Corona-Pause genutzt, um aus einer Lagerhalle in Zweiflingen eine Musikwerkstatt zu machen

Zweiflingen  Der Musiker und Komponist Thomas Höflein hat jetzt in einem Ortsteil von Zweiflingen viel Platz, um das zu tun, was er liebsten macht: sich in seiner Musik verlieren.

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Kann sich bis in die frühen Morgenstunden beim Verfeinern eines Songs in die Musik vertiefen: Thoms Höflein in seinem neuen Tonstudio in Zweiflingen.

Foto: Stefanie Jani

Von dieser Branche, die zu den wirklich Leidgeplagten der Corona-Krise gehört, ist kaum die Rede. Dabei sind zahlreiche Akteure betroffen: Die Rede ist von Musikern, deren Herz seit vier Monaten blutet. "Es ist fast wie ein Berufsverbot", meint Thomas Höflein mit einem Augenzwinkern. Auch der freiberufliche Komponist und Gitarrist leidet als Live-Musiker in zwei festen Bands und 15 Projekten, nicht nur weil er im Moment kein Geld verdient.

Allerdings hat der Talheimer die Zwangspause für einen lang gehegten Traum genutzt, den er sonst nicht so schnell verwirklichst hätte. Im Zweiflinger Ortsteil Orendellsall entsteht derzeit sein eigenes Tonstudio. Durch Zufall ist er auf die ehemalige Lagerhalle gekommen und hat sich gleich in die Lage, von idyllischem Grün der Landschaft umrahmt, verliebt.

Corona-Pause hat die Bauarbeiten beschleunigt

Der Vermieter, ein Musikliebhaber, war begeistert von der Idee. "Zugegeben, ich habe noch Glück, einen Freund zu haben, der Tonstudios baut und plant", erzählt Höflein weiter. Viel ist in Eigenarbeit mit vielen Freunden an Wochenenden entstanden. "Dass ich keine Auftritte habe, hat natürlich den Bau beschleunigt", sagt er. In den ersten Wochen stand er nach einer kurzen Nacht wieder auf der Baustelle. "Mit zwei, drei Stunden Schlaf am Wochenende hält man nicht lange durch", erinnert sich der staatlich geprüfte Leiter für Popularmusik.

Durch eine Garage ist die Musikschmiede zu erreichen. Ein Holzboden verleiht den Räumen etwas Gemütliches, an der Wand hängen drei Gitarren, ein braunes Ledersofa dient zum Ausruhen, an einem Tisch findet das sogenannte Outdoor-Equipment, das zur Klangveredelung dient, Platz. Der 40-Jährige sagt: "Im Prinzip würde heute ein einfacher Laptop reichen."

Häufig verliert er sich in der Musik

Die Gitarren an der Wand sind fast seine ganze Sammlung, ergänzt der Künstler, der auch etwas Schlagzeug spielt. "Ich habe eine Aufnahme mit einer Gitarre für knapp 500 Euro gemacht, das wollte keiner glauben." Er selbst empfinde eine große Sammlung eher als anstrengend. Wichtig im Studio ist indes der Schallschutz. So könne man sich zu jeder Tageszeit musikalisch entfalten, meint die bekennende Nachteule. Oft passiert es ihm, dass er sich in der Musik verliert und bis nachts an Ideen feilt. Zu seinen Vorbildern gehören zum Beispiel Joshua Kadison und natürlich Metallica, die ihn als Jugendlicher zur Musik gebracht haben. "Ich habe auf einer Bravo mal das Bild gesehen und beschlossen, Gitarre zu spielen."

In seinem Studio nimmt er alle Genres auf. "Sogar mal Schlager oder Hip Hop", erzählt er. In seinen Bands spielt er Jazz, Metall oder Typisches einer Coverband. "Man kann immer was dazulernen", ergänzt er. Auch die Gesangskabine ist klein aber fein. Theoretisch geht auch ein Schlagzeug rein, "das müsste man ausprobieren", überlegt Höflein. Ein paar Dinge fehlen noch. Zudem möchte auch er sich bald in Hohenlohe eine Bleibe suchen - ganz ohne Schallschutz.


Stefanie Jani

Stefanie Jani

Autorin

Stefanie Jani schnupperte schon zu Schulzeiten in die journalistische Arbeit der Stimme. Nach dem Studium in Regensburg und verschiedenen Praktika kehrte sie zurück in die Heimat und ist seit 2011 Redakteurin in Hohenlohe.

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