Daniel Vogelmann will für ein soziales Miteinander kämpfen

Waldenburg  Der Herausforderer von Amtsinhaber Markus Knobel kandidiert bei der Wahl am 4. Oktober als Waldenburger Bürgermeister.

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Rein mit dem Ding: Seine offizielle Bewerbung für den zweiten Anlauf der Waldenburger Wahl hat Daniel Vogelmann Ende August eingeworfen, die Kandidatur indes schon weit früher öffentlich erklärt.

Foto: privat

In seinem Beruf als strategischer Einkäufer bei der Deutschen Bahn setzt er nicht nur sprichwörtlich Projekte auf die Schiene - und auch jetzt ist für den 35-Jährigen klar, wohin der Zug rollen soll: Er will Waldenburgs neuer Bürgermeister werden.

Die Reise beginnt für Daniel Vogelmann in Öhringen. Dort wird er geboren, wächst in Obersulm auf. Einzelkind. "Es hat wohl nach mir gereicht", scherzt Vogelmann. Er ist aufgeweckt als Kind, aber nicht aufsässig als Jugendlicher. "Ich war relativ angepasst." Von Partys mit hartem Sprit im zarten Alter kann er dennoch berichten.

Wertschätzung fürs Leben und die Menschen

Daniel geht gern zur Schule - und mit der Mittleren Reife von ihr ab. Macht erst beim Landratsamt Hohenlohekreis eine Ausbildung zum Bauzeichner, dann Zivildienst in der Neurologie der Weinsberger Psychiatrie. Dort erlebt er Familientragödien und den Krebstod junger Menschen. "Man lernt, das Leben wertzuschätzen."

Geschätzt indes werden auch seine Fähigkeiten schnell: Schon als 21-Jähriger wird Vogelmann - eigentlich als Bauzeichner eingestellt - zum Projektleiter auf Baustellen. Der Jungspund muss dort alte Handwerker-Haudegen überzeugen. "Eine harte Schule."

Später verantwortet er - ebenfalls in leitender Position - dann die Installation von großen Lichtwerbe-Anlagen, ist für eine Möckmühler Fassadenbau-Firma tätig, bildet sich auf der Abendschule zum Technischen Fach- und Betriebswirt weiter.

Keine Angst vor Verantwortung

2013 dann der Wechsel zur Bahn. "Vom Budget von Stuttgart 21 habe ich einige Millionen ausgegeben", schmunzelt Vogelmann, der Bauleistungen einkauft für Bahnstrecken und Haltepunkte in ganz Baden-Württemberg.

Vogelmann hat offenkundig keine Angst vor Verantwortung. Und so übernimmt er, der seit Kindheit bei den Willsbacher Chorfreunden singt, in einer Krise des Vereins für ganze elf Jahre den Vorsitz der Sängerschaft. Das ist im Jahr 2009. Da hat sich neben dem Singen schon lange das zweite große S in Vogelmanns Leben geschlichen: 2005 tritt der "Schröder-Befürworter" in die SPD ein.

Dessen "Pragmatismus" bewundert Vogelmann - und fusioniert getreu dieser Devise später, mittlerweile von Öhringen nach Pfedelbach ins "sozialdemokratische Niemandsland" gezogen, die Bretzfelder und Pfedelbacher Sozialdemokraten, denen er seit 2017 vorsteht. Mittlerweile ist der Mann mit der Meister-Proper-Frisur nun auch stellvertretender SPD-Kreisvorsitzender.

An kommunalpolitischer Erfahrung mangelt es Vogelmann demzufolge nicht - aber warum denn trotzdem der Wunsch nach dem Wechsel vom Ehrenamt in den Hauptberuf? "Ich bin ja nun schon lange in der Politik und will einfach was für die Leute tun."

Und warum gerade in Waldenburg? Schon als Kind sei er oft dagewesen, habe im Neumühlsee geplanscht. "Ich habe die Stadt schon immer gemocht", sagt der verheiratete Vater einer dreijährigen Tochter, der den Bürgermeister-Job als "24-Stunden-Aufgabe" versteht - und auf Nachfrage auch ankündigt, im Fall eines Wahlsiegs von Pfedelbach nach Waldenburg ziehen zu wollen.

"Auf Augenhöhe mit den Menschen umgehen"

Seine Agenda für die Bergstadt in Schlagworten? "Mir ist Jugend, Bildung und Kinderbetreuung sehr wichtig, der Ausbau der ÖPNV-Anbindung und eine moderne Verwaltung."

Letzteres bedeute für ihn nicht nur, die Digitalisierung im Rathaus zu forcieren - sondern "stets auf Augenhöhe mit den Menschen umzugehen". Den ambitionierten Kampf ums Bürgermeisteramt - den er dieser Tage bereits mit Flyern, mehreren Ortsspaziergängen und Bürgergesprächen führt - muss Vogelmann nicht alleine bestreiten: Ein mehrköpfiges "Wahlkampfteam" der Hohenloher Genossen sekundiert. Ein "SPD-Bürgermeister" wolle er dennoch nicht werden. "Ich lege dann das Parteibuch beiseite."

Zum Abschluss noch ein kleines Frage-Antwort-Spiel: Was ist ihm wichtig? "Familie, Pragmatismus, Humor." Von wem hat er am meisten gelernt? "Vom Geschäftsführer einer meiner Arbeitgeber." Der größte Fehler seines Lebens? "Ich würde heute keinen technischen Beruf mehr ergreifen, sondern einen sozialen oder medizinischen." Und was würde er sofort ändern, wenn er einen Tag König von Deutschland wäre? "Gar nicht so viel, aber ich würde was gegen Kinderarmut tun."

 

 


Christian Nick

Christian Nick

Autor

Christian Nick ist Redakteur bei der Heilbronner Stimme/Hohenloher Zeitung. Schwerpunktmäßig betreut er die Kommunen Kupferzell, Neuenstein und Waldenburg – schreibt aber auch über alles andere gerne.

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