen ließ der Stadt das Bild zukommen", erinnert sich Bohnet. Kinder, Frauen und Männer sind auf der Aufnahme zu sehen. Mehr als zehn Holzkarren scharen sich um das Haus. Die Frauen sehen in ihren Röcken und mit dem Dutt beinahe gleich aus. Einige wenige sind zu erkennen, wie etwa die damals etwa 15 oder 16-jährige Margarete, die die Einheimischen nur als "Gretel" Löchner kennen. Für sie war der Gang zum Milchhäusle morgendliche Routine. Zwei Kannen mit Milch zog sie in ihrem "Kärrele" nach unten. Erst morgens melken, dann auf dem Weg zur Schule um halb sieben noch die Milch wegfahren. Mit ihrem drei Jahre älteren Bruder habe sie um die Wette gemolken. Bei dem, bei dem es geschäumt hat, der hatte Kraft, erinnert sie sich heute. In der Nachkriegszeit hatte nahezu jeder Hof Kühe.

Gerda Bohnet bekommt fast alle Namen der Höfe zusammen. 20 dürften es gewesen sein. Sie sagt: "Wenn einer bloß zwei Kühe hatte, wurde die Milch ans Michhäulse gebracht, abgeholt und in der Neuensteiner Molkerei weiterverarbeitet."Und weil eben jeder seine Milch dorthin brachte, war das Gebäude vor allem ein Treffpunkt. Die Kinder fuhren Schlitten "als es noch Winter gab", erinnert sich Löchner.

"Wir sind von oben hoch gelaufen, dazwischen war der Kaufladen und mein Opa hat sich immer ein Bier geholt", erinnert sich Bohnet. Jeder beteiligte sich, die zum Teil mit 20 Liter gefüllten Kannen an ihren Platz zu bringen. Ob Gretel Löchner es gern gemacht hat? Die Ur-Zweiflingerin zuckt mit den Schultern und sagt: "Darüber habe ich mir noch nie Gedanken gemacht." Mit 15 oder 16 Jahren, als die Schule vorbei war, half man damals auf dem Hof.

Milchhäusle dient heute als Garage

Später stellten viele auf Schweinehaltung um, doch auch das lohnte sich gerade für viele kleine Höfe nicht. Ab den 1970ern ist die Milch auf dem Hof abgeholt worden, so Bohnet. Heute hat sich das Milchhäusle einmal um sich selbst gedreht. Der neue Besitzer drehte den Giebel herum, um besser hineinfahren zu können. Heute ist es Garage.


Stefanie Jani

Stefanie Jani

Autorin

Stefanie Jani schnupperte schon zu Schulzeiten in die journalistische Arbeit der Stimme. Nach dem Studium in Regensburg und verschiedenen Praktika kehrte sie zurück in die Heimat und ist seit 2011 Redakteurin in Hohenlohe.

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